Bayern 2 - Zündfunk


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Neues Caribou-Album Die neue Caribou-Platte "Suddenly" Track für Track

Sechs Jahre und 900 Songskizzen später ist es endlich so weit: Das neue Caribou-Album "Suddenly" ist draußen. Mit zehn Tracks erfreut Dan Snaith endlich wieder unsere Herzen. Oder?

Von: Ann-Kathrin Mittelstrass & Ralf Summer

Stand: 27.02.2020

Dan Snaith von Caribou in einem Blumenfeld. | Bild: picture alliance/CITYPRESS 24

Das erste Caribou-Album seit sechs Jahren. Anlass genug, dass unsere zwei Zündfunk-Moderator*innen und DJs Ann-Kathrin Mittelstrass und Ralf Summer die neue Platte "Suddenly" Track by Track durchhören und bewerten:

1. Sister

Ann-Kathrin Mittelstrass: Hui. Fängt ganz schön schief an. Dan Snaith säuselt zärtlich. Dazu sanftes Pluckern. Wie? Das war schon der erste Song? Das ist doch kein Song, das ist ein eher ein Intro. 

Ralf Summer: Das ist der Song für seine Schwester, in dem er sich als Bruder entschuldigt - eine Art globale Entschuldigung für alle Frauen für erlittene toxische Maskulinität

AK: Das ehrt ihn. Trotzdem eher ein Intro für mich. 

2. You and I 

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CARIBOU - You and I | Bild: CaribouVideos (via YouTube)

CARIBOU - You and I

AK: Ok, den kennt man schon, war eine der Singles. Der klingt nach nem typischen Caribou-Track. Aber nur eine Minute. Dann blökt eine gepitchte Stimme rein und es wird verschwurbelt. Ganz geil.  

Ralf: Stimmt. Mit dem Sound könnte man leben - wenn er sich durch die Platte zöge

AK: Du hast Vorsprung, du hast das Album schon gehört. Ich grade zum ersten Mal. WTF? Ist das ein Gitarrensolo hier am Schluss? 

3. Sunny’s Time

Ralf: Ups? Rap bei Caribou? Warum nicht? Aber passt das hier? hmm...läppert dann in einem Klavier-Outro aus. Klingt fast unbeholfen.

AK: Hm. Das Klavier leiert. Man kann ja auch kunstvoll leiern. Aber ich geb dir Recht. Hab jetzt auch keinen sofort-nochmal-Anhören-Impuls wegen des Klaviers. Den Rap-Part find ich aber eigentlich gut. Wenn der länger wäre… 

4. New Jade

Ralf: Uuups, again: Weibliche R´n´B-Stimme, geloopt. Dans Stimme kommt dazu, auch hibbelige, moderne Beats. Pop von heute. Aber irgendwie nicht Caribou.

AK: Ich mag die Dynamik des Songs und die Kontraste: die hibbeligen Beats und Dans sanfte, hohe Stimme drüber. Der Song gefällt mir bis jetzt glaub ich am besten. 

Ralf: Dann erfüllt der Song wahrscheinlich die Funktion, neue Fans zu finden.

5. Home

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CARIBOU - Home | Bild: CaribouVideos (via YouTube)

CARIBOU - Home

Ralf: Das war die erste Single zum Album - sein erstes Lebenszeichen im Herbst nach fünf Jahren Pause. Dank des tollen (Soul-) Samples mein Favorit. Leider mit 2 Minuten 37 sehr, zu kurz. Die Kürze der Lieder fällt auf.

AK: Das Sample ist Wahnsinn, ja! Aber weil du beim Song vorher meintest: “Das ist nicht Caribou”. Ist das Caribou? Auf den anderen Alben hat er doch nicht viel mit Samples gearbeitet oder? 

Ralf: Mit seinem Zweit-Projekt “Daphni” mehr. Beim Interview zur Durchbruchs-Album “Swim” (2010), hat er das damals so erklärt.

AK: Ich find die Länge übrigens gut. So toll das Sample ist - 5 Minuten brauch ich das auch nicht. 

6. Lime

Ralf: Na endlich! Ein durchgehender Beat, wie man ihn von Caribou kennt. Melancholischer House mit Haken-schlagenden Breaks. Aber nach 2 Minuten ist der auch schon vorbei und reisst dann ab. Echt jez?

AK: Songs abreißen zu lassen ist auch so ein Kunstgriff, den ich mal cool, mal nicht so cool finde. Hier frag ich mich auch, was das soll. Stört mich aber auch nicht so arg. Eher stört mich grade, dass ich bei einigen Songs jetzt das Gefühl habe, die sind so unfertig. So skizzenhaft. Bis auf “Home”. Und jetzt wo du’s sagst: wahrscheinlich vermisse ich auch einfach diesen treibenden Flow, den man sonst von Caribou kannte. 

7. Never Come Back

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CARIBOU - Never Come Back | Bild: CaribouVideos (via YouTube)

CARIBOU - Never Come Back

Ralf: Echt jetzt, zum Zweiten. Die neue Single klingt als ob ein Charts-Act auf Caribou machen würde. Und sowas dauert dann aber geschlagene fünf Minuten. So cheesy, dass man sich als eingefleischter Fan fast zu schämen beginnt, wie er sich verändert hat. Sorry.

AK: Oh je, armer Ralf. Nachdem ich kein Über-Fan bin, nehm ich’s nicht so persönlich. Ich find den Song jetzt nicht so schlimm. Gut, dieses gepitchte/geloopte Vocal-Sample ist vielleicht bisschen anstrengend. Und der Song faded aus. Macht man das noch heutzutage? Das find ich eher bisschen einfallslos. Ist mir bei einem anderen Song hier auch schon aufgefallen.  

8. Filtered Grand Piano

Ralf: Ähm, 54-Sekunden-Zwischenstück. Mal warten wofür. Langsam erinnert mich das Ganze hier eher an eine Mixtape, denn an ein properes Album.

AK: Dabei hat er sich doch extra sooo viel Zeit genommen, hat er im Musikexpress-Interview erzählt. Damit er zu 100 Prozent zufrieden ist und damit er sich nicht wiederholt. Na, das hat er doch geschafft! 

9. Like I Loved You 

Ralf: Eine klassische Indietronica-Ballade wie man sie von Dan Snaith kennt. Tolle Gesangs-Melodie, hält auch nach hinten raus die Qualität. Wenn auch kein Hit.

AK : Du bist aber auch ganz schön kritisch. Gesteh ihm doch zumindest einen kleinen Hit zu. Naja, ok. Hast recht. Ist doch eher nett als Hit. 

10. Magpie

Ralf: Hiermal ein fliessender Übergang: auch ruhig, auch sympathisch. “Suddenly” meint ja, dass bei ihm in den letzten Jahren viel “plötzlich” passiert ist: Geburt der Tochter im Taxi hinten auf der Rückbank mitten im Verkehr in London, unerwartete Scheidung eines Familienmitglieds.

AK: Klingt die ersten eineinhalb Minuten wie Musik ausm Radio im Raum nebenan. Lo-fi und sympathisch. Dann dreht irgendwer die Musik auf und der Sound wird klarer. Schöne Melodie. Klingt eigentlich wie ein Indie-Pop Song mit bisschen Elektronika

11. Ravi

Ralf: Ein Verweis auf ein Ravi-Shankar-Sample? Oder seinen besten Musik-Kumpel, der britisch-indische Kieran Hebden, besser bekannt als Four Tet, der es auch gern mal poppiger für den Club hat. Dank dieser ewig sich durch-ziehenden Stimmsamples, die sich drehen und wenden. Euphorie, aber nichtmeine. 

AK: Ha! Das ist der erste Song, bei dem ich grade schon die ganze Zeit mit dem Fuß wippe! Ich mag den Song! Ich hab Euphorie für uns beide! Bin Instant-Fan von Ravi.

12. Cloud Song

Ralf: Zum Runterkommen nach “Ravi” bzw zum Chillen auf Wolke Nummer 7. Am Ende schön verzerrt, um alles wieder reinzuwaschen. 

AK: Ey! Ich war jetzt grade endlich in Stimmung gekommen. Ich wollte noch gar nicht runterkommen. Ich werd grade eher runtergezogen. Den Cloud Song find ich jetzt echt bisschen langweilig… 

Ralf: Hm. Alles in allem sehr gemischt, das Album. Sowohl von den Stilen als auch der Stimmung - was mich betrifft. Erreicht sein Meisterwerk “Swim” bei Weitem nicht. Tja. Dann hoffe ich mal als langjähriger Fan auf ein baldiges Album als “Daphni”.

AK: Ich hatte keine Riesenerwartung. Aber positiv überrascht bin ich jetzt auch nicht. “Home” ist super, “Ravi” ist super, den Rest müsste ich mir schön hören. 


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