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Marvel-Verfilmung Mit Black Panther zieht der Afro-Futurismus ins Mainstream-Entertainment ein

In der neuen Marvel-Verfilmung "Black Panther" wird ordentlich geklotzt - wie es sich für einen Superhelden-Film gehört! Cooler Look, krasse Action-Sequenzen, starke, schwarze Frauen und obendrauf neue Tracks von Kendrick Lamar.

Von: Roderich Fabian

Stand: 14.02.2018

Nakia (Lupita Nyong'o), T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman) und Okoye (Danai Gurira) in einer Szene des Films "Black Panther". | Bild: dpa-Bildfunk

Wer Kino als etwas versteht, das größer als die Wirklichkeit ist, der ist hier richtig. Wie alle Superhelden-Filme hält sich auch "Black Panther" nicht mit alltäglichem Geklecker auf, hier wird geklotzt, aber wie! So etwas gab es tatsächlich noch nicht. Das fängt schon damit an, dass "Black Panther" größtenteils nicht in den USA spielt, sondern in Afrika, genauer: im Phantasiestaat Wakanda. Der gibt sich nach außen als bettelarm, ist aber eigentlich eine heimliche Supermacht, technologisch weit vorn durch den Phantasie-Rohstoff Vibranium - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nach den Black Panther-Comics von Marvel

T'Challa (Chadwick Boseman) ist der Superheld in "Black Panther".

Das alles folgt übrigens der Geschichte des Original-Black-Panthers aus den Marvel-Comics. Der hatte seinen ersten Auftritt 1966, also genau in dem Jahr, als auch die "Black Panthers Party" in den USA gegründet wurde, als linke und militante Bürgerrechtsorganisation.
Aber: Mit diesen Black Panthers hat der Film nicht das Geringste zu tun. Afro-Amerikaner sind hier keine Opfer, sie kämpfen nicht gegen weiße Tyrannen. Das haben wir hinter uns, denn der Film ist afro-futuristisch angelegt. Die Macht-Kämpfe finden innerhalb der Community statt. Es gibt den Superhelden T'Challa, der nach dem Tod seines Vaters die Macht in Wakanda übernimmt, und es gibt seinen bösen, fiesen Gegenspieler Eric Killmonger, der selbst auf den Thron will.

Cooler Look und neue Tracks von Kendrick Lamar

Auch in dieser Beziehung bleibt man bei der Comic-Original-Vorlage. Und es ist wie bei allen Superhelden-Filmen: Die Macht schwankt hin und her, mal liegen die Guten oben und manchmal die Bösen. So eine richtige, nacherzählbare Geschichte kommt eigentlich nicht zustande, weil ja alle 20 Minuten eine Action-Sequenz her muss, Autoverfolgungsjagd, Schwertkampf über einem tiefen Abgrund, eine Schlacht mit futuristischen Knall-Kugeln, irgendwas halt. Wird auch alles geliefert, in bester CGI-State-of-the-Art-Ausführung. "Black Panther" ist allein vom Look her schon die Reise wert. Und dazu ein Soundtrack zwischen dem Klassiker "The Revolution will not be televised" von Gil Scott-Heron und nagelneuen Tracks von Kendrick Lamar.

Starke, schwarze Frauen

Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o spielt Nakia.

"Black Panther" ist aber nicht nur technisch ein moderner Film. Die Leibgarde des König von Wakanda besteht nur aus Frauen. Die Schwester des Panthers ist sowas wie Q bei James Bond, also seine Gadget- und Waffen-Checkerin, und dann gibt's auch noch seine intellektuelle Ex-Freundin und seine weise Mutter - starke, schwarze Frauen, wohin man blickt. Bloß die guten Ratschläge können sie sich eigentlich sparen.

Der Einzug des Afro-Futurismus ins Mainstream-Entertainment

Ist der "Black Panther" jetzt der Wiedergänger der Blaxploitation-Heroes der 70er Jahre, also Superfly, Shaft reloaded? Nicht wirklich! Denn die Filme damals richteten sich noch in erster Linie an die afro-amerikanische Community, waren Abziehbilder von weißen Vorlagen. Hier aber ist eine autonome Welt vor unsere Augen entstanden, die einfach das Fantasy-Spektrum für jedermann erweitert. Das Beste an "Black Panther" ist, dass er nicht als Spezialität daherkommt, sondern als Einzug des Afro-Futurismus ins Mainstream-Entertainment. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Black Wonder Woman - und dann können wir uns wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.


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