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Album der Woche: "Wanderer" Cat Power liefert ihr vielleicht bestes Album ab - inspiriert von Lana Del Rey und ihrem Sohn

Cat Power ist zurück mit einem Rihanna-Cover und eine Kooperation mit Lana Del Rey. Inspiriert hat sie auf ihrem zehnten Album auch ihr Sohn - Chan ist alleinerziehend nach Miami gezogen. Und pflegt dort einen neuen Lebensstil.

Von: Barbara Streidl

Stand: 08.10.2018

Cat Power | Bild: Domino

Sechs Jahre liegen zwischen „Wanderer“ und dem Vorgängeralbum „Sun“, und in dieser Zeit hat Cat Power jede Menge Ballast abgeworfen. Das geht schon beim Sound los: „Wanderer“ kommt mit ein paar Gitarren, zwei, drei Schlagzeugbeats und dem Klavier aus, das in ihrem Haus in Miami steht. Das alles erinnert an das Cat-Power-Album „You are free“ aus den frühen Nullerjahren. Chan Marshall ist irgendwie angekommen, zu Hause, nach einem langen Weg. "Wenn mich jemand fragt "Wie ist es, die Platte zu machen", dann sehe ich immer einen Kreis in meinem Kopf", erzählt Cat Power.

„Wanderer“ ist die selbstgeschriebene Bestandaufnahme einer Frau, Mitte 40, in den USA, im Hier & Jetzt. Und dazu muss sie nicht mal den Problempräsidenten Donald Trump erwähnen. Ebenso wenig braucht Cat Power diesmal American Country & Folk-Heroes wie Hank Williams oder Bob Dylan: Sie singt in ihren eigenen Songs davon, wie sie das Land durchwandert, durchstreift. Wie sie Abschied nimmt und weitergeht. Und auch davon, dass wir alle Zeit brauchen, um zu verstehen, was um uns herum passiert.

"Die Dinge, die ich auf dem Album sage, mussten einfach raus"

"Wanderer" klingt achtsam und entschleunigt, um mal zeitpolitische Buzzwords in eine Popbetrachtung zu bringen: Cat Power steht mit 46 Jahren nicht mehr auf dem Gaspedal. Zehn Songs von ihr sind auf „Wanderer“, dazu eine Coverversion von Rihannas Pop-Hymne „Stay“. Auch das hat Cat Power entschleunigt. Und ein Happy-End dazugepackt. Neben Rihanna ist noch eine weiterer Star auf der Platte. Auf „Woman“ singt Lana Del Rey mit: "I'm a woman of my word, now you have heard, My word's the only thing I truly need"

Das Label Matador, auf dem Cat Power seit 1996 sieben Alben veröffentlicht hat, wollte „Wanderer“ nicht veröffentlichen. Weil es nicht genügend nach Charts klang, vermutet Cat Power: "Ich bin eine Künstlerin. Sie waren nie Künstler. Sie sind keine Künstler. Sie kommen aus Havard. Ich hab nicht mal die High School abgeschlossen. Ich bin keine Akademikerin, besonders nicht in Sachen Mathe oder Marketing. Die Dinge, die ich auf dem Album sage, mussten einfach raus." Songs müssen unters Volk, Kunst muss veröffentlicht werden. Cat Power hat ein neues Label gefunden: Domino Records.

Chan Marshall hat Dämonen, Problembeziehungen, Erbkrankheiten und den Alkohol hinter sich gelassen. Sie hat ein Kind bekommen. Ist alleinerziehende Mutter geworden. Sie hat die Kraft für all das in sich selbst gefunden. Und hat dann eine großartige zehnte Platte gemacht - auch für ihren Sohn: "Ich habe einen unschuldigen Zuschauer hier, der seine Mommy braucht, kerngesund und all das. I feel very very happy where my life is right now."


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