Bayern 2 - Zündfunk


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"Main Concept 3.0" David Pe über 30 Jahre Main Concept, seine Politisierung und die Entscheidung Arzt zu werden

Main Concept aus München feiern ihr 30-jähriges Jubiläum. Der Sound ist 90er - mit Boombap-Beats und Reggaetunes. Der MC David Pe ist nach 30 Jahren immernoch in Bestform - auch wenn er mittlerweile als niedergelassener Arzt arbeitet. Aktuell ist er fleißig am Impfen.

Von: Noe Noack

Stand: 27.05.2021

Main Concept 3.0 Album 2021 | Bild: Main Concept

David Pe von Main Concept ist mittlerweile Hausarzt mit eigener Praxis in München. Derzeit impft er im Akkord gegen Corona. Und als Rapper impft er auch mit feinen Zeilen gegen Rassismus, Nationalismus und Sexismus. Und das konstant seit über 30 Jahren. Das neueste Werk „Main Concept 3.0“ ist unser Album der Woche.

Zündfunk: Wir gehen mal 30 Jahre zurück, in die frühen Neunziger. Wie wurde da aus Dir ein politischer Rapper?

David Pe: Das war ja direkt nach der Wende und allein durch diesen Umstand schon eine politische Zeit. Dann kam es zu diesen Eklats in Hoyerswerda und Rostock, wo Nazis Menschen bedroht haben. Und das war natürlich DAS Thema, und dazu wollten wir uns äußern. Und die Rap-Gruppen, die mich damals inspiriert haben, waren halt Public Enemy oder auch KRS-One von Boogie Down Productions. Und das war ja alles gesellschaftskritischer bis politischer Rap. Und sowas wollte ich auch machen. Und Themen gab es ja genug.

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MAIN CONCEPT - 3.0 | Bild: 58Beats (via YouTube)

MAIN CONCEPT - 3.0

Politisch bist du geblieben. Ich würde sagen, das neue Album „Main Concept 3.0“ ist bestes Edutainment, wie es KRS-One ausdrücken würde. Also du lieferst intelligente Texte, unterfüttert mit Fakten. Und es ist auch eine Systemkritik. Wenn ich so einen Track wie „Brecht hat Recht“ anhöre, frage ich mich, geht so etwas der deutschen Szene mittlerweile verloren? Oder gibt es nur noch wenige, die in diese Kerbe schlagen und sich auch wirklich dezidiert politisch und sozial äußern?

Nein, ich finde, da gibt es durchaus einige. Klassische Beispiele der neueren Zeit wären jetzt die Antilopen Gang, Fatoni oder Roger Rekless hier aus München. Nur sind die politischen Themen nicht das, was in der breiten Öffentlichkeit zu hören ist. Das, was sich am besten verkauft, ist nun mal Bling-Bling-Materialismus-Rap.

Ich kann mich erinnern, vor sieben Jahren im Münchner Backstage, da musstet oder durftet Ihr mal im Vorprogramm von Die Orsons auftreten. Und im Publikum waren lauter Teenies. Und du hast dann plötzlich aus einem Buch ein Gedicht rezitiert. Das führte zu Gemurmel und Abwesenheit im Publikum.

Ich wusste damals nur, wir treten bei einem Jam auf. Das mit den Orsons habe ich dann erst mitbekommen, als ich dann dort war. Und das Publikum war halt überwiegend wegen denen da. Aber ich hab dann einfach mein Ding gemacht, und ein Teil davon war halt, dass ich aus Erich Mühsams Gedicht „Der Revoluzzer“ zitiere. Weil es einfach total on point ist. Normalweise ist das eines der Highlights unserer Show. Aber das Publikum dachte sich irgendwie, was macht der da mit dem Buch. Vielleicht hätte ich es vom Handy ablesen sollen, dann wäre es besser rübergekommen.

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MAIN CONCEPT - Brecht Was Right | Bild: 58Beats (via YouTube)

MAIN CONCEPT - Brecht Was Right

Aber es ist ja nie zu spät für Edutainment. Die Teenies von damals sind ja jetzt älter, und vielleicht steigen sie auf die neuen Main Concept Tracks ein. Wie entwickelt sich denn Euer Publikum? Wachsen die mit? Oder wachsen die nach?

Also unser Publikum ist schon hauptsächlich mit uns mitgewachsen. Natürlich sind auch immer wieder Jüngere dabei. Tatsächlich kommen auch Leute mit ihren Kindern zu unseren Konzerten. Insofern kommt schon ein junges Publikum nach. Aber letztendlich wäre das für mich in meinem Alter illusorisch zu glauben, ich könnte die Jugend erreichen. Ich könnte ja mittlerweile Ihr Vater sein. Und wer möchte sich schon Sachen von seinem Vater anhören.

Du lebst mittlerweile mit Familie und bist Arzt mit eigener Praxis. In den 90ern stand aber Hip-Hop noch auf Nummer 1 bei Dir oder? Wann hast Du entschieden, dich doch erstmal auf dein Medizinstudium zu konzentrieren?

Naja, irgendetwas muss man ja machen, also bin ich nach der Schule an die Uni gegangen. Und damals war das auch noch gar keine Option, von einer ernsthaften Rap-Karriere zu träumen. Aber in den Folgejahren ist es dann immer realistischer geworden. Und wir waren gut dabei in der Zeit. Wir sind viel aufgetreten und ich habe als Student echt gut gelebt. Aber irgendwann musste man sich tatsächlich entscheiden. Und der Kompromiss einer Rap-Karriere wäre gewesen, sich auch auf das Business einzulassen. Auf das ganze Drumherum. Auf die Abhängigkeit vom Wohlwollen der Medienlandschaft. Das packe ich nicht.


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