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Neu im Kino Das Freddy Mercury-Biopic "Bohemian Rhapsody" spielt das schwule Leben des Sängers runter - das ist ärgerlich

„Bohemian Rhapsody“ will uns weismachen, dass die größte Liebe der schwulen Ikone Freddy Mercury kein Mann, sondern seine blonde Jugendfreundin war. Damit verspielt der Film die Möglichkeit, dem Sänger ein echtes Denkmal zu setzen.

Von: Roderich Fabian

Stand: 24.10.2018

Bohemian Rhapsody - Filmstill | Bild: 20th Century Fox

Am Anfang sieht man Perücken, viele Perücken. Denn die frühen Siebziger waren die Zeit, in der die meisten Rockmusiker lange Haare trugen. Da die wesentlichen Schauspieler in „Bohemian Rhapsody“ aber einen Zeitraum von knapp 20 Jahren abdecken mussten, hat man ihnen für die Anfangszeit der Gruppe einfach Perücken aufgesetzt, die - das tut mir leid - eher nach Fasching aussehen als nach 1971. Unter so einem Detail kann die Glaubwürdigkeit schon ein bisschen leiden... Aber offensichtlich ging es den Filmemachern um etwas anderes als um die Wirklichkeit. Es ging eher darum, die Geschichte von Queen und Freddy Mercury in ein großes Drama für die ganze Familie zu verwandeln - mit allem „Mama Mia“ und „Galileo, Galileo“.

Queen im Studio. Freddy Mercury treibt den singenden Schlagzeuger Roger Taylor in immer noch höhere Höhen. Die „Chemie“ innerhalb der Band spielt hier eine große Rolle. Queen werden als verschworene Bande dargestellt, ein Dream Team, das ziemlich schnell auf dem Olymp des Pop landet, auch weil sie so eine tolle Boy Group sind. Aber dann lässt sich unser genialer, aber verführbarer Freddy vom Pfad der Tugend ablenken. Sein Mephisto ist sein persönlicher Manager Paul Prenter, der Freddy zur Solo-Karriere drängt und gegen den Queen-Manager intrigiert: „Wir können die Band managen. Wir brauchen den Penner nicht. Ich werde mich ab jetzt um dich kümmern, Freddy!“

Ein Drama für die ganze Familie

Lucy Boynton spielt die liebende Freundin des Sängers

Paul Prenter, der übrigens ebenfalls 1991 genau wie Mercury selbst an den Folgen von AIDS verstarb, dieser Paul Prenter ist der Bösewicht in „Bohemian Rhapsody“. Er ist es, der die Band auseinanderbringt und Freddy Flausen in den Kopf setzt. Aber es gibt ja auch „die Guten“. Das ist - neben Queen - vor allem Freddys Jugendfreundin Mary Austin. Sie wird hier als Mercurys große Liebe in Szene gesetzt, seine „Love of my life“, wie der Film behauptet. Das schwule Leben des Sängers wird hier klein gehalten oder gar diskreditiert. Wenn Freddy unter Männern feiert, stellt ihn die stets wohlmeinende Mary vor der Türe zur Rede und bestätigt seine Zweifel - im strömenden Regen, um den dramatischen Effekt der Szene zu erhöhen: „Ich habe Angst. Diese Typen da im Haus, die scheren sich einen Dreck um dich. Du gehörst nicht hierher, Freddy!“

Sasha Baron Cohen stieg aus dem Film aus

Rami Malek macht seine Sache gut als Freddy Mercury - kann den Film aber auch nicht retten

Tatsächlich: Nur die Familie, die Band und die liebe Mary halten wirklich zu Freddy - in diesem Film jedenfalls. Seine queere Leidenschaft wird dagegen als eher schädlich, letztendlich tödlich dargestellt. Das mag auch einer der Gründe gewesen sein, warum der britische Comedian Sasha Baron Cohen, der eigentlich Mercury spielen sollte, nach Lektüre des Drehbuchs wieder aus dem Projekt ausgestiegen ist. Nun erledigt das eben Rami Malek, der Hauptdarsteller aus der Serie „Mr. Robot“. Der macht seine Sache sehr gut, nämlich einen reichlich verletzlichen, oft unsicheren Superstar zu geben. Aber der Versuch, Freddy Mercury mit diesem Film seinen Rang als Ikone der Schwulenbewegung abzuerkennen, dürfte nicht nur in der Szene schlecht ankommen. Diese auf gutbürgerlich geschönte Biographie verspielt seine Glaubwürdigkeit ziemlich schnell – auch wegen der Perücken.


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