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Comeback der Black Eyed Peas "Hip-Hop ist Werbung für Waffen und Drogen geworden"

Erst Hip-Hop-Gruppe, dann weltweit erfolgreicher EDM-Interpret, jetzt mit ihrem Comeback bei den Anfängen angekommen. Die Black Eyed Peas haben vieles durchgemacht - und im Zündfunk-Interview viel zu erzählen.

Von: Marcel Anders

Stand: 06.11.2018

Black Eyed Peas | Bild: Black Eyed Peas

Die Black Eyed Peas waren eine der erfolgreichsten Hip-Hop-Acts der 2000er. Ihre Bilanz: 35 Millionen verkaufter Alben, 41 Millionen Singles und 42 Millionen Streams. Kein Wunder bei Welthits wie „Where Is The Love“, „My Humps“ und „I Gotta Feeling“. Doch zuletzt hat die Multikulti-Truppe aus Los Angeles eine extensive Pause eingelegt - und dabei Sängerin Fergie verloren, die sich für eine Solo-Karriere entschied. Jetzt wagen Will.I.Am, Taboo und Apl.de.ap ein Comeback: „Masters Of The Sun“ ist ihr erstes Werk seit 2010.

Eure neue Musik ist eine Abkehr vom EDM und den vielen unterschiedlichen Sachen, an denen Ihr Euch über die Jahre versucht habt. Wie ist es dazu gekommen?

Apl.de.ap: Ja, wir haben uns an allen Genres versucht, die es gibt - und alles zusammengemixt. Aber diesmal hat es uns mehr gereizt, zurückzuschauen. Also nach Samples zu suchen und einem tragfähigen Konzept - von den Drumsounds über die Keyboards bis zu den Inhalten.

Will.I.Am: Die Leute haben gemerkt, wie viel Geld ihnen durch die Lappen geht, wenn sie ständig nur sampeln. Deshalb hat sich die Art des Produzierens geändert. Und jetzt, da keiner mehr Geld mit Streams macht, heißt es: Zurück zur Kunst. Eben: „OK, Brüder, lasst uns Kunst um der Kunst Willen machen.“

Was in eurem Fall einer Hommage an den Hip-Hop der frühen 90er gleichkommt – und einer Metamorphose in A Tribe Called Black Eyed Peas?

Will.I.Am: A Tribe Called De La Peas – Ruhe in Frieden, Fife. Er hat uns kurz vor seinem Tod auf einem Stück unterstützt. Und De La Soul und A Tribe Called Quest waren unsere Idole als wir aufgewachsen sind. Von daher war es wichtig, sie auf diesem Album dabei zu haben. Ich würde sagen, es klingt wie eine Mischung aus „Behind The Front“, unserem Debüt, und „Elephunk“.

Wobei der Titel „Master Of The Sun“ von einem Comic stammt, den ihr 2017 veröffentlicht habt, und in dem es um Zombies geht. Worin besteht die Parallele zur Musik?

Will.I.Am: In den 80ern hatten Public Enemy ein Stück namens „Night Of The Living Baseheads”, das von Crack und Crackheads handelte. Und unser Comic „Masters Of The Sun: Zombie Chronicles“ erklärt den heutigen Kids, was ein Crackhead ist. Nämlich ein Zombie, der keine Seele hat und abhängig von Chemikalien ist. In der Geschichte suchen Zulu X und die Blast Masters nach der Quelle – also wer die Drogen in unsere Gemeinschaft einschleust. Sie finden heraus, dass es der CIA ist – genau wie in den 80ern. Das Album dagegen ist wie ein Biopic, es zeigt, was mit Hip-Hop passiert ist - aber auf phantasievolle, übertriebene Weise. Es handelt vom Aufstieg und Fall des Hip-Hop. Und mit „Fall“ meine ich, was aus dem Sound geworden ist, der mir so viel bedeutet. In den 80ern ging es darum, die Kids von der Straße zu holen und sie von Drogen und Waffen fernzuhalten. Und dann hat es sich umgekehrt. Hip-Hop ist fast schon ein Werbetrailer für Waffen und Drogen geworden!

Besteht Eure Mission darin, das zu korrigieren?

Taboo: Ich denke, die Hip-Hop-Kultur hat sich komplett verändert. Und wir haben nichts mehr damit zu tun – weil es einfach nicht unser Ding ist. Wir kommen aus der goldenen Ära des Hip-Hop, in der alles sehr positiv und optimistisch war – obwohl es auch damals schon Gangs und Kriminalität gab. Aber mittlerweile haben die Kids das Gefühl, dass sie bewusst irregeführt werden. Und sie haben keine Ziele mehr. Außer vielleicht auf Instagram abhängen – und dort sehen sie, wie diese Typen mit ihren tätowierten Gesichtern leben und wollen haargenau so sein. Denn damit lässt sich irre viel Geld verdienen. Diese neuen Rapper leben schon mit 17, 18 auf großem Fuß. Wofür wir lange und hart kämpfen mussten. Wir waren erst mit 28 - mit „Where Is The Love“ – erfolgreich. Und haben eine Menge über Arbeitsmoral gelernt.

Was denkt Ihr: Wäre Eazy-E, Euer Entdecker und Mentor, stolz auf dieses Album?

Will.I.Am: Eazy-E hätte es geliebt! Einfach, weil es frisch ist. Gerade in der Zeit dieser ganzen Kopisten, die alle dasselbe rappen und dieselben Beats verwenden. Man muss mutig sein, und gegen den Strom zu schwimmen. Wobei es ja nicht das erste Mal ist, dass wir das tun. Als wir 1998 unser Debüt aufgenommen haben, also vor 20 Jahren, war Gangster Rap das große Ding. Und wir standen bei Interscope unter Vertrag – einem Gangster-Rap-Label, die Heimat von „Aftermath“ und „Deathrow“ - und haben doch eine ganz anderes Album gemacht. Insofern ist das hier typisch Black Eyed Peas. Wenn es den Leuten gefällt, cool. Wenn nicht, ist es trotzdem unser Lieblingsalbum.

Und das erste seit langer Zeit, dass Ihr wieder als Trio aufgenommen habt. Bleibt es bei dieser Besetzung – oder ersetzt Ihr Fergie noch durch Nicole Scherzinger?

Will.I.Am: Weißt du, was das Tolle an drei Peas, den drei Erbsen, ist? Wir waren immer drei Erbsen - selbst wenn wir zu viert waren. (kichert) Und wir werden immer drei Erbsen sein. Egal, wie viele Bandmitglieder mit uns im Bus oder im Flugzeug sitzen oder bei einer Photosession dabei sind.

Was heißt das in Bezug auf Nicole?

Will.I.Am: Wir werden immer mit Nicole arbeiten – weil sie eine gute Freundin ist. Aber wir würden Fergie nie ersetzen. Denn letztlich ist es wie bei einer geschiedenen Ehe, bei der Kinder im Spiel sind. Nach dem Motto: Willst du, dass dich deine Kinder mit deiner neuen Freundin sehen oder gehst du lieber heimlich auf Dates? Also wir gehen auf Dates.


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