Bayern 2 - Zündfunk

Nebenbei ein bisschen Bayern dissen So waren Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld in München

Auf seiner "Ehrenfeld Intergalactic"-Tour präsentiert Jan Böhmermann ein Best-of seiner Hits aus dem ZDF Magazin Royale in München und Nürnberg. Wie war die Balance zwischen Satire und Musik? Ein Bericht.

Von: Theresa Höpfl

Stand: 11.01.2023

Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanz Orchester Ehrenfeld im Zenith in München am 10.11.2023;
Credits: Andreas Strobel | Bild: Andreas Strobel

Jan Böhmermann ist ein Kind des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In der Winterpause seines ZDF Magazin Royale wagt er sich raus aus dem Kölner Fernsehstudio und rein in die Konzerthallen der Republik. Aber zumindest bei seinen Ansagen ist er so überkandidelt und selbstironisch egomanisch, wie man ihn kennt und schätzt.

"Es gibt nämlich einen Grund, warum ich Playboy-Mann des Jahres bin. Diesen Grund haben vor vielen Jahren Kenneth Glöckler und Anis Ferchichi in einem Song beschrieben, den ich euch nun zum Besten geben möchte. Vorsicht! Es kann sein, dass darin Wörter vorkommen, die Markus Söder nur aus dem Privatbereich oder ausm Sekretariat kennt."

- Jan Böhmermann

Ein unsichtbarer Bildschirm, der erst durchbrochen werden muss

Böhmermann hat für seine Auftritte in den großen Hallen einen politischen Liederabend angekündigt. Zusammen mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld bringt der Moderator ein Best-of seiner Hits aus seiner Late-Night-Show auf die Bühnen. Nach „Wehre dich gegen den Staat“, „Style und das Geld“ und „Die Versandsoldaten“ wird den Münchner Zuschauer*innen klar, wie viele Songs der 41-jährige Moderator in den vergangenen Jahren produziert hat.

Tatsächlich singt er ziemlich gut. Doch normalerweise hört man Böhmermann zu, während man gemütlich auf dem Sofa liegt und so scheint es am Anfang, als stünde ein imaginärer Bildschirm zwischen Böhmermann und dem Publikum. Die Menschen wippen nur zögerlich mit. Ein Konzertbesucher sagt später, dass ein "Fernsehmann einfach ins Fernsehen gehört". Wenn Böhmermann eine Bühne bekommt so „ist es lustig, aber halt nicht zwei Stunden lang.“

Im Fernsehen Wunden aufreißen und auf der Bühne wieder flicken

Doch das Münchner Publikum wacht auf, als das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld mit „Intergalactic“ so richtig aufdreht – so darf es sich auch mal ohne Gesang von Böhmermann beweisen. Einer anderer Konzertbesucher ist vor allem wegen des Rundfunk-Tanzorchesters ins Zenith gekommen, selbst wenn für ihn die Akustik dafür nicht optimal war.

Wer ein Konzert von Jan Böhmermann besucht, will auch durch die Texte verstört werden. Weil die live nicht immer gut verständlich sind, freuen sich die Besucher*innen auf die Ansagen zwischen den Songs. Was hat uns der Rundfunkrebell mitzuteilen? Böhmermann will in seiner Tour „die Welt vor dem Untergang durch schlechte Laune bewahren“. Also, mehr Entertainment und Eskapismus, denn die Realität ist schon freudlos und niederschmetternd genug. Das ist dann doch ein Unterschied zur seiner selbst gewählten Mission im Fernsehen, wo er unsere Wunden weiter aufreißt. Dabei findet der Entertainer laut einer Konzertbesucherin eine „schöne Mischung aus einfachen Konzert“ und „einer Botschaft, die lustig und gleichzeitig ernst“ ist, selbst wenn er laut einer anderen Besucherin dabei „München und Bayern ganz schön disst“.

Die Mächtigen bekommen ihr Fett weg

Böhmermann teilt, wie gewohnt, ordentlich aus – und die verbalen Schläge gegen die Mächtigen und die Reichen, die sind dann live eben nicht nur dröger Pessimismus, sondern lustig und irgendwie gerecht. Elon Musk, Schlager-Mogul Michael Jürgens oder Polizeigewerkschafter Rainer Wendt müssen einiges an Kritik einstecken. Dabei tritt Böhmermann ziemlich leger auf – in schwarzer Jogginghose und einer, wie er selbst sagt, „billigen Balenciaga“-Jacke. Die Kapuze zieht er tief ins Gesicht, wenn er die Rolle einnimmt, die über die Jahre zu seiner Paradedisziplin geworden ist: Der rappende Polizistensohn.

Aus dem Fernsehen ist man Böhmermanns Dauer-Ironie gewohnt, auch wenn sie momentan etwas ermüdet: Im Zeitalter der Polykrise, des never-ending Krisenmodus, lässt mich Böhmermanns Spöttelei bisweilen etwas ratlos zurück. Auf der Bühne im Münchner Zenith hält er es kurz mit dem Bildungsauftrag in seinen Ansagen, was gar nicht so schlecht ankommt.

"Gags gibt er im Fernsehen. Die brauche ich da gar nicht, das ist so seine andere Persona. Insofern fand ich das genau die richtige Mischung aus Musik und kleinen Anekdoten."

- Konzertbesucher

Nach zwei kurzweiligen Stunden ist der Spaß vorbei. Auf Instagram schreibt Böhmermann am nächsten Vormittag zusammenfassend: Im Zenith war die Hölle los. Weil das Konzert komplett ausverkauft war, hat sich die Crew Champagner gegönnt. Und auf Nürnberg freut er sich schon GEWALTIG – in Großbuchstaben.