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"Things Take Time, Take Time" Courtney Barnett bringt uns die Entschleunigung, die wir in diesen Zeiten benötigen

„Things take time, take time“ ist das dritte Album von Courtney Barnett, die von der Musik-Presse gerne „Slacker-Queen“ genannt wird. Entspannter Gesang, crunchige Gitarren und dazu analoge Drum-Machine-Sounds. Ihre Energie ist ebenso groß wie ihre Gelassenheit.

Von: Barabra Streidl

Stand: 15.11.2021

Portrait von Courtney Barnett | Bild: Mia Mala McDonald

Ein blauer Klecks oben links, daneben einer, der ein bisschen heller ist, und daneben noch einer, der ist etwas dunkler. Insgesamt neun blaue Kleckse zieren das Cover von „Things Take Time, Take Time“. Und wer jetzt wissen will, ob Courtney Barnett die Kleckse da selber draufgepinselt hat: Social Media ist voll mit einem kleinen netten Videoclip, in dem sie die Kamera bekleckst, dann die Farbe wegwischt, und wieder aufs Neue lospinselt.

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Courtney Barnett - Here's The Thing [Visualiser] | Bild: courtneybarnett (via YouTube)

Courtney Barnett - Here's The Thing [Visualiser]

Es ist das blau gekleckste Album von Courtney Barnett – die dann aber von „Turning Green“ singt: Gemeint ist hier der Frühling, der die Welt zart grün werden lässt und nicht das Grünwerden durch Neid oder Ärger – das ist nicht ihr Style: Die australische Musikerin, die von der Musikpresse „Slacker-Queen“, die den „Indierock vom Bett aus erobert“ genannt wird, ist gechillt und prinzipiell positiv. In „Rae Street“ geht es ums aus dem Fenster sehen, morgens, nach dem Aufwachen: langsam einen Stuhl vors Fenster, ein Müllauto fährt vorbei. Vielleicht einen Kaffee?

"Time is money, and money is no man's friend"

Ein typischer Courtney-Barnett-Refrain, viele Wörter eigentlich, huch, die ganzen Silben, aber sie bringt beim Singen so viel Ruhe mit, dass wir hier entschleunigen. „Time is money, and money is no man's friend“, singt sie, und ob sie mal wieder ihr Bett frisch beziehen könnte, und dass sie und wir uns nicht so viele Sorgen machen sollen. Entstanden ist „Things Take Time, Take Time“ 2019 und 2020, Barnett hat die Songs in ihrem Zuhause in Melbourne geschrieben. Und natürlich können wir den optimistischen Entschleunigungs-Hinweis auch auf einer zeithistorischen Ebene verstehen: Ja, schwierig, Corona, Home-Office, klar, schlimm – aber durchdrehen wird auch nichts besser machen.

Courtney Barnett wird nicht so laut wie Jade Bird, sie will nicht so hoch rauf wie Anna Calvi und auch nicht so tief in die Seele rein wie Laura Marling. Manchmal klingt sie fast naiv, wie in dem schönen folkigen „Before You Gotta Go“, aber gemeint ist das gute Naiv. So wie das Gefühl am Morgen, gleich nach dem Aufwachen, dieses „Hey, hallo neuer Tag“. Dieses Gefühl will Courtney Barnett transportieren, auch als Selbsttherapie: Sie war Ende 2019 in Australien ziemlich down – wir erinnern uns: Buschbrände plus Corona. Sie sagt in einem Interview mit dem Rolling Stone über die Entstehungszeit ihres Albums: „Ich war einfach sehr traurig, und dann bekam ich den Rat, warum schreibst du nicht eine Liste mit positiven Dingen, auf die du dich freust. Zuerst dachte ich – ah, da gibt es nichts. Doch bald hatte ich 25 Zeilen Songtext.“

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Courtney Barnett - Rae Street (Official Video) | Bild: courtneybarnett (via YouTube)

Courtney Barnett - Rae Street (Official Video)

Ein Album, entstanden aus Courtney Barnetts Zuhause-Demos

 „Write A List Of Things To Look Forward To“ ist Song Nummer acht geworden auf dem neuen Courtney-Barnett-Album: eine unpathetische Positiv-Denken-Hymne. In der Selbstquarantäne nach einer kurzen Solotour lernt Courtney Barnett Kochen, hat endlich Zeit, die langen – und langsamen – Tarkovsky-Filme anzusehen und findet einen Zugang zum Malen. Dass ihr Album mit den üblichen crunchigen Gitarrensounds daherkommt, aber in Sachen Drums recht programmiert klingt, liegt an der analogen Roland CR-8000 Drum Machine, die Barnett im Heimstudio verwendet hat.

Gemeinsam mit Stella Mozgawa, die auf dem Duett-Album mit Kurt Vile schon mitgemischt hat, ist Barnett vor einem knappen Jahr in Sydney ins Studio gegangen. Und hat aus ihren Zuhause-Demos ein Album gemacht – ohne die Bandmates von früher. „Things Take Time, Take Time“ ist das Album einer Frau ohne Band, die mit Gelassenheit daherkommt, nie aus dem Takt gerät und bei dem ganzen Wahnsinn um uns herum das Atmen nicht vergisst.