Bayern 2 - Zündfunk


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Debatte über Abschiebungen Zentralisierte Abschiebungen: Besuch im Transitzentrum Manching

Zentren, in denen Flüchtlinge untergebracht werden, direkt ihre Anhörung haben und gegebenenfalls abgeschoben werden - innerhalb weniger Wochen: so etwas gibt es in Bayern z.B. in Manching. Das Transitzentrum hier soll jetzt nach Wunsch der Regierungen in Bayern und Berlin zum Ankerzentrum werden.

Von: Sammy Khamis und Ralph Würschinger

Stand: 16.05.2018

Demo gegen das geplante Ankerzentrum in Manching | Bild: BR/Ralph Würschinger

Der Togoer Flüchtling, der vor zwei Wochen in einer Ellwanger Unterkunft einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hatte, ist nun doch abgeschoben worden. Seit Ellwangen wird wieder viel diskutiert über die Abschiebepraxis in Deutschland - bzw. die "Anti-Abschiebe-Industrie", die es laut Alexander Dobrindt auch gibt. Bundesinnenminister Seehofer dürfte sich jedenfalls in seinem Plan bestärkt sehen, Abschiebezentren einzurichten. Also Zentren, in denen Flüchtlinge untergebracht werden, dort direkt ihre Anhörung haben und dann gegebenenfalls abgeschoben werden – und zwar innerhalb weniger Wochen.

Rundgang durchs Transitzentrum

So genannte Transitzentren gibt es in Bayern schon, drei insgesamt, eins davon steht in Manching. Die Regierung von Oberbayern hat nun zum Pressetermin ins Transitzentrum Manching geladen. Dort sind Asylsuchende untergebracht, die sehr wahrscheinlich nicht bleiben dürfen, also z.B. Menschen aus den Westbalkan-Staaten, Nigeria, Afghanistan oder der Ukraine. Sammy Khamis war für uns dabei beim Rundgang durch das Transitzentrum. Seine Reportage gibt es beim Klick auf das nebenstehende Bild.

Demo gegen das geplante Ankerzentrum

2015 sind von Manching aus 365 Menschen abgeschoben worden, gut 700 sind freiwillig ausgereist. Kritik an solchen Zentren kommt unter anderem von ProAsyl. Sie sagen, die Isolation in solchen Zentren behindere die Integration, außerdem sei Gewalt dort an der Tagesordnung.

Das Transitzentrum in Manching könnte nun eines von mehreren sogenannten Ankerzentren werden. Hier sollen alle Flüchtlinge, egal wie ihre Bleibeperspektiven sind, untergebracht und eine schnelle Abschiebung ermöglicht werden. Dagegen hat unter anderem der Aktivist Arif Haidary aus Afghanistan protestiert. Ralph Würschinger hat ihn begleitet.


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