Bayern 2 - Zündfunk


13

Nachhaltiges Touren Darum sind Konzerte Klimakiller

Alles, was Spaß macht, zerstört die Umwelt. Zum Beispiel SUV-Fahren oder nach Mallorca fliegen. Auf der Liste der unnötigen Umweltbelastungen stehen leider auch Konzerte. Denn sie verschleudern extrem viel CO2. Und der größte Klimakiller sind nicht mal die Bands.

Von: Niklas Münch

Stand: 11.12.2019

Chris Martin auf der Bühne | Bild: picture alliance / Pacific Press

Vor drei Wochen machte ein hämischer Witz in unserer Redaktion die Runde: Der größte Erfolg der Klimabewegung ist, dass Coldplay keine Konzerte mehr geben. Mitte November hatte die Band nämlich verkündet, dass sie mit ihrer neuen Platte nicht auf Tour gehen wollen. Stattdessen wollen sie darüber nachdenken, wie sie ihre Konzerte nachhaltiger gestalten können. Denn über die Umweltbelastung von Musikveranstaltungen wird wenig geredet.

Klimakiller Konzert

Nicht gerade klimaneutral: Rammstein-Konzert in Dresden aus der Ferne

Die größte Klimasünde auf Musikkonzerten ist eine, mit der die wenigsten rechnen. Es sei nämlich gar nicht das Reisen und das Fliegen der Künstler, sagt Friedemann Bauknecht. Er ist Gründer von „Soundsgood“, einer Künstleragentur bei Köln und beschäftigt sich damit, wie Konzerttourneen nachhaltiger veranstaltet werden können. Interessant sei, „dass vor allem der Besucher oder die Besucher eigentlich das Gros des CO2 Ausstoßes eines Konzertes ausmachen“, erzählt mir Friedemann Bauknecht.  

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Studien, die bisher in diesem Bereich gemacht wurden. Demnach verursacht die An- und Abreise der Besucherinnen und Besucher oft das meiste CO2. Dicht gefolgt von der Konzertlocation, die durch ihren Energieverbrauch viel CO2 in die Luft bläst. Die Anreise der Band und der Transport ihres Equipments fällt dabei gar nicht so ins Gewicht. „Wenn man das versucht hochzurechnen, anhand von Ticketverkäufen, dann kommt man ungefähr auf 372.000 Tonnen CO2, die in Deutschland entstanden sind durch Konzerte“, erzählt uns Friedemann Bauknecht. Und dieser Jahreswert sei nur grob geschätzt. Grundlage ist eine Studie dreier britischer Klimaforscher aus dem Jahr 2010.

Bei einem Konzert werden durchschnittlich 5kg CO2 pro Besucher freigesetzt. Bei einem eher mittelkleinen Konzert, mit 200 bis 400 Besuchern werden so 1-2 Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht einem Langstreckenflug, zum Beispiel von München nach New York.

Nachhaltiges Touren: So geht‘s

Sollten also in Zukunft weniger Konzerte stattfinden, um das Klima zu schonen? Auf keinen Fall, sagt Jacob Bilabel, Geschäftsführer des Berliner Think-Tanks „Thema1“ und Kopf hinter der „Green Music Initiative“. Er sieht es als Herausforderung und fragt: „Wie schaffen wir in Zukunft ein schöneres, bunteres, lauteres Konzert aber mit weniger Ressourcen.“

Die „Green Music Initiative“ berät nachhaltige Projekte in der Musikindustrie. Gemeinsam mit der Popakademie Baden-Württemberg haben sie den „Green Touring Guide“ veröffentlicht. Dort finden Veranstalter und Bands Tipps, wie sie Konzerte nachhaltiger gestalten können. Das ist gar nicht so schwierig, sagt Jacob Bilabel. Die Erfahrung in den letzten Jahren habe gezeigt, dass man mit relativ einfachen Maßnahmen 20 bis 25 Prozent des Stromverbrauchs einsparen könne.

Zum Beispiel indem Veranstalter ihre Beleuchtung mit stromsparenden LED-Leuchten ersetzen. Eine Umstellung auf Ökostrom senkt dabei zusätzlich den CO2 Abdruck. Außerdem kann der Veranstalter bei der Verpflegung des Publikums und der Bands regionale Produkte beziehen.

Attraktive Angebote schaffen

„Wenn man jetzt versucht ein ÖPNV Ticket in die Konzertticketkarte mit zu integrieren, dann ist einfach sehr viel wahrscheinlicher, dass Leute das nutzen“, sagt auch Friedemann Bauknecht. Denn die An- und Abreise der Gäste bleibt der größte Faktor. Hier können auch die Künstler etwas bewirken, indem sie bei ihren Fans darum werben, das Auto zu Hause zu lassen.

Will erstmal nicht mehr Touren: Coldplay-Sänger Chris Martin

Gleichzeitig könnten die Künstler überlegen, statt mit dem Tour-Bus mit der Bahn anzureisen. Und Schlagzeug und Equipment, das es vor Ort gibt, nutzen. In der Musikbranche wächst langsam ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, sagt Jakob Bilabel von der „Green Music Initiative“. Immer mehr Veranstalter, Agenturen und Bands kommen auf sie zu. Die können das aber nicht alleine stemmen. Bilabel sieht die Politik in der Verantwortung, die Akteure finanziell zu unterstützen. Er findet, dass die Politik da ein Programm aufsetzen und Menschen unterstützen müsste, die sich für nachhaltige Konzerte engagieren.

Diese Botschaft, sei bei der Politik auch angekommen, glaubt Jacob Bilabel. Konkret gäbe es aber bisher wenig bis keine Unterstützung. Wenn die Regierung ihre Klimaschutzziele erreichen wolle, müsse sie aber auch in diesem Bereich mehr tun. 


13