Bayern 2 - Zündfunk


15

#failoftheweek Warum es ziemlich beruhigend sein kann, während der Corona-Panik "Plague Inc" zu spielen

Die Chinesen! Die Juden! Die Pharmalobby! Schneller als die Krankheit selbst verbreiten sich Verschwörungstheorien zum Corona-Virus. Das Gegenmittel dazu ist ein Computerspiel, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 31.01.2020

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Plague Inc: Evolved Official Launch Trailer | Bild: Ndemic Creations (via YouTube)

Plague Inc: Evolved Official Launch Trailer

Das ist der Trailer zum Computerspiel "Plague Inc" aus dem Jahr 2012. In dem Strategietitel schlüpft man in die Haut einer Seuche. Das Ziel: Die Menschheit ausrotten bis zum letzten Homo Sapiens. Also lässt man das Virus mutieren und schaut, dass es schön ansteckend wird. Und außerdem tödlich, aber auch nicht zu tödlich, denn schließlich muss es sich ja verbreiten können und Tote steigen nicht in Flugzeuge und husten niemandem in die Pausenstulle.

Das Spiel "Plague Inc" zeigt, wie groß die Aufregung ist

"Plague Inc" ist ein anspruchsvolles Spiel. Zum einen, weil die internationale Forschungscommunity ein unerbittlicher Gegner ist, mit ihren Quaratänemaßnahmen und Impfungen. Zum anderen ist da aber auch Grönland. Am Ende sind meistens zwar über sieben Milliarden Menschen tot, aber im dünn besiedelten Grönland überleben oft ein paar Inuit, die vermutlich unbeeindruckt auf ihrem Robbenfleisch herumkauen. Game Over.

"Plague Inc" war fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Diese Woche allerdings stürmte das Spiel die Charts. Das passiert jedesmal, wenn irgendwo eine Krankheit ausbricht. Die Entwickler sahen sich sogar zu einem Statement veranlasst: Leute! "Plague Inc" ist nur ein Spiel.

"Wir würden den Spielern immer empfehlen, ihre Informationen direkt von lokalen und globalen Gesundheitsbehörden zu erhalten."

Ndemic Creations, Publisher

Das Beispiel "Plague Inc" zeigt, wie groß die Aufregung um das Corona-Virus ist. Und es ist ein eher harmloses Indiz. Die weniger harmlosen Indizien: Das Aufkommen von Verschwörungstheorien.

Das Corona-Virus hat alles für eine gute Verschwörungstheorie

Auf Youtube gibt es sie zuhauf: Leute, die ganz genau wissen, was los ist. Die ganz genau wissen, dass das Corona-Virus von Bill Gates, den Juden, der Pharmalobby entwickelt wurde, um Impfstoffe zu verkaufen, die Bevölkerung zu dezimieren oder einfach mal eine neue Biowaffe auszuprobieren. Mehrere Dinge spielen den Schwurblern dabei in die Hände: Eine unsichtbare Gefahr, ein willkommenes Feindbild, nämlich Chinesen, Medien, Wissenschaftler und die WHO - und ein irgendwie ja wirklich reales Problem, etwa die durchaus erratische Informationspolitik der chinesischen Regierung. So wie ein Virus in "Plague Inc" verschiedene Attribute braucht, um möglichst viele Menschen anzustecken, so braucht eben auch eine Verschwörungstheorie gewisse Zutaten, um sich verbreiten zu können - und das Corona-Virus bietet sie alle. Dazu gehören natürlich auch beunruhigende Bilder von abgeschotteten Städten, Krankenhäusern, die angeblich in Rekordzeit hochgezogen werden und die Ausrufung des Gesundheitsnotstands. Gegen die Angst helfen dann Theorien, die manchen Menschen paradoxerweise das Gefühl von Kontrolle vermitteln, weil sie dann wenigstens zu wissen glauben, wer schuld ist an dem ganzen Schlamassel.

Letzte Zuflucht Grönland?

Das Computerspiel "Plague Inc" ist gegen solchen Quatsch ein ziemlich gutes Gegenmittel. Ja, es ist zwar nur ein Spiel, aber eines, das auf ein recht realistisches epidemisches Modell zurückgreift. Und das wiederum zeigt, dass Krankheiten nicht im Bunker der Weltelite geplant werden, sondern ein Zufallsprodukt der Natur sind – dem die Wissenschaft auch nicht wehrlos gegenübersteht. Und anders als im Spiel gibt es in der Realität deswegen auch keinen Grund panisch zu werden oder vor dem Corona-Virus gar nach Grönland zu fliehen.


15