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#failoftheweek Sorry, aber das mit selbstfahrenden Autos wird erstmal nichts

Füße hochlegen, Nintendo Switch rausholen und sich einfach von seinem Auto irgendwo hin kutschieren lassen: Davon träumt Christian Schiffer seit Jahren. Doch daraus wird erst einmal nichts, denn die Zukunft war selten zuvor eine so große Enttäuschung wie heute. Ein Kommentar.

Von: Christian Schiffer

Stand: 01.03.2019

David Hasselhoff mit KITT in Knight Rider | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Auto, ein Computer, ein Mann. Oder genauer: Ein Auto, so windschnittig wie ein Lachs und so cool wie Michael Knight, bevor er dann leider zu David Hasselhoff wurde. Ein Auto, das springen, Geld auszahlen, sprechen und schwimmen kann und zu dessen Ausstattung ein Drucker gehört, und auch ein Flammenwerfer - man weiß ja nie.

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Knight Rider - Show Trailer | NBC Classics | Bild: NBC Classics (via YouTube)

Knight Rider - Show Trailer | NBC Classics

Natürlich ist Kitt, wie das Auto aus der Serie "Knight Rider" heißt, für viele von uns immer noch ein Sehnsuchtsgegenstand, früher natürlich wegen dem integrierten Flammenwerfer, heute eher wegen dem integrierten Drucker. Damals wie heute allerdings fasziniert es uns, dass Kitt von alleine fahren, lenken und einparken kann. Und natürlich hatten wir die Hoffnung, dass es zumindest dieses Feature aus dem Röhrenfernseher unserer Kindheit in die Jetztzeit schaffen würde - immerhin arbeiten seit gut zehn Jahren Google & Co. an autonom fahrenden Fahrzeugen. Doch mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Diese Woche wurde beispielsweise bekannt, dass Apple 190 Stellen in seiner Sparte für autonomes Fahren streicht.

Unfälle sind nicht gesunken, sondern gestiegen

Elon Musk

Denn so richtig rund läuft es gerade nicht mit den selbstfahrenden Autos. Vor einem Jahr kam es zu einem tödlichen Unfall, weil ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Frau mit einer Papiertüte verwechselte. Und vor Kurzem erst wurde bekannt, dass sich eine US-Behörde bezüglich der Unfall-Statistik des Elektroauto-Pioniers Tesla grob verrechnet hatte.

Dabei hatte Tesla-Chef Elon Musk doch schon längst etwa, nun ja, großspurig damit geprahlt, dass der Tesla-Assistent, der den Fahrer beim Halten der Spur und beim Spurwechsel unterstützt, die Anzahl an Airbag-Auslösungen um 40 Prozent reduziert habe. Offenbar sind die Unfälle aber nicht gesunken, sondern gestiegen - und zwar um satte 59 Prozent.

Das Problem bei selbstfahrenden Autos: Entweder sie bremsen wegen der kleinsten Irritation am Wegesrand ab oder die Techniker schrauben die Toleranz hoch. Dann allerdings kann es eben auch mal passieren, dass ein Mensch als Papiertüte durchgeht – und überfahren wird. Und nicht nur die künstliche Intelligenz ist ein Problem, sondern auch die menschliche. Menschen verhalten sich im Straßenverkehr manchmal erratisch, das kann einen Computer schon mal überfordern.

Autos so autonom wie ein Säugling

Es ist schon traurig: Wir träumten von sich selbst bindenden Schuhen und bekamen die Nike Hyperadapt für 700 Euro, die letzte Woche gleich mal durch ein Software-Update geschrottet wurden. Wir träumten von Raketenrucksäcken und bekamen Flugtaxis für die Upperclass.

Und wir träumten von selbstfahrenden Autos und bekommen vielleicht irgendwann mal einen Audi, der uns im zähfließenden Verkehr auf der A9 Richtung Allershausen mal kurz die Hände vom Lenkrad nehmen lässt - ansonsten aber so autonom ist wie ein Säugling und in etwa so windschnittig wie ein Containerschiff. „Die Zukunft war früher auch mal besser“ hat Karl Valentin gesagt. Selten aber war sie eine so große Enttäuschung wie heute.


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