Bayern 2 - Zündfunk


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Online-Ausstellung Dieses Scroll-and-Click-Adventure ist eine Hommage an die Kultfigur Buffy the Vampire Slayer

Sie geht noch zur Highschool und verkloppt Vampire und Dämonen: Buffy. Die feministische Kultfigur hat die Nürnberger Künstlerin Claudia Holzinger zu einer Online-Ausstellung inspiriert. Denn von Buffy können wir alle lernen.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 24.03.2021

Bild aus der Ausstellung "Time is hard to manage" von Claudia Holzinger | Bild: Claudia Holzinger

In „Buffy the Vampire Slayer“ geht es um Buffy Summers. Eine Highschool-Schülerin, die eröffnet bekommt: Sie ist eine auserwählte Jägerin. Und sie muss jetzt neben dem Hausaufgaben machen auch noch die Welt retten. Diese Serie hat Claudia Holzinger inspiriert. Die Nürnberger Künstlerin hat eine Online-Ausstellung eröffnet: „Time is hard to manage“. Holzinger posiert darin mit selbstgebastelten Waffen der Serienfigur, zeigt uns einen gespaltenen Granatapfel – ästhetisch blutendes Obst, quasi. Alles inspiriert von der Serie. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Zündfunk: In deiner digitalen Fotoausstellung „Time is hard to manage“ steckst du Rosen in Brand und posierst mit einer Frisur, Ohrringen und selbstgebastelten Waffen, die aussehen wie jene der Serienfigur Buffy. Wieso Buffy? 

Claudia Holzinger: Die Antwort ist einfach. Im Lockdown habe ich all die Serien wieder rausgekramt, die ich als Jugendliche angeschaut hatte. Angefangen habe ich mit „Dawson’s Creek“ – das hat überhaupt nicht funktioniert. Also null! Bei „Buffy“ war das ganz anders. „Buffy“ hat bei mir genauso geklickt wie damals: Ich war wieder 13 Jahre alt und saß im Wohnzimmer meiner Eltern in Oberbayern.  

Buffy ist eine feministische Kultfigur. Die Serie heißt im Original „Buffy the Vampire Slayer“ – in deiner Ausstellung nennst du dich selbst „Claudia the Vampire Slayer“. Inwiefern stehst du für mehr oder alle Frauen?   

Ich kann nicht für alle Frauen stehen. Ich spreche nur für mich. Was man auf der Ausstellungsseite sieht, ist sehr persönlich. Die Bilder sind zwar angelehnt an die Serie und die Figur der Buffy Summers, aber die begleitenden Texte kommen aus meiner Realität. Sie handeln von der Zeit, als ich Buffy im Fernsehen angeschaut habe. Deshalb steht das nur für mich. Ich hoffe aber, dass sich Leute, die das lesen und die Webseite anschauen, dadurch selbst daran erinnern, wie es war, jugendlich zu sein. Und dass man sich selber nicht so ernst nehmen sollte. Das ist sowieso der beste Ratschlag, den man sich selbst geben kann! 

Corona verlangt von uns, flexibel zu sein. Je nachdem, wer wir sind oder was wir beruflich machen, kann man mehr oder weniger genau dasselbe machen wie vorher – oder man muss sehr viel umdenken, sich neu finden und lernt sich in völlig anderen Rollen kennen.  

Dass es fast nur noch Online-Ausstellungen gibt, ist auch ein Beispiel dafür. Plötzlich müssen wir das Medium Ausstellung ganz anders denken. Während am Anfang noch analoge Ausstellungen ins Internet verschoben wurden, versuchen jetzt viele, die Möglichkeiten, die der digitale Raum bietet, besser zu nutzen.  

Wie du in deiner Ausstellung.  

Ich nenne die Ausstellung ein „Scroll and Click Adventure“, weil sie mich ein bisschen an Jump-’n’-Run-Spiele erinnert. Also an Welten, in die man eintaucht und in denen man sich vollkommen verliert wie bei „Super Mario“. Da fährt, läuft und springt man, bis man auf einmal in einem ganz anderen Raum ist. 

Auf der Ausstellungswebseite drückt man auf ein GIF oder ein Symbol und dadurch ploppt etwas auf oder ein Video startet. Wenn man zurückkommt, checkt man erst gar nicht, wo man gerade war, und versteht dann langsam: „Ach so, jetzt geht es so weiter! Okay!“ 

In einem der letzten Bilder in der Ausstellung überkreuzt du einen Teppichklopfer, also einen antiquierten Haushaltsgegenstand, mit einer selbstgebastelten Waffe, die an die Vampirjägerin Buffy erinnert. Eine ungewöhnliche Kombi.  

Die Waffe ist eine sehr besondere Waffe: Es ist die Axt, mit der Buffy am Ende der siebten Staffel alle potenziellen Jägerinnen zu aktiven Jägerinnen macht – und damit ihre Macht teilt. Nach sieben Staffeln ist sie nicht mehr die einzige Jägerin. Das in Verbindung mit dem Teppichklopfer finde ich großartig! Der Teppichklopfer steht für Hausarbeit. Also eine Arbeit, die meistens Frauen verrichten, die sich dadurch, dass ihre Arbeit eher als etwas gesehen wird, das nebenbei gemacht werden kann, oft machtlos und unverbunden fühlen. Der Gegenentwurf ist, dass man sich gegenseitig hilft und unterstützt: „Build your tribe“, also such dir deinen Stamm, deine Community! Das ist die Botschaft, die in dem Bild steckt. Und in „Buffy“.  

Die Ausstellung „Time is hard to manage“ der Nürnberger Künstlerin Claudia Holzinger ist ab sofort kostenlos online zu sehen: www.timeishardtomanage.com


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