Bayern 2 - Zündfunk

Endzwanziger in München "Fett und fett" zeigt, wie man mit kleinem Geld eine großartige Comedy-Serie hinkriegt

Jaksch ist Großstadtkind, Ende 20 und weiß nicht, was er will. Kurz er „sandelt herum“, wie man in München sagt. Denn da spielt die Serie. Schließlich haben sich die beiden Macher Chiara Grabmayr und Jakob Schreier an der Hochschule für Fernsehen und Film kennen gelernt – und tief aus ihrem eigenen Leben geschöpft.

Von: Tobias Ruhland

Stand: 20.07.2022

Jaksch (Jakob Schreier) ist zum Kindergeburtstag bei seinem Freund Nicolai eingeladen | Bild: ZDF/Nikolas Tusl

Es sind die leicht portionierten 20 Minuten pro Folge, Zeitsprünge, unkonventionelle Kameraeinstellungen und immer wieder absurde Wendungen, die die Serie so sehenswert machen. „Fett und fett“ wurde mit wenig Geld und einer Handkamera gedreht und ins Netz gestellt. Erst danach sicherte sich das ZDF die Rechte.

Für die Authentizität kann ich auf alle Fälle schon mal bürgen, weil die Serie in München spielt, auch ganz in der Nähe vom BR-Funkhaus. Mich hat die erste Folge hochaggressiv gemacht: Jaksch, so heißt der Protagonist der Serie, schildert bei einer Psychologin seine Probleme und anhaltende Pechsträhne. Und die Psychologin ist super unsympathisch. Da habe ich fast schon Ausschlag bekommen, weil es mir ein bisschen zu klischeehaft war und dann – Bäm – der Twist: Plötzlich spricht die Psychologin mich als Zuschauer an. Und was soll ich sagen? Mein Hass schlägt in Begeisterung um. Nur ein Twist von mehreren, die "Fett und fett" so sehenswert machen.

Gerade ist Staffel zwei erschienen. Tobias Ruhland wollte von Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jakob Schreier wissen, wie sehr er sich in seiner eigenen Serie wiederfindet.

Jakob Schreier: Die Frage kommt relativ häufig: Wie viel davon bin ich? Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Hauptfigur so ähnlich heißt wie ich und mein Gesicht hat, weil ich spiele. Es ist aber tatsächlich so, dass wir viel sammeln, die vor allem die Regisseurin Chiara Grabmayr und ich. Wir sammeln einfach im Bekanntenkreis und von überall. Generell hat die Serie den Grundsatz, dass eigentlich nur Sachen vorkommen, die uns oder jemandem, den wir kennen, so oder so ähnlich schon mal passiert sind, um halt eine gewisse Echtheit zu garantieren.

Zündfunk: Wie schreibt man eine deutsche Comedy-Serie? Was gibt es da als Vorbilder?

Das ist auf jeden Fall ein Problem in Deutschland. Ich würde auch sagen, wir haben hier und da schon bei britischen und amerikanischen Vorbildern abgekupfert. Zum Beispiel finde ich kann man die Serie „Louie“ von dem in Ungnade gefallenen Louis C.K. immer noch anschauen. Sie ist hier und da kritisch, aber auf jeden Fall toll gemacht. „High Maintenance“ auf HBO.

Was sind das denn für Elemente, wo Du sagst, das ist super lustig, da kupfere ich jetzt ab?

Was die alle haben, ist, dass sie oft mit dem Format oder der Erzählweise spielen. Vor allem bei „Louie“ gibt es oft einfach absurde Brüche. Das fanden wir cool und ziehen das jetzt durch bis in die neue Staffel, die jetzt draußen ist.

In einer Szene: Du hast da A. Geburtstag, B. gerade erfahren, dass du vielleicht Papa wirst und C. dich deshalb gerade übergeben. Und D. ist da auf einmal diese blöde Göre. Welcher Humortheorie entspricht jetzt dieses kleine Mädchen?

Dass das Gehirn lacht, weil es auch irgendwie überrascht ist.