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Im Porträt Ciani-Sophia Hoeder macht RosaMag, das Lifestylemagazin für afrodeutsche Frauen

Jeder vierte Deutsche hat einen Migrationshintergrund, aber nur fünf bis sechs Prozent der Journalisten. Dementsprechend sehen die Medien aus. Ciani-Sophie Hoeder gründete kurzerhand RosaMag, ein Magazin für schwarze Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Von: Lisa-Sophie Scheurell

Stand: 09.08.2019

Ciani-Sophie Hoeder, Gründerin von RosaMag | Bild: RosaMag

1989, die Mauer ist gerade gefallen. Ciani-Sophie Hoeder wächst bei ihrer Mutter im wiedervereinten Berlin auf. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Afro-Amerikaner. Da er aber in Amerika lebt, bekommt Ciani nie wirklich viel mit von der schwarzen Kultur. Sie wächst kulturell als Deutsche auf, doch sie sieht nie aus wie die anderen. Rassismus gehört zu ihrem Alltag. Deshalb versucht sie sich als Teenagerin immer mehr anzupassen: „Mit elf Jahren habe ich zum ersten Mal meine Haare chemisch mit dem Relaxer geglättet. Das habe ich siebzehn Jahre lang getan. Meine Haare sind gelockt, stark gelockt, und um mich herum gab es glattes Haar, in den Magazinen gab es glattes Haar. Also, das war für mich schon eine Art der Anpassung.“

Nicht repräsentiert

Jahrelang fühlt sich Ciani in Deutschland nicht repräsentiert. Mit 21, nach ihrem Bachelor in Journalistik, packt sie die Neugier: Sie will mehr über sich selbst lernen, sie will wissen wo sie herkommt und was es noch zu entdecken gibt. Es zieht sie zum ersten Mal nach Amerika, zu ihren schwarzen Verwandten. „Die optische Ähnlichkeit, das war total interessant für mich: Ich sah meiner Mutter nie so wirklich ähnlich, das hatte mich als Kind schon ein bisschen gestört. Das war schon schön, dass ich das in den Staaten ganz anders erlebt hatte. Darüber hinaus war es spannend, Familie kennenzulernen, die ein Teil von einem ist, über die man aber nichts weiß. Was gibt es da noch, wie ist meine Historie auf der anderen Seite? Das war empowernd.“

Woher kommst du?

Ihre Auseinandersetzung mit ihrer schwarzen Identität geht für Ciani-Sophia Hoeder in London weiter. Sie zieht für ihren Master dorthin und merkt auf einmal: Sie ist nicht mehr die schwarze Frau. Denn in London sieht man an jeder Ecke Menschen mit unterschiedlichen Migrationshintergründen. „Da wurde nie in Frage gestellt, ob man britisch ist oder nicht. Dieser klassische Satz, den ich hier so oft gehört habe: Woher kommst du, der ist mir dort recht wenig begegnet. Also, nur aufgrund meines amerikanischen Akzents, aber nicht wegen meines Aussehens. Zum ersten Mal war ich eine ganz normale Studentin“, erzählt Ciani.

Zurück in Deutschland ist alles wieder beim alten. „Ich habe dann angefangen zu recherchieren und festgestellt: Jeder vierte Deutsche hat einen Migrationshintergrund, aber nur fünf bis sechs Prozent der Journalisten. Was natürlich dazu führt, dass es immer wieder den gleichen Normativ gibt, die gleiche Berichterstattung. Das war dann so langsam der Punkt an dem ich realisiert habe: Okay, ich möchte ein Magazin für schwarze Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz machen.“

Namensgeberin Rosa Parks

Auf RosaMag werden verschiedenste Themen verhandelt, von Schminktipps bis Politik

RosaMag ist im Januar 2019 online gegangen. Benannt nach Rosa Parks, der afro-amerikanischen Bürgerrechtlerin. Parks hat sich 1955 gegen die Rassentrennung im öffentlichen Nahverkehr aufgelehnt. Zusammen mit vielen anderen Bürgerrechtler*innen hat Parks es geschafft, dass die Trennung im öffentlichen Verkehr schließlich ganz aufgehoben wurde. „Ich finde das ist eine der schönsten Geschichten, weil meine Mama sie mir auch früher immer erzählt hat. Und es wäre toll, wenn RosaMag auch so eine Wirkung hätte. Dass wir dadurch empowert werden, realisieren wie toll wir sind, dass wir zusammenarbeiten können und das wir vielleicht ein bisschen was bewegen können.“ 

Ciani spricht in ihrem Magazin Themen an wie die richtige Pflege für Afro-Haare, aber auch Selbstfindung, Identifikation und Alltagsrassismus. Anfangs arbeitete sie alleine, inzwischen schreiben auch andere Frauen dafür. Sie bekommen viel positive Resonanz, aber auch Kritik bleibt nicht aus: Viele schwarze Frauen fühlen sich auch vom RosaMag nicht repräsentiert. Die Frauen die dort arbeiten, sind alle heterosexuelle, junge, Halb-Afro-Amerikanerinnen aus Berlin. Frauen mit einer dunkleren Haut, queere Frauen, Frauen mit Kindern, und die, die auf dem Land leben, sie fühlen sich alle nicht repräsentiert und kommentieren dementsprechend. Doch Ciani sieht das als einen Gewinn: „Kritik zu kriegen bedeutet, dass sie das verdammt ernst nehmen und dass das Potenzial da ist, dass sich unterschiedliche Frauen im RosaMag wiederfinden können. Und das bestärkt mich tatsächlich“, so Ciani-Sophia Hoeder.

Mehr Diversität

Ciani ist ein durchweg positiver Mensch. Sie will aus allen Situationen etwas lernen. Diese Grundhaltung zahlt sich aus, das RosaMag hat gerade Fördergelder vom MediaLab Bayern zugesichert bekommen. Ihr Team bekommt nicht nur Geld, sondern wird auch geschult. Denn sie wollen mit RosaMag eine ganz besondere Plattform bieten: „Wir wollen einfach mehr Diversität und Perspektiven in der schwarzen Community zu Wort kommen lassen, weil: Wir sind nicht alle gleich“, lacht Ciani.


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