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BTS, Psy, Blackpink K-Pop ist gut, doch Deutschland noch nicht bereit

2013 lief „Gangnam Style“ weltweit rauf und runter. Das Video wurde über drei Milliarden Mal geklickt. Doch Psy war nur der Vorbote. Die K-Pop-Branche boomt. Die aktuellen Stars heißen BTS. Aber Deutschland hat sie noch nicht ganz auf dem Schirm. Lisa-Sophie Scheurell gibt Nachhilfe in Sachen K-Pop.

Von: Lisa-Sophie Scheurell

Stand: 09.07.2019

Die koreanische Boygroup BTS | Bild: dpa/Yonhap

60.000 Menschen, die sieben koreanische Männer anschreien, in Tränen ausbrechen und mit ihnen singen. So geschehen am 1. und 2. Juni 2019 in London, beim Konzert der koreanischen Band BTS. K-Pop bringt Menschenmassen auf der ganzen Welt zum Kreischen. Aber das war nicht immer so:

K-Pop - Die Geschichte

Mitte der 80er Jahre klang koreanische Musik nämlich noch so: „Ah, Republik Südkorea. Ah, wir werden dich für immer lieben!“ Der Song war in den Achtzigern ein Riesenhit. Die Stücke zu dieser Zeit waren simpel und handelten davon, was für ein tolles Land Korea doch ist.

Seit den Sechzigern hatte die koreanische Regierung ein Auge auf die Unterhaltungsindustrie: Damit ein Song im Fernsehen oder Radio übertragen wurde, musste er „gesund“ sein. Also keine kritischen oder sexuell-anstößigen Lyrics haben. Das war so bis 1992. Denn dann änderten Seo Taiji & Boys alles.

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Seo Taiji&Boys - Come Back Home, 서태지와 아이들 - 컴백홈, MBC Top Music 19951124 | Bild: MBCkpop (via YouTube)

Seo Taiji&Boys - Come Back Home, 서태지와 아이들 - 컴백홈, MBC Top Music 19951124

Die Geburt des K-Pop

Seo Taiji & Boys waren all das, was bisher nicht in der Musikindustrie in Korea zu finden war: Sie hatten wilde Choreographien, rappten und trugen viel zu große, bunte Klamotten. Die Gruppe trat bei einer Castingshow auf – und fiel komplett durch. Seo Taiji and Boys landeten auf dem letzten Platz.

Doch trotz des Misserfolgs in der Show, begannen Zeitschriften und Zeitungen über die jungen Männer zu berichten, über ihren auffälligen Style und auch darüber, dass sie nicht ganz auf einer Linie mit der Regierung waren.

Die Regierung investiert in den Pop

Diese Boyband war die Geburt des K-Pop. Einige Jahre später erkannte dann selbst die Regierung das Potential von K-Pop. 1997 - ganz Asien war von einer Finanzkrise erschüttert – entschied die Regierung Südkoreas, Geld in die Musikbranche zu stecken: Mehrere Millionen Dollar flossen damals in die Errichtung eines Kulturministeriums, das eine eigene Abteilung für K-Pop hatte. Es war eine Art Anschubfinanzierung, die sich schon bald auszahlen sollte: 2017 trug K-Pop 4,5 Milliarden Euro zur koreanischen Wirtschaftsleistung bei.

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PSY - GANGNAM STYLE(강남스타일) M/V | Bild: officialpsy (via YouTube)

PSY - GANGNAM STYLE(강남스타일) M/V

Faszination durch Perfektion

K-Pop-Bands werden von Unterhaltungsfirmen gecastet, sorgfältig zusammengestellt und jahrelang trainiert bis sie schließlich ihr Debüt geben. Sie sind ein perfektioniertes Produkt, hinter ihnen stehen Produzenten, Songwriter und Choreographen. So entstehen K-Pop-Bands am laufenden Band – und alle sind quasi Eigentum dieser Firmen.

Vor allem das Tanzen macht die Gruppen aus. Die Choreographien sind fast computerhaft synchron und auf die Musik abgestimmt. Dafür trainieren die Stars schon mal zwölf Stunden am Tag – nur eine Härte im Beruf des K-Pop-Idols. Dazu kommen strenge Diäten und manchmal Schönheits-OPs. Viele Firmen verbieten ihren Künstlern auch romantische Beziehungen einzugehen. Sie befürchten, dass es den Anreiz der Person schwächen könnte. Kurzum: K-Pop-Stars müssen in allem perfekt sein: In ihrem Aussehen, Auftreten und mit ihrem Charakter.

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BLACKPINK - 'Kill This Love' M/V | Bild: BLACKPINK (via YouTube)

BLACKPINK - 'Kill This Love' M/V

Der weltweite Durchbruch

Diesem Druck muss auch die erfolgreichste K-Pop-Band standhalten: BTS. In Asien hat BTS (Bangtan Sonyeondan oer auch Bangtan Boys) bereits alle möglichen Rekorde gebrochen. Und es geht weiter: In Amerika haben die sieben Jungs dieses Jahr den Billboard Music Award in der Kategorie „Top Group“ gewonnen.

Für diesen Erfolg hat die Pop-Intelligenzia mittlerweile auch eine Erklärung: K-Pop verknüpfe alle aktuell angesagten Genres, von Hip-Hop über R’n’B, EDM, Reggeaton bis hin zu Klassik und Pop. Alles ist dabei – manchmal sogar in einem Song. Selbst die Texte – quasi alles ist auf Koreanisch – sind kein Hindernis: Die Fanbase googelt was sie bedeuten. Bei den Superstars von BTS finden sie solche Lyrics: „Wer hat uns zu einer Lern-Maschine gemacht? Es heißt: Entweder du bist Nummer eins oder ein Versager. Erwachsene haben diesen Rahmen für uns gemacht und wir fallen auch noch drauf herein.“ Kritik am Leistungsdruck, aber auch Selbstliebe und Selbstzweifel. Zielgruppenorientierter Pop. Es funktioniert.

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BTS (방탄소년단) 'DNA' Official MV | Bild: ibighit (via YouTube)

BTS (방탄소년단) 'DNA' Official MV

K-Pop und Deutschland – es ist kompliziert

BTS hat im Juni zweimal das Londoner Wembley Stadion ausverkauft - innerhalb von 90 Minuten. Taylor Swift hat dafür mehrere Monate gebraucht. K-Pop ist also weltweit erfolgreich – nur in Deutschland noch nicht. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Bands nur selten hier auftreten. Und zum anderen natürlich damit, dass Deutschland - wie so oft - den meisten Trends ein Jahr hinterherhinkt. Ist bei K-Pop auch nicht anders. Deswegen: Im kommenden Jahr wird der Sommerhit ein K-Pop Song sein. Jede Wette!

Lisa-Sophie Scheurell betreibt zusammen mit Parnian Chawarri den ersten deutschen K-Pop-Podcast „K-Pop Pardon?“. Darin geht es hauptsächlich um die Band BTS.


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