Bayern 2 - Zündfunk


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Bestseller-Autor Benedict Wells lässt im Gästemix Literatur und Musik miteinander verschmelzen

Benedict Wells ist erst 37 Jahre und hat mehr als eine Million Leser*innen. Sein fünfter Roman „Hard Land“ ist gerade wieder in den Top 5 der deutschen Büchercharts. Zu seinen Büchern veröffentlicht der gebürtige Münchner jedes Mal eigene Soundtracks. Im Zündfunk Gästemix wählt der Schriftsteller seine Lieblingslieder aus, redet über seine Figuren und Geschichten und erzählt, wie wichtig Musik für sein Schreiben ist.

Von: Niklas Schenk

Stand: 15.04.2021

Musikalisch ist Benedict Wells gerade auf Entziehungskur. In den vergangenen sieben Jahren, also seit Beginn der Arbeit an seinem neuen Roman "Hard Land", hat sein Konsum an 80er Jahre Musik "obsessive Züge" angenommen. Irgendwann kam dabei sogar eine Playlist mit 888 Titeln der 80er heraus: Was Benedict Wells macht, das macht er mit Herzblut und vollem Einsatz. "Die Strokes haben ja ein Album mit dem Titel '80s Comedown Machine', das brauche ich jetzt auch zum Runterkommen aus den Achtzigern“, sagt Wells im Zündfunk Gästemix.

Verschmelzung von Literatur und Musik als Erfolgsgeheimnis

"Musik ist so ein toller Schlüssel, ohne viele Worte bist du sofort bei der Emotion", sagt der 37-Jährige. Seinen Charakteren verpasst er oft "Signature Songs", dadurch sollen sie sich den Leser*innen auf einer emotionalen Ebene erklären. Die Mutter in Wells vorherigem Werk "Vom Ende der Einsamkeit" singt "Moon River" an Weihnachten. In Vorgänger "Fast Genial" läuft während des verzweifelten Roadtrips durch die USA Arcade Fire in Dauerschleife. Wells lässt die unerreichbare Anne-May seitenlang darüber philosophieren, warum "The Funeral" ihr Lieblingsalbum ist. Und in seinem neuesten Roman "Hard Land" wird die Entwicklung des Protagonisten wohl am deutlichsten, als er auf der Beerdigung der eigenen Mutter "Dancing With Myself" von Billy Idol in die versteinerten Gesichter seiner erzkonservativen Verwandten und Nachbarn schmettert.

Die Verschmelzung von Literatur und Musik: Eines der Erfolgsgeheimnisse von Benedict Wells, der 2016 mit "Vom Ende der Einsamkei" endgültig zum Star wurde, aber mit dem Titel des "Bestseller-Autors" noch immer fremdelt: "Ich war gerade noch dabei, den Erfolg zu verarbeiten, jetzt geht es so weiter", erzählt er. "Ich stehe dem ratlos gegenüber. Ich nehme das erstaunt zur Kenntnis, es ist einfach surreal, aber natürlich auch total schön." Mit "Hard Land" hat Wells nun einen klassischen Coming-of-Age-Roman geschrieben. Mal wieder, sagen manche. Denn Themen wie die Jugend, die ersten Abschiede, die erste Liebe: All das spielt auch in seinen anderen Büchern eine wichtige Rolle. Er habe sich der Jugend "Schicht an Schicht" angenähert, sei nun mit Mitte 30 in dem perfekten Alter, um über die Jugend zu schreiben, findet Wells: "Nicht zu nah dran, aber noch nicht zu alt".

"Ich schreibe seit 18 Jahren - jetzt will ich mal was anderes machen"

Die Jugend sei für ihn – angelehnt an ein Zitat des Schriftstellers John Green – die Zeit der ersten Male: "Das erste Mal Liebe, Freundschaft, Verlust. Machst du als Kind die Hose dreckig, machst du sie selbst nicht sauber. In der Jugend kriegen die Dinge dann ein Gewicht. Es gibt Abschiede für immer, Freundschaften zerbrechen. Deshalb ist die Jugend literarisch so spannend." Als junger Erwachsener kehre man dann in den "Chefsessel des Lebens" zurück, sagt Wells, der seine eigene Jugend in mehreren Internaten verbracht habe. Sei gar nicht so schlimm gewesen, die Sommerferien hingegen wären aber "Äonen der Langeweile" gewesen. "Deswegen habe ich mir mit 'Hard Land' natürlich ein bisschen den Sommer geschrieben, den ich so nie hatte. Damit bin ich dann jetzt auch durch, jetzt muss eine andere Richtung eingeschlagen werden."

Und zwar eine, die ihn - erst einmal - weg von den Büchern führen könnte. "Ich schreibe seit 18 Jahren, habe dem viel untergeordnet. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mal etwas anderes machen will im Leben", sagt der in Zürich lebende Autor. "Vielleicht studieren oder einen anderen Beruf ausprobieren. Das heißt nicht, dass ich aufhöre, zu schreiben, vor allem nicht Kurzgeschichten. Aber die Arbeit an einem klassischen Roman verlangt unheimlich viel ab und ich möchte da eine andere Balance reinkriegen." Den Zündfunk hat Benedict Wells laut eigener Aussage früher oft gehört, gemeinsam mit dem Vater. "Ich mag das Radio sehr gerne. Vor allem nachts, wenn man um 1 Uhr noch wach ist und weiß, da gibt es auch noch ein paar andere Versprengte, die gerade zuhören."


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