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Album der Woche: Better Oblivion Community Center Conor Oberst und Phoebe Bridgers zeigen, warum Indie-Folk manchmal am besten im Duett funktioniert

Liegt da Liebe in der Luft? Phoebe Bridgers und Conor Oberst wollten zuerst nur eine Single zusammen schreiben. Dann veröffentlichen sie ohne Vorwarnung ein komplettes Album mit dem Titel "Better Oblivion Community Center". Nach Courtney Barnett und Kurt Vile sind sie das spannendste neue Indie-Folk-Duett.

Von: Ralf Summer

Stand: 28.01.2019

Ganz schön prominent für eine Überraschungs-Platte. In der Late Show von Stephen Colbert, der wichtigsten Late-Night-Talkshow im US-Fernsehen, präsentierte sie die neue Band von Phoebe Bridgers und Conor Oberst: Better Oblivion Community Center.

Von der „privaten Hölle“ singen sie, “ich werde es alleine versuchen, aber das ist genauso gut”. Haben die Zwei schlimme Beziehungen beendet und sich in ein neues Musikprojekt geflüchtet? „Es macht einen krank, immer ehrlich zu sein“, singen die beiden, „Ich will wie Dylan Thomas sterben, auf dem Fußboden einer Bar". Erst wollten Conor Oberst und Phoebe Bridgers nur eine Single aufnehmen, dann wurde es eine EP, und weil es so gut lief schließlich ein ganzes Album.

Der Name "Better Oblivion Community Center" soll mysteriös klingen, erklärt Conor Oberst im Interview mit dem New Musical Express: "Für mich ist es eine Mischung aus drohendem Unheil und dem guten Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein, an der wir alle teilhaben. Im Bandnamen steckt diese Spannung."

Phoebe Bridgers und Conor Oberst haben es ganz klassisch gemacht: Sie haben nicht Daten per Email versendet, sondern sich die Songs im Studio zusammen erspielt. PingPong geschrieben, PingPong gesungen – bis am Ende keiner mehr wusste, was von wem stammt. Songwriting als unbewusster Verarbeitungs-Prozess, wie Conor Oberst es ausdrückt: Man hört dies oder das, in Nachrichten, in Gesprächen, in Mails. Und Monate später tauchen diese Fetzen beim Songwriting wieder auf: Plop – und dann ist es Pop!

Ein Ohrwurm auf dem Debüt der beiden Amerikaner ist „My City“, der manchmal sogar leicht nach 90er-Jahre Grunge klingt. Auch er ist voller gegensätzlicher Gefühle: „Ich habe dich geliebt, ich vermisse dich“, singen sie zunächst, und dann: „Ich hasse dich, wo bist du jetzt?“.

Aufgenommen haben die beiden die Platte in Los Angeles – mit vielen Freunden und Freundinnen, die gerade in der Stadt waren. Und so endet die Platte nach 37 feinen Indie-Folk-Minuten mit "Dominos" - geschrieben von Taylor Hollingsworth, dem Gitarristen von Conors früherer Formation, der Mystic Valley Band.

„Ich kann mit Engeln reden, wenn ich allein bin, und wenn wir fertig sind, bringen sie mich nach Hause“, geht der Text. Und die Stimmen von Phoebe und Conor schmiegen sich aneinander wie eine doppelte Helix. Vielleicht liebt, ähm, liegt etwas in der Luft. Haben wir es bei Better Oblivion Community Centre mit einem neuen Traumpaar zu tun? Wenn nicht, auch nicht schlimm: die Duett-Platte von Courtney Barnett und Kurt Vile war ja auch ohne Beziehung prima. Wie singen Phoebe und Conor ganz am Ende? „Und wenn du dich nicht bereit fühlst, es gibt immer ein Morgen.“


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