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"Renaissance" Auf dem ihrem neuen Dance-Album feiert Beyoncé Munich Disco und ehrt queere Legenden

Das neue Album der Queen B zeigt: Eine neue Beyoncé-Ära beginnt. Beyoncé auf Dance hat man so noch nie gehört. "Renaissance" ist eine Hommage an die queere Emanzipationsbewegung - und zitiert auch Münchner Musikgeschichte.

Von: Alba Wilczek

Stand: 29.07.2022

Beyoncé Renaissance | Bild: Columbia Records

Bereits der zweite Track bestätigt das, was Beyoncés erste Single "Break My Soul" vor ein paar Wochen angekündigt hat: Die Queen läutet - mal wieder - eine neue Ära ihrer Musikästhetik und eine neue Ära in der Popmusik ein. Die Wiederkehr der Dance Music. Erneut beweist Beyoncé ihr Gefühl für den Zeitgeist. Der Sound, den DJs in die angesagten Clubs und Radios weltweit bringen, der Sound, der die Leute heute zum Tanzen bewegt, ist fluide. Er spiegelt die sich immer weiter vermischende und gegenseitig referenzierende Musiklandschaft wieder. Und: Er soll Spaß machen. Den Leuten eine gute Zeit geben, fernab des ganzen Mists in der Welt.

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Beyoncé - COZY (Official Lyric Video) | Bild: BeyoncéVEVO (via YouTube)

Beyoncé - COZY (Official Lyric Video)

Albumproduktion gegen den Pandemie-Blues

Auf ihrer Website verkündete Beyoncé schon vor ein paar Wochen, dass ihr die Albumproduktion durch die Pandemie geholfen hat. Dass sie sich dabei frei fühlen konnte, fernab von Perfektionismus und Verurteilung. Sie hofft, dass es den Hörenden genauso gehen wird. Sie hat dafür einige der besten Produzent*innen und Writer auf den Plan gerufen.

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Beyoncé - VIRGO’S GROOVE (Official Lyric Video) | Bild: BeyoncéVEVO (via YouTube)

Beyoncé - VIRGO’S GROOVE (Official Lyric Video)

Beyoncé hat sich musikalische Schwergewichte mit ins Boot geholt

Da wäre zum Beispiel die Schwarze queere DJ Honey Dijon, die unter anderem „Cozy“ mitproduziert hat. Auch mit dabei sind der Hiphop-Produzent und Grammy Gewinner The-Dream, der kalifornische Dubstep-DJ Skrillex und der Afrobeats-Star Tems. Nile Rodgers war unter anderem verantwortlich für mehrere monumentale Dance-Tracks und den größten Daft-Punk-Hit der letzten Jahre: "Get Lucky". Ein „Renaissance“ DJ-Set über sechs Tracks zieht einen  in den neuen Beyoncé-Dance-Kosmos. Aber es gibt noch weiter Einflüsse auf dem Album: Der Song „Church Girl“ ist eine Hommage an die Bounce Music.

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Beyoncé - CHURCH GIRL (Official Lyric Video) | Bild: BeyoncéVEVO (via YouTube)

Beyoncé - CHURCH GIRL (Official Lyric Video)

Der aus New Orleans stammende Bounce ist tief verzweigt mit der queeren Szene dort. Er zeichnet sich aus durch den sogenannten "Drag Rap": Der beinhaltet vulgäre, anfeuernde Texte, Call-and-Response-Elemente und repetitive Melodien. Eine der wichtigsten Bounce-Künstler*innen, Big Freedia liefert das jetzt schon ikonische Sample auf dem Song "Break my Soul".

Ballroom-Culture: Ein safer Space für die queere Community

Der Wink zur Bounce Music passt ins Bild. Hat die Sängerin mit ihrem Album "Beyoncé" 2014 den Feminismus zelebriert, so feiert "Renaissance" nun die queere Community. Auf ihrer Website schreibt Beyoncé, dass sie das Album ihrem Onkel Johnny widmet. Er hätte ihr diese Art von Musik gezeigt und trug viel queere Energy in sich.

Dazu sind Dance-Music und die Clubkultur der 70er fest verwachsen mit der queeren Emanzipationsbewegung. Interpretinnen wie Grace Jones, Madonna oder Donna Summer. Deren Sound hat aus Giorgio Moroders Musicland-Studio in München den Sprung über den Atlantik bis in die Ballroom-Culture des New Yorker Untergrund geschafft. Dort hat er Menschen der LGBTIQ+-Community damals einen sicheren Ort zum Tanzen und zum sie-selbst-sein gegeben. Doch Giorgo Moroders "Münchner Disco-Sound" hatte nicht nur Einfluss auf die queer Community: Der Donna-Summer-Hit "I Feel Love" gilt mit seinen repetitivien Synthesizer-Loops zu den einflussreichsten Pionierstücken der elektronischen Tanzmusik. Nicht ohne Grund also, zitiert Beyoncé diese Moroder-Produktion aus dem Jahr 1977 auf dem letzten Song ihrer Platte, in "Summer Renaissance".

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Beyoncé - SUMMER RENAISSANCE (Official Lyric Video) | Bild: BeyoncéVEVO (via YouTube)

Beyoncé - SUMMER RENAISSANCE (Official Lyric Video)

Auf "Renaissance" macht Beyoncé vieles richtig. Die Songs sind top produziert, die Samples stark und Queen Bs Vocals sind immer noch einzigartig. Ihre Stimme trägt alles. Aber das ist vielleicht auch ein bisschen das Problem. Dance Music lebt davon, dass die Stimme ein Instrument wie alle anderen ist: ein Teil des Ganzen, der Dynamik eines Songs. Bei Beyoncé aber sticht sie so heraus, dass es sich eben wie Beyoncé auf Dance-Beats anhört und selten wie aus einem Guss.

"Renaissance" - ein Beispiel von Queerwashing?

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Beyoncé - BREAK MY SOUL (Official Lyric Video) | Bild: BeyoncéVEVO (via YouTube)

Beyoncé - BREAK MY SOUL (Official Lyric Video)

Dann ist da auch noch dieser plötzliche Wink an die queere Community. Okay, Beyoncé hat immer wieder subtil klar gemacht, hinter wem sie steht. Einige queere Menschen haben an der Platte mitgearbeitet. Aber Beyoncé war nie so aktiv queere Fürsprecherin wie beispielsweise Lady Gaga, Madonna oder Donna Summer. Wird Queerness also nur gefeiert, weil es gerade in ist? Profiliert sich Beyoncé selbst durch die Kunst queerer Ikonen? Weht ein Hauch von Queerwashing durch das Album? In jedem Fall war das erst der erste Akt, wie Beyoncé auf ihrer Website mitteilt. Noch zwei weitere Projekte sollen folgen. Wann, ist noch unklar. Aber bis dahin sehen wir uns wohl erstmal auf dem Dancefloor.