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Eine Danksagung Bushido kackt Corona-Schwurbler an, einfach Ehrenmann

Homophob, frauenfeindlich und gewaltbereit: Bushido war der Gangsta-Rapper schlechthin. Doch nun während Corona, mutiert er zu einem der wenigen Promis, die sich auf Instagram nicht völlig zum Brot machen. Es gibt sie also noch, die positiven Überraschungen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 30.10.2020

Rapper Bushido steht am 31.07.2013 in Berlin vor einem Büro seines Musiklabels | Bild: picture-alliance/dpa

Boah Bushido, was war das für ein Trara, als Du den Integrations-Bambi verliehen bekommen hast, damals vor neun Jahren. Ausgerechnet Du! Du mit deinen homophoben und frauenfeindlichen Texten. Du, dessen Wikipedia-Artikel zu einem Drittel aus dem Punkt „Kontroversen“ besteht. Du, der immer irgendwo einen Beef angezettelt hast, sogar gegen Pazifisten-Chics wie Claudia Roth, der Du rappend Einschusslöcher „groß wie ein Golfplatz“ an den Hals wünschtest. Na gut, manche deiner Zielscheiben waren immerhin Sonnyboys wie Richard David Precht, den du in einer Talkshow abgekocht hast wie Deine Mutter das Suppenhuhn.

Du warst der Gangsta-Rapper!

Du warst nicht irgendein Gangsta-Rapper, Du warst der Gangsta-Rapper: Effizient im Jugend verderben, leider auch antisemitisch, gewaltbereit. Da half es auch nichts, dass Du 2012 strebsam ein Praktikum in der CDU-Bundesfraktion absolviert hast. Irgendwann verloren wir Dich aus den Augen, irgendwann kamen neue Bad Boys nach und dann irgendwann, da kam der Bad Boy schlechthin über uns, nur dass der kein Klappmesser dabei hatte, sondern ein Spike-Protein: SARS-CoV-2.

Attila Hildmann, Michael Wendler, Xavier Naidoo, Sido, M.I.A. – ein Promi nach dem anderen begann durchzudrehen. Doch dann, im Moment größter Hoffnungslosigkeit, dann als kaum noch jemand daran geglaubt hatte, dass irgendein Promi Instagram zu etwas anderem nutzen würde, als sich zum Voll-Brot zu machen, dann kamst Du - und entfachtest eine Flamme der Hoffnung in unseren Herzen! Du kamst herangerauscht –  ähnlich wie Gandalf auf seinem weißen Schimmel in der Schlacht um Helms Klamm herangerauscht kam – und sagtest diese wunderbaren, salbungsvollen Worte:

„Leute, labert nicht so eine Scheiße, Alter!“

Du selbst warst mit dem Virus infiziert. Und jetzt zeigst Du klare Kante gegen Corona-Schwurbler – was Du im übrigens schon gemacht hast, als sich vor ein, zwei Wochen Michel Wendler öffentlichkeitswirksam einen Aluhut aufs Haupt gesetzt hat. Ausgerechnet Du, von dem wir das wirklich am allerwenigsten erwartet hätten, Du entpuppst Dich hier als schönste Überraschung des Jahres. Du bist das Nutella-Brot, das endlich mal auf die richtige Seite fällt, Du bist der Lucky Punch in der letzten Runde gegen einen Neonazi-Boxer, Du bist der Eisenfuß, der den Ball im letzten Moment von der Torlinie kratzt.

Vielleicht hast Du Dich geändert, vielleicht hat diese Abou Chaker-Sache einen anderen Menschen aus Dir gemacht. Vielleicht war eh immer alles nur Show und Du bist solidarischer und schlauer, als wir Schlaubi-Schlumpf-Gymnasiasten immer gedacht haben. Aber eines ist sicher: Den Integrations-Bambi, den hast Du Dir jetzt, neun Jahre später, endlich verdient. So, und jetzt: Gesund werden!


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