Bayern 2 - Zündfunk

Danger Dan über "Kunstfreiheit" „Ach du Scheiße, was habe ich denn da ausgelöst?“

Der Song des Jahres 2021, gewählt von den DJs der Zündfunk- und Nachtmix-Redaktion, ist „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ von Danger Dan. Wir haben den Rapper angerufen und ihn gefragt, was sich für ihn im letzten Jahr verändert hat.

Von: Tobias Ruhland

Stand: 17.12.2021

Danger Dan auf einem Konzert in Wismar | Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner

Zündfunk: Herzlichen Glückwunsch, Danger Dan, du bist der Zündfunk-Top-Track des Jahres 2021!

Danger Dan: Wahnsinn. Unglaublich! Vielen Dank.

Hast du schon eine Ahnung, mit welchem Song?

Ich fürchte mit „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Oder doch mit „Eine gute Nachricht“? Aber wahrscheinlich ersterer.

Stimmt. Du fürchtest? Warum fürchtest du das?

War nur eine Floskel. Ich freue mich natürlich total darüber, und das liegt auf der Hand. Ich habe von vielen Menschen Feedback bekommen, und glaube, das ist für ganz viele Leute im Moment so der Track des Jahres. Und für mich persönlich ja auch. Das hat ja unglaublich viel ausgelöst.

Wir haben auch festgestellt, wenn man die Songs mal durchgeht, die wir in den letzten Jahren ausgewählt haben: Es soll schon tanzbar sein, darf aber auch eine Message haben. Und tanzen kann man jetzt nicht so gut auf die Kunstfreiheit. Aber der Text schlägt halt in dem Fall das Format.

Ich habe aber auch schon Leute tanzen sehen auf Konzerten. Oder zumindest haben sie es versucht. Ich selber würde mir aber zum Tanzen auch eher andere Musik anmachen.

Ist die der Songtext eigentlich irgendwann mal auf die Füße gefallen? Gab es einen Zeitpunkt, wo du dachtest: „Da habe ich mich doch zu weit aus dem Antilopen-Balkon gelehnt“?

Mir war eigentlich schon klar, was passiert. Wenn man bestimmte Leute ärgert, dass die sich dann auch wirklich angesprochen und geärgert fühlen und aus dieser Richtung ein Wind wehen würde. Ich habe mir aber auch gedacht, dass sich ganz viele Antilopen-Fans freuen werden und sagen: „Wow, endlich sagt’s mal einer!“ Und beides ist passiert, allerdings in einem Ausmaß, das so nicht absehbar war. Zwischenzeitlich habe ich schon gedacht: „Ach du Scheiße, was habe ich denn da ausgelöst?“ Aber eigentlich habe ich mich über das überwiegend positive Feedback gefreut.

Mit deinen Solo-Geschichten mutierst du auch ein bisschen zum Chronisten der Corona-Zeit. Ich denke zum Beispiel an „Nudeln und Klopapier“ aus dem letzten Jahr. Oder eben jetzt an die Kunstfreiheit. Geht das nächstes Jahr so weiter? Hast du schon etwas zu Omikron parat?

Ich kann selber nicht prognostizieren, wie es weitergeht und ob ich noch mehr Lieder darüber schreibe. Ich fahre selber total auf Sicht. Aber wer weiß. Wenn jetzt wirklich Omikron kommt und alle Konzerte abgesagt werden, und ich wieder hier sitze und nicht auf Tour gehen kann, dann bleibt mir ja nichts anderes übrig als Klavier zu spielen und zu singen, und dann werde ich das wahrscheinlich auch tun.

Meinst du, das viele Hardcore-Rapper jetzt online Klavierstunden nehmen, um auch so zu werden wie Danger Dan?

Ich fahre ja in Berlin oft mit der U-Bahn. Und ich ziehe die rote Jacke jetzt schon nicht mehr an, in der Hoffnung, dass ich nicht erkannt werde. Jetzt sitze ich manchmal aber trotzdem da, habe eine andere Jacke an, eine Kappe und eine FFP2-Maske auf, und dann kommen Leute in die U-Bahn, die genau mein Outfit anhaben und meine Frisur. In Kreuzberg habe ich jetzt schon mehrere Leute gesehen, die sich genauso anziehen und frisieren wie ich. Da habe ich schon gedacht: „Oh, habe ich da vielleicht einen Trend gesetzt, oder ist es doch nur Zufall?“ Man wird sehen.

Aber bei dir muss man sich keine Sorgen machen, dass du ein Influencer wirst, der irgendwann nur noch Unboxing-Videos macht?

Nein. Bis jetzt wollte noch niemand mit mir einen Werbevertrag machen, aber vielleicht polarisiert so ein Lied auch zu stark. Wenn man von antifaschistischem Selbstschutz und Militanz singt, glaube ich auch nicht, dass eine Versicherung auf mich zukommt und fragt, ob ich Lust hätte für sie Werbung zu machen. Aber es hat sich auch noch niemand anders gemeldet. Ich bin der letzte Musiker ohne Werbevertrag.

Das wiederum gefällt unseren Zündfunk-Hörerinnen und -hörern bestimmt. Insofern fühlst du dich ja hoffentlich da auch ganz gut aufgehoben!

Ja, klar. Das spricht ja auch tatsächlich für eure Hörerschaft. Das klingt jetzt vielleicht bisschen selbstverliebt, aber bei anderen Sendern haben gerade ganz andere Künstlerinnen und Künstler die Charts gewonnen. Ich freu mich, dass ich bei euch so gut ankomme!

Jetzt warst du unser musikalischer Lieblingsmoment dieses Jahr. Was war denn deiner?

Ich glaube, ich brauche noch ganz viel Abstand, um zu verarbeiten, was passiert ist. Ich hatte unglaublich viel Arbeit und habe ständig irgendwelche Preise gewonnen. Und ich muss ganz ehrlich zugeben: Das hat mich auch jedes Mal stolz gemacht. Ich glaube, in meiner Biografie war ja auch sehr lange nicht abzusehen, was aus dem Typ mal werden soll. Und jetzt hatte ich einen guten Run dieses Jahr, der mir auch hilft, mich darin bestätigt zu sehen, dass das, was ich gemacht habe, Sinn ergeben hat. Aber vielleicht etwas ganz Anderes: Ich war zwischenzeitlich doch eine Woche im Urlaub. Da hatte ich meine Ruhe und habe mir ein Surfbrett ausgeliehen. Und dann bin ich zu einem Riff gefahren, ganz alleine, mitten auf dem Meer. Eigentlich wollte ich Schnorcheln, aber ich hab dann gar nicht geschnorchelt, sondern habe mich mehrere hundert Meter von der Küste entfernt auf dem Wasser treiben lassen. Einfach Rumliegen, sich treiben lassen und in die Sonne schauen: Das ist genau mein Ding.