Bayern 2 - Zündfunk


8

Erinnerungsstätte Berlins Politiker*innen setzen sich für einen David-Bowie-Platz ein - denn es ist Wahlkampf

Berlin sorgt sich: Wie kann man David Bowie ehren? Der Popstar hat immerhin eine ganze Phase seines Schaffens nach der Stadt benannt. Das in einer Guerilla-Aktion angebrachte Strassenschild ist längst geklaut. Nun soll eine Kreuzung umbenannt werden. Wahre Liebe oder Wahlkampf?

Von: Florian Fricke

Stand: 09.02.2021

David Bowie bei einem Konzert in der Frankfurter Festhalle, 1978 | Bild: picture alliance / hans H. Kirmer

„David Bowie gehört zu Berlin, David Bowie gehört zu uns!“ – „Ich bin David Bowie!“, hat da nur gefehlt, frei nach John F. Kennedy, der so ähnliche Worte einst vor dem Schöneberger Rathaus ganz in der Nähe anschlug. So Bowie-verliebt gab sich jedenfalls der Berliner Oberbürgermeister Michael Müller, als er die Gedenktafel zu Ehren des Popstars an seinem ehemaligem Wohnhaus von 1976 bis 1978 enthüllte: Das war im August 2016, ein halbes Jahr nach Bowies Tod, und – Überraschung – kurz vor den letzten Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Damals wurde sogar die Hauptstraße für Müller gesperrt. Die Inszenierung sorgte für einen ordentlichen Medienrummel.

Und nun stehen fünf Jahre später wieder Wahlen an, und – Überraschung – die nächste Partei des traditionell queersten Bezirks Berlins entdeckt ihr Herz für den androgynen und bisexuellen Bowie. Patrick Liesener, der kulturpolitische Sprecher der CDU Schöneberg: „Wir haben uns den Kreuzungsbereich ausgesucht, weil da keine einzige Adresse geändert werden musste. Und trotzdem können wir hier in Schöneberg ein Zeichen für David Bowie setzen, eine Erinnerungsstätte.“

Ein Zeichen für Bowie

Der Radiosender RadioEins brachte ein temporäres David-Bowie-Strassenschild in Schöneberg an

Eine Kreuzung als Erinnerungsstätte, ja, das macht Sinn in dieser Stadt mit ihren chronischen Verkehrsproblemen. Ob der dazugehörige U-Bahnhof Kleistpark dann umbenannt würde, das ist ungewiss. Ich gehe die paar Meter zur Hauptstraße 155. Unter die Gedenktafel wurde ganz frisch Bowies Porträt an die Wand gesprüht nach dem Cover des 73er Albums „Alladin Sane“ – gut sieht das aus. Darunter steht ein einzelnes Grablicht. Nebenan lädt ein riesiges Antiquariat zum Stöbern ein. Sympathischerweise verzichtet Antiquarin Ute Volz darauf, billige Bowie-Souvenirs anzubieten. Es gibt nur eine einzige Postkarte, die ein David-Bowie-Straßenschild zeigt: „Das war ganz am Anfang, wenige Tage nach Bowies Tod hat der Radiosender RadioEins ein Schild vor dem Haus angebracht. Daraufhin kam aber das Ordnungsamt, weil dann ja eine sehr große Gefahr bestand, dass die Leute sich nicht mehr auskennen... Aber bevor das Ordnungsamt das Schild entfernen konnte, wurde es schon geklaut“, erzählt Volz.

Wie wäre es mit einem Museum

Fans legten nach Bowies Tod am 10.1.2016 Blumen und Kerzen in der Schöneberger Hauptstraße 155 nieder

Also heißt jetzt wahrscheinlich irgendein Berliner WG-Flur David-Bowie-Straße. Direkt gegenüber hat die Grünen-Politikerin Catherina Pieroth ihr Büro, sie ist gewähltes Mitglied des Abgeordnetenhauses. 1981 kam sie als pubertierende Tochter von Elmar Pieroth nach Berlin, als der sein Amt als Wirtschaftssenator unter Richard von Weizsäcker antrat. Catherina Pieroth ist selbst Bowie-Fan, sie hat sein letztes Konzert in Berlin 2003 in der Max-Schmeling-Halle besucht. Vor drei Jahren fühlte sie schon mal bei den Anwohnern vor, wie sie zu einer Umbenennung stünden: „Da kommen schon viele Leute hin. Und normalerweise liegen da auch Kränze. Man könnte das schon ein bisschen auffangen. Vielleicht reden wir mal mit dem Jugendmuseum, mit dem Haus am Kleistpark, dass man etwas entwickelt, was einem heutigen Tourismus gerechter wird. Also nicht nur: Straßenschild und das ist es dann.“


8