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Von Cardi B bis zu den Strokes Warum sämtliche Pop-Größen für Bernie Sanders in den Ring steigen

Der 78-Jährige ist ganz ohne Frage ein Popstar: Bernie Sanders. Für ihn klopft Kim Gordon bei potentiellen Wählern an die Haustür. Und Ariana Grande nennt ihn auf Twitter "My Guy". Klar, gegen Trump muss man zusammenhalten - aber hier geht es um mehr: Nämlich um Inhalte.

Von: Julia Fritzsche

Stand: 14.02.2020

Werbung für eine Wahlkampfveranstaltung von Bernie Sanders mit The Strokes, Februar 2020 | Bild: Bernie Sanders/Instagram

Die größte Indierock-Tour dieses Jahr ist vermutlich die Wahlkampf-Tour von Bernie Sanders: In New Hampshire spielten die Strokes, in Iowa Portugal The Man, Bon Iver und Vampire Weekend, in Detroit Jack White. Neben Gitarren von weißen, mittelalten Männern enthält der „Soundtrack for Sanders“ aber auch Hip-Hop und Pop von jungen, diversen Frauen: Cardi B, Lizzo, Norah Jones, Ariana Grande.

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Ariana Grande 20.11.2019 | 21:55 Uhr MY GUY. thank you Senator Sanders for coming to my show, making my whole night and for all that you stand for ! @headcountorg and i are doing our best to make you proud. we’ve already registered 20k+ young voters at my shows alone. also i will never smile this hard again promise. https://t.co/7UYqkXR0g1

MY GUY. thank you Senator Sanders for coming to my show, making my whole night and for all that you stand for ! @headcountorg and i are doing our best to make you proud. we’ve already registered 20k+ young voters at my shows alone. also i will never smile this hard again promise. https://t.co/7UYqkXR0g1 | Bild: ArianaGrande (via Twitter)

Warum nicht Warren oder Buttigieg?

Junge Frauen of Color und mittelalte weiße Indie-Männer: Bernie vereint sie hinter sich. Und neben dem Pop die Jugend: Ein Drittel aller unter 30-Jährigen im Wahlalter ist für den 78-jährigen linken Sanders. Warum? Klar, Kunst und Kids sind gegen Trump – aber sie könnten ja auch hinter anderen Democrats stehen. Doch für die gemäßigt linke Elisabeth Warren tritt gerade mal Schauspielerin Scarlett Johansson ein, für den gemäßigten Pete Buttigieg Nineties-Bodyguard Kevin Costner. Wow...

Soundtrack for Socialism

Sanders hat halb Hollywood hinter sich, John Cusack, Milla Jovovich, Jack Nicholson, Susan Sarandon, Danny de Vito und eben die Popmusik. Sie bilden seinen Soundtrack for Socialism. Denn so nennt Bernie Sanders seine Politik – „sozialistisch“, ein heute populär werdender Begriff.

Sozialismus ist Pop: Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen sehen Sozialismus als positiv an, so das große US-Meinungsforschungsinstitut Gallup 2018. Das stylische Magazin Jacobin nennt sich „sozialistisch“. Und große Teile der jungen Generation glauben nicht mehr an ein „Ende der Geschichte“, sondern denken wieder in Alternativen. Sie sind aufgewachsen mit Finanz- und Wirtschaftskrise und haben erlebt, wie sich Menschen im Arabischen Frühling und bei Occupy Wallstreet gegen Globalisierung und Kapitalismus erheben.

Für die Vielen in all ihrer Vielfalt

Live in concert: Bernie Sanders, Strokes und AOC

Bernie ist für viele Pop im wörtlichen Sinne: pop, popular, population. Er steht für die Vielen in all ihrer Vielfalt. Für die globale population, denn wenn es nach ihm und seinem Green New Deal ginge, würden die USA binnen zehn Jahren auf saubere Energien umsteigen, damit Menschen in Bangladesch nicht in Fluten und Menschen am Golf nicht an 60 Grad Außentemperatur sterben. Sanders steht aber auch zuhause für die population der 99 Prozent, für die die bisherigen Präsidenten-Familienclans von Demokraten und Republikanern aus Kennedys, Bushs und Clintons nicht eintraten: Sanders will alle krankenversichern, damit niemand mehr stirbt, weil er sich die Krebsvorsorge nicht leisten kann. Sanders will, dass alle studieren können, indem er Studiengebühren abschaffen und über Steuerbeiträge aus Aktiengeschäften finanzieren will. Sanders will, dass alle über ihren Körper bestimmen, auch Frauen, die abtreiben wollen. Sanders will, dass alle von ihren Jobs leben können, indem er für 15 Dollar Mindestlohn eintritt, statt den momentan 7,25 Dollar.

Obama rettete die Banken, nicht die Armen

Ja, auch Obama hatte Aretha Franklin auf seiner Seite, war Pop und wichtig: Als schwarzer Präsident und für andere Marginalisierte: Transjugendliche durften sich in der Schule das Klo aussuchen und Arme versuchte er mit Obama Care krankenzuversichern. Doch wirtschaftspolitisch stand er alles in allem für ein neoliberales Weiter-so, rettete in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 70ern nicht die Armen, sondern die Banken.

Diversity und Klasse

Stand Obamas Politik für Diversity, steht Sanders Politik für Diversity und Klasse. Deswegen trifft sich auch Rapperin, Ex-Supermarktmitarbeiterin und Ex-Stripperin Cardi B mit ihm im Nagelstudio und spricht mit ihm über Mindestlöhne und Studiengebühren. Sie ist Frau, of Colour und einstige Deklassierte. So wie Sanders größte Supporterin Alexandria Ocasio-Cortez: Ebenfalls Frau, Latina, einst Kellnerin und heute im Repräsentantenhaus. Sie verkörpert Diverstity und Klasse, hat als Instagram-Star den nötigen Pop-Appeal und will wie Bernie „Demokratischen Sozialismus“: Großbanken auflösen, Reiche zu 70 Prozent besteuern, Zugverkehr ausbauen und Flüge reduzieren. Greta Thunberg lässt sich mit ihr ablichten, die ihrerseits wiederum auf dem Albumcover von The 1975s ist.

Politik die Hoffnung macht

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kimletgordon 09.02.2020 | 23:43 Uhr Had a blast today knocking doors to get out the vote for Bernie Sanders! We are out here rain or shine, with @pure.moods , @emmabee_ess and some amazing Bernie Sanders field staff! California primary SO soon (March 3!) we need everyone to pitch in and do their part. Please visit events.berniesanders.com to find a canvass near you. If I can do it, you can do it! #berniesanders2020

Had a blast today knocking doors to get out the vote for Bernie Sanders! We are out here rain or shine, with @pure.moods , @emmabee_ess and some amazing Bernie Sanders field staff! California primary SO soon (March 3!) we need everyone to pitch in and do their part. Please visit events.berniesanders.com to find a canvass near you.  If I can do it, you can do it! #berniesanders2020 | Bild: kimletgordon (via Instagram)

Politik ist wieder Pop. Nicht irgendeine Politik, sondern eine Politik, die Klima, Klasse und freie Klowahl verbindet und vielen jungen Menschen Hoffnung macht. Es ist nicht gesagt, dass Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat wird. Der innerparteiliche Konkurrent und Ex-Bürgermeister von New York Michael Bloomberg wird erst im März in den Vorwahlkampf einsteigen. Dass Leute wie er mit Geld und neoliberalen Seilschaften sich eher durchsetzen, haben Jahrzehnte der Parteipraxis gezeigt.

Doch schon heute haben Bernies und AOCs Instagram-Sozialismus Pop, Hollywood und Kids hinter sich und die anderen demokratischen Kandidatinnen nach links gedrängt. Und: „Wir haben bei jedem Polit-Event Musik, auch lokale Bands“, sagt Bernies Wahlkampfmanager. Denn „für Bernie soll Politik Spaß machen.“ Allein schon für diese Idee hat sich alles gelohnt!


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