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Neue Dating-Trends Wie das Dating immer komplizierter wird

Früher hieß es „ignorieren“, „in die Friendzone schieben“, jetzt heißt es „ghosting“ benching“ oder „hyping“. Der neue Liebesjargon geht richtig steil im Netz, die Dating-Strategien sind schon längst in das analoge Leben übergeschwappt.

Von: Maria Fedorova

Stand: 03.08.2018

Küssendes Pärchen | Bild: picture-alliance/dpa

Es gab Zeiten, da war Dating entspannt. Na ja, so wirklich auch nicht. Eigentlich, soweit ich denken kann, war Dating immer mit vielen umständlichen Regeln verbunden. Es kam auf das Timing an, auf den Ort, auf die Wahl der Gesprächsthemen. Menschen waren verwirrt und verunsichert und die Industrie lieferte: tonnenweise Ratgeber und Dating-Seminare und ja, Filme und Reality Shows – „Dismissed“ und „Next“ auf MTV, und einen Rom-Com-Erfolg mit einem trist-klinischen Titel „Hitch, der Date Doktor“. 

Das Online-Dating war zunächst bloß ein Wachstumshormon. Und alles sollte viel einfacher ablaufen – zumindest in der Theorie. Aber die Wahrheit ist: das Netz hat das Dating überzüchtet und mit ganz neuen Features ausgestattet. Und einer neuen Sprache. Caspering, Orbiting, Speed Hating, Drafting. Klingt wie Sport. Ist auch viel Taktik dabei. Und Raffinesse. Machen wir es an ein paar Beispielen fest.

Vom Benching zum Broadcrumbing

Der neueste Hype heißt „Benching“ und hat eine kleine böse Schwester – „Submarining“. Benching, das bedeutet so viel wie warmhalten, auf die lange Bank schieben. Liebe in der Warteschleife, sagen die Dating-Coaches. Hyper-Rationalisierung, sage ich. Das bleischwere Wort „vielleicht“ schwebt über der romantischen Beziehung, nie kommt es zum endgültigen „Ja“. Weil es ja so viele andere Kandidaten gibt. Und wenn einem das „benching“ schon zu viel an Verbindlichkeit ist, dann kann man ja untertauchen, ganz plötzlich, wie ein U-Boot. Fachbegriff: „submarining“. Oder man serviert nur Brotkrümel an Aufmerksamkeit – also „Breadcrumbing“: genauso gruselig wie bei Hänsel und Gretel. Und wenn wir schon bei der Literatur sind – ein Klassiker liefert die Inspiration für den nächsten Dating-Trend „Gatsbying“.

Dress to impress

Eigentlich hatte ihn F. Scott Fitzgerald als Gesellschaftskritik angelegt, als kleine Apokalypse des amerikanischen Traums, als einen Hedonismus-Anpfiff: seinen Roman „Der große Gatsby“. Gatsby, ein Fan von ausgeflippten Partys, war immer dressed to impress: Scheinbar für alle, aber eigentlich nur für eine ganz besondere Frau. In der modernen Dating-Praxis beduetet „Gatsbying“ deswegen: sich eine Kampagne, eine Erzählung ausdenken, die dein Date persönlich ansprechen könnte. Und mit der du dich profilieren kannst. Du postest etwas nur mit der Absicht – zu beeindrucken, ohne persönlich Kontakt aufnehmen zu müssen.

Daten im Digitalen: Alles aus dem analogen Kapitalismus wird übertragen: blenden, faken, abschieben und wenn‘s ernst wird: wegtauchen! Und wenn wir darüber noch eine hippe Zuckerbäckersprache drübergießen, dann wird’s das Opfer schon sportlich nehmen. Sowieso alle: permanent im Wettstreit um Bewertung und Aufmerksamkeit. Es stimmt wirklich: „Love is a Battlefield“.