Bayern 2 - Zündfunk


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Ein Rückblick auf ein Jahr voller Widersprüche Das Pop-Jahr 2018: The Kids are (not) alright

Pop und Politik - das Jahr war so widersprüchlich wie die Welt nun mal ist: In Chemnitz kommt es zu Ausschreitungen, #wirsindmehr wird der Hashtag des Jahres, in den USA schnappt sich Alt Right immer mehr popkulturelle Codes. Unsere Musikredaktion blickt zurück auf ein Jahr voller Widersprüche.

Von: Michael Bartle, Ann-Kathrin Mittelstrass, Alba Wilczek, Katja Engelhardt, Malcolm Ohanwe, Judith Schnaubelt, Sebastian Spallek & Klaus Walter

Stand: 14.12.2018

Riot Open | Bild: reddituser CatbirdOnAStick

The Kids are alright?

"The Kids Are Alt Right" heißt ein aktueller Song der US-Band Bad Religion. Die Musiker sind keine Kids mehr, eher Altherren-Punks. Sie beklagen, dass die Kids heutzutage nicht mehr links sind, sondern rechts – Alt Right. Die neue, die Alternative Rechte in den USA ist attraktiv für Leute, die sich vom sogenannten Mainstream absetzen wollen. Vor allem für weiße, junge Männer. Hier ein paar übersetzte Zeilen:

"Populismus ist eine ausverkaufte Show, Menschlichkeit ist nicht gefragt, wenn jeder eine AR-15 dabei hat. Wir lieben Gott, wir lieben unsere Frauen. Wir lieben unsere Tradition, wir lieben unsere Familie. Also wenn du dich allein fühlst und unterdrückt, dann gibt es ein Rezept: Mach mit bei der Alt Right."

Das Klagelied von Bad Religion ist eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Die Punkveteranen kommen daher wie der wohlmeinende linksliberale Lehrer, der fassungslos zur Kenntnis nehmen muss, dass seine Schüler ein Faible für Faschisten haben. Die Kids sind plötzlich Alt Right, dabei waren sie doch immer All Right.

Chemnitz, August und September 2018

Rechte und Neonazis greifen tatsächliche oder vermeintliche Migranten, Gegendemonstranten, Polizisten sowie Pressevertreter und unbeteiligte Passanten an - und ein jüdisches Restaurant. Es sind vor allem junge Männer, die hier die APO, die außerparlamentarische Opposition des Jahres 2018 darstellen: Viele tragen Hoodies, Sonnenbrillen, Bärte und Tattoos - auf den ersten Blick ist ihr Style nur schwer zu unterscheiden von anderen Jugendkultur-Protestbewegungen. Mit der Ästhetik von Punks und Metallern machen sie Jagd auf Minderheiten.

Flashback. 1992. Diedrich Diederichsen: The Kids are not alright

Dieses Zitat von Diederichsen ist leider immer noch aktuell: „Was sich seit 1990 in der Welt abspielt und in Deutschland auf besonders fiese Weise gespiegelt und verstärkt wird, ist die Zuspitzung der Bewaffnung mit Identitätskriegen, die im Gegensatz zu früheren Style Wars nicht nur semiotisches Territorium umkämpfen. The Kids are not alright.“

ZÜNDFUNK-Redaktions-Sitzung, circa Februar 2018

Frage: "Sollen wir für das Album der Woche eine Frauen-Quote einführen?"

Vielleicht sind andere Kids alright? Die "Generation Kanack" ballert los

Deutscher Hip Hop dominiert die Single-Charts. Capital Bra landet einen Hit nach dem anderen, aber auch Mero mit “Baller los”, Onkel Bushido und Bonez MC stehen ganz oben. RAF Camora knackt 2018 sogar als erster deutschsprachiger Hip-Hop-Künstler die 1 Milliarde Streams. Alles Rapper mit sogenanntem Migrationshintergrund. Musik mit migrantischen Einflüssen ist derzeit die erfolgreichste Musik des Landes. Weil sie einen Nerv trifft. Hafti und der afrodeutsche Rapper Manuellsen nennen einen Song “Generation Kanack”. Aber fast niemand in den Medien oder den Radiostationen ist bereit, diesen diasporischen Pop-Diskurs zu führen. Auch der Zündfunk hat sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert oder sich durch besonderes Früh-Checkertum hervorgetan. Bis zum 22.12.2018 waren die Rapper Mero, Bonez MC oder Capital Bra genau Null mal auf einer Zündfunk-Playlist.

Aber: HipHop dominiert den Mainstream, die sozialen Netzwerke und die Verbreitungsformate. Und, so scheint es, die Köpfe der Generation Y. Auf Platz 1 der deutschen Youtube-Trends? Schon wieder ein Video von Capital Bra. Meistgebrauchter Twitter-Hashtag? #wirsindmehr. Der Hashtag, der nach den Chemnitz-Ausschreitungen für ein Soli-Konzert ins Leben gerufen wurde. Organisiert von Kraftklub und den Rappern Casper, Marteria und Trettmann.

She Bad: Queen Monae

In dem Aggregat aller relevanten Jahresbestenlisten weltweit werden die ersten drei Plätze von Frauen besetzt, Janelle Monae führt die Liste an. Auf Platz 4 die Band Low, immerhin hat auch dieses Trio eine Frau an Bord. Sieben aus den Top Ten sind Künsterinnen. Mit Lizzo, Cardi B, Leikeli 47, Ebony Bones und Janelle Monae werden sich auch in den Zündfunk-Single-Charts so viele afro-amerikanische oder afro-britische Künstlerinnen und Rapperinnen platzieren wie nie zuvor.

Ein Widerspruch auf zwei Beinen: Die Proud Boys von Gavin McInnes und ihr Kampf gegen die "politisch korrekte linke Elite"

"Ich bin noch immer der Punk, der ich vor 20 Jahren war. Nur dass meine Zielscheibe nicht mehr die bourgeoisen Spießer aus den Vororten sind, sondern die politisch korrekte linke Elite", sagt Gavin McInnes, 48 Jahre alt, gerne mit Sakko und Jeans bekleidet und einem adrett frisierten Vollbart. McInnes ist Mitgründer des Magazins Vice und damit eine prominente Figur der Hipsterkultur der Nullerjahre. Unter dem Dach der Vice Media expandiert das Unternehmen weltweit und multimedial, mit eigenem Musiklabel und einer Filmproduktion. Gezielte Tabubrüche und bewusste Verstöße gegen die sogenannte politische Korrektheit gehören von Anfang an zum Erfolgsrezept von Vice. 2008 verläßt Gavin McInnes das Magazin. 2016 gründet er in den USA die Proud Boys. In kürzester Zeit entwickeln sich die Proud Boys von McInnes zu einem wichtigen Player im Kulturkampf von rechts.

Gavin McInnes in Berkeley

Diesen Befund bestätigt Angela Nagle. Die in Irland geborene Autorin hat ein viel diskutiertes Buch geschrieben: "Die digitale Gegenrevolution. Online-Kulturkämpfe der Neuen Rechten von 4chan und Tumblr bis zur Alt-Right und Trump." Für Angela Nagle sind die Proud Boys eine Bewegung, "die eine Fred Perry tragende Skinhead-Punk-Ästhetik pflegt und die Doktrin No Wanks (»Kein Wichsen«) verbreiten möchte." Ihrem Gründer Gavin McInnes zufolge stehen sie für folgende Überzeugungen: "Minimaler Staat, maximale Freiheit, gegen politische Korrektheit, gegen Race-Schuldgefühle, für das Recht auf Schusswaffen, gegen den Drogenkrieg, für geschlossene Grenzen, gegen Masturbation, Unternehmer hochachten, Hausfrauen hochachten."

Alt-Right Demonstrant in Philadelphia

Der mitunter ironische, fast schon spielerische Umgang mit vermeintlichen Widersprüchen ist eine der Stärken der neuen Pop-Rechten – und macht ihren Reiz aus. Gavin McInnes ist ein wandelnder Widerspruch auf zwei Beinen. Bernhard Pirkl schreibt dazu in der Jungle World: "McInnes gilt als eine Galionsfigur der anglophonen Neuen Rechten und wird häufig der »Alt-Light« zugeordnet, die ein diffuses Milieu mit konservativen, radikal­liberalen bis rechtsextremen Exponenten bildet und an deren Rändern fließende Übergänge zur Alt-Right bestehen, von deren allzu rassistischem und homophobem Gedankengut man sich allerdings gerne abgrenzt. Der Hauptfeind von McInnes aber ist die von ihm sogenannte „politisch korrekte linke Elite“. Denn die Diktatur der politischen Korrektheit erfinde immer neue Wörter im Namen der Gerechtigkeit, sie errichte immer neue Tabus und Sprechverbote, und sie treibe den sogenannten Genderwahn immer weiter, bis in den Wahnsinn."

Zündfunk-Redaktionssitzung, Mitte November 2018:

"Ein weißer Mann mittleren Alters kann doch gar keine Diskriminierungserfahrung machen." (Malcolm Ohanwe)

All that Jazz: Kamasi, Sons Of Kemet, Ben Lamar und die anderen

Judith Schnaubelt sagt:

Jazz schmeckt nicht, Jazz riecht nicht, Jazz sieht nicht aus.

Jazz ist kein alter Hut.

Jazz klingt, spricht, singt.

Jazz bluest, groovt, funkt.

Jazz kämpft, improvisiert, spielt sich frei.

Aber Jazz schmeckt nicht. Ist keine Kleidung. Riecht nicht.

Jazz ist Musik, ist Freiheit, ist Musik.

Jazz ist wieder da.

Mit Popappeal und gereckter Faust.

Mit einer Energie, die alle Grenzen sprengt, die spielt, die mit allen tanzt.

Massive respect & love supreme!  

TRANS-Sylvania: Der non-binary POP

Planningtorock bezeichnet sich als "non-binary femme" und landet mit ihrem Album "Powerhouse" auf vielen Bestenlisten. Janelle Monae sagt von sich, sie sei pansexuell. Kim Petras, eine deutsche Transfrau, findet sogar im turbulenten amerikanischen Pop-Zirkus Beachtung (mit Hilfe von Dr. Luke, aber darüber müssen wir uns ein anderes Mal streiten) und nennt einen Song "TRANSylvania". SOPHIE aus Schottland ist gleich gar kein eindeutiges Geschlecht mehr  - und verwirrt uns alle dermaßen, dass wir gleich doppelt so viel und doppelt so reflektiert über Geschlechter und Identitäten nachdenken müssen - ihr Album war ein Lieblingsthema fast jedes Feuilletons. Der australische Pop-Jüngling Troye Sivan kollaboriert mit Stars wie dem Pop-Diva-Nachwuchs Ariana Grande und veröffentlicht mit "Bloom" eine Single, die nicht nur charts-tauglich ist, sondern die Person seiner Begierde auch noch mit männlichen Pronomen versieht und in Codes von Analsex handelt. Obendrauf kommen die queeren Stars der zweiten Garde wie Dorian Electra gepusht von Künstlern wie Charli XCX oder Comebacks von queeren Lieblingen wie Robyn. Katja Engelhardt: "Das Popjahr 2018 war für mich vor allem LGBTQI*, unter diesen Vorzeichen: Ich freue mich auf 2019."

Bye, Bye, “Hausmeister des Wahnsinns”

Vier Jahrzehnte lang war die Spex unser MUSIK ZUR ZEIT, am Ende des Jahres wird sie nun eingestellt. Diedrich Diederichsen, der ehemalige Spex-Chefredakteur und heutige Professor für Gegenwartskunst schreibt zum Abschied in der Süddeutschen:

"Es haut nämlich nicht hin, wenn freundliche Nekrologen der Spex und des Musikzeitschriftenwesens von wichtigen Texten raunen, die dort früher die Welt gedeutet hätten und heute nicht mehr zu finden wären. Der tiefe attraktive Alltag bestand in den zahllosen tapferen Texten, die sich durch ihrerseits zahllose Tonträger, Outfits, Behauptungen wichtiger und vor allem genial unwichtiger Menschen durcharbeiteten."

Wir werden die Spex vermissen. Und weitersenden. Der wimmelnde Gefühlsüberschwang von Millionen braucht Platz im Äther. Diversity braucht Stimme. Noch wissen wir nicht zu 100 Prozent, in welche Richtung der Mainstream der Minderheiten fließt und wie die Echokammern der Minderheiten eigene, keiner Logik mehr folgende Mainstreams bilden.

Ebenfalls abgeschafft wurde auch der Echo: am Ende wusste niemand mehr, für welchen Mainstream er kraftlos steht, welchen Mainstream er neoliberal umarmen muss und welchen besser nicht. Es war dann nicht der Freiwild-Skandal, sondern bezeichnenderweise ein so durchsichtiger wie unnötigen Tabubruch von Kollegah und Farid Bang, zweier muslimischer Stimmen des deutschen HipHops, die mit ihrer Echokammer zuviel waren für den deutschen Echo.

"Großes Kino, Jodi Foster" (Haiyti): Der Bad Gyal Flex

"Ich habe generell das Gefühl", schreibt Alba Wilczek, "dass im Pop offener mit der weiblichen Sexualität umgegangen wird. Immer mehr Künstlerinnen trauen sich was." Vielleicht weil sich das gesellschaftliche Klima durch #metoo und der Feminismus-Bewegung geändert hat. Und: "Janelle Monae schreibt mit “PYNK” eine Hymne auf den weiblichen Geschlechspart und tanzt im Video in “Vulva”-Kostüm." Rapperin cupcakKe verpackt vulgäre Texte in Hammer Songwriting und rappt frei über weibliche Sexualgelüste.

Climbing on that dick, need a 10 feet ladder

I love the D, that's my favorite letter

My nudes in your phone, takin' up your data

My cakes got fatter by usin' cum as the batter

Look down to your dick and tell him I won't disappoint it

Pussy on punishment if she miss a dick appointment

Mundräuber & Borderliner

"Wie trotzige Kinder kultivieren Pop-Rechte einen geradezu obsessiven Drang, die verbotenen Wörter in den Mund zu nehmen. In seiner Fernseh-Show unterhält Gavin McInnes seine Fans mit einem Stakkato der demonstrativen Unkorrektheit: Männer sagen das N-Wort und sie sind stolz darauf. Und es sind wirklich nur Männer, unterlegt von heiter-beschwingter Musik" sagt Klaus Walter in seinem Zündfunk-Generator "The kids are ALT-right"

I hear the drums echoing tonight: Das Nonsense-Netz liebt Africa

2018 hat allen erneut gezeigt: Das Internet liebt Nonsense. Nichts Neues. Die Liste der Beispiele ist lang. Julia Engelmann-Poesie in den Pop-Charts, Youtube-Bibi wird Mama, Kim Kardashian zeigt mal wieder ihren Hintern. Und und und. Das Netz lebt vom Bullshit. Und vom Humor-Hype. Besonders beeindruckend ließ sich das dieses Jahr aber im Pop beobachten. Eine stinknormale Achtziger-Hymne mutiert im Jahr 2018 zu einem Internet-Phänomem. Alle lieben Africa by Toto. Allein das offizielle Africa-Musikvideo auf Youtube hat mittlerweile über 400 Millionen Views. Das sind mehr als Phil Collins “In the Air tonight” und Eagles “Hotel California” zusammen. Überall existieren Meme-Seiten, Exzerpte über die Interpretation des ulkigen Musikvideos und ein Meer an Fanposts und Fanpages. Wahrscheinlich hätte es auch jeden anderen Song aus den Achtzigern treffen können. Alles reiner Zufall. Und wie der zieeeeeeht. Kommen die Trommeln auf einer Party, rastet die Crowd aus. Auch wenn eigentlich mit Hip-Hop geworben wurde. Ist doch geil. Und mal ehrlich: Jeden Tag lesen wir von einer neuen Internet-Challenge, bei der Teenies fast drauf gehen. Oder von Hass-Botschaften, die aus jeder Ecke des Netzes quillen - da ist der Hype um einen 0815-Pop-Song aus den 80ern wirklich das kleinere Übel.

Deutschland, atemlos im Stream

Mitte des Jahres war es dann so weit - ein Paradigmenwechsel nach über 40 Jahren: Streaming überholt die CD. Spotify und Co. erklären die Silberscheibe zu einem Nischenprodukt. Zum Jahresende bekommt Helene Fischer mit ihrem Album "Helene Fischer" zum zweiten mal die Chart-Auszeichnung "Album des Jahres". Auch im Jahr zuvor hat sie den gleichen Preis bekommen - für das gleiche Album.

#Wir sind mehr

Am 6. November soll Feine Sahne Fischfilet auf Einladung des ZDF in der Aula des Bauhauses Dessau ein Konzert spielen. Aus Angst vor rechtsextremen Protesten bekommt die Stiftung kalte Füße und sagt das Konzert ab. "Wir als Bauhaus sind ein bewusst unpolitischer Ort" - so lautet zunächst die Begründung. Statt dem Bauhaus tritt die Band nun im Brauhaus auf, das Konzert wird zum Triumphzug. Eine Woche später muss ein Konzert der Band wegen eine Bombendrohung unterbrochen, eine Kinovorführung ihres Dokumentarfilms "Wildes Herz" sogar abgesagt werden.

Helene Fischer im Kampf gegen Rechts

Zwei Monate zuvor hatte Deutschlands erfolgreichster Star das Schweigen gebrochen. Nach den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz schreibt Helene Fischer in einem Instagram-Post: In einem Instagram-Post hatte sie sich schon wenige Stunden vor ihrem Konzert zu Wort gemeldet: "Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen, wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist – das sollte uns stolz machen", schreibt die 34-jährige Schlagersängerin. Auf einem Konzert in Berlin macht sie die Ansage: "Erhebt gemeinsam mit mir die Stimme, gegen Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit. Lasst uns gemeinsam dieses Lied singen, wir brechen das Schweigen, hier in Berlin". Auch in München und Berlin gibt es Demos mit insgesamt Hunderttausenden Menschen für Toleranz und Miteinander und gegen Hass und Hetze.

Pretty Vacant - Nevermind

Oktober 2018: Während Schlagersängerin Helene Fischer für #wirsindmehr das Wort ergreift, lässt sich John Lydon vor einem Auftritt in New Orleans mit einem "Make America Great Again"- T-Shirt ablichten. Lydon war früher Sänger der Sex Pistols, einer seiner größten Songs hieß "Anarchy in the UK". John Lydon sagt von sich, er befürworte den Brexit. Das tut auch Morrissey. Und nicht nur das.

"That Joke isn’t funny anymore" (The Smiths)

Angela Nagle, zitiert im Zündfunk-Generator "The Kid are Alt-Right" von Klaus Walter: "Die Kritik des Mainstreams und der Massenkultur ist traditionell die Domäne der Linken und linker Avantgarden. Seit der Beschäftigung mit der Alt-Right-Bewegung kam ich einfach nicht mehr mit der Vorstellung klar, dass Gegenkultur etwas inhärent Emanzipatorisches habe. Wir sind so daran gewöhnt, die Massenkultur und die Massengesellschaft zu kritisieren, dass wir übersehen, dass einige der nihilistischsten, menschenfeindlichsten und gewalttätigsten Impulse in Wirklichkeit von den Rändern kommen. Ich finde jedenfalls nicht mehr, dass ästhetisch-politische Marginalität und progressive Inhalt zwangsläufig zusammengehören."

Joy as an act of resistance

Dezember: Die Zündfunk-MusikmacherInnen wählen ihre und unsere die Alben des Jahres. Einige von uns entdecken den Jazz wieder, mit Kamasi Washington, Noname, den Sons Of Kemet und Ben Lamar-Gay landen sogar einige Nu-Jazzer oder vom Jazz inspiertere KünstlerInnen in der ein odern anderen persönlichen Bestenliste ganz oben. In den Top Ten überwiegen Album der Titel der Freude: "Devotion", "Heaven and Earth" oder "Joy as an act of resistance", aber ein Zündfunk-Top-Ten-Album findet sich auch "Double Negative". Die Menschen sind eben "Dimensional People".


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