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Für bezahlbares Wohnen - gegen soziale Ausgrenzung Warum München unter #ausspekuliert auf die Straße geht

Mieten, die immer weiter ansteigen, skrupellose Vermieter und Investoren, die machen was sie wollen: Dagegen ruft das Bündnis #ausspekuliert am 15. September zur Demonstration auf.

Stand: 14.09.2018

Banner vom #ausspekuliert | Bild: #ausspekuliert

Fast jeder, der im Großraum München eine Wohnung oder ein WG-Zimmer sucht, hat Horror-Geschichten parat. Zum Beispiel Martha und Peter, beide Mitte 60. "Wir wohnen seit 37 Jahren in diesem Haus und wollten hier in Ruhe unseren Lebensabend verbringen. Und dann gab’s vor einem Jahr eine böse Überraschung: es hieß plötzlich, das Haus ist verkauft worden. Die neuen Eigentümer haben bei der ersten Begegnung sofort klar gestellt, dass sie uns so schnell wie möglich mit allen legalen Mitteln hier raushaben wollen. Vor zwei Wochen kam die Modernisierungsankündigung:

"Uns wurde eine Mieterhöhung von 90 Prozent in Aussicht gestellt."

Martha und Peter

Das Einzige, was hilft, sagen sie, sei sich zusammenzuschließen und gemeinsam zu kämpfen, dass der Unsinn ein Ende hat. Eine andere Art von Unsinn hat Marius erlebt: "Ein Typ hatte ein 14 Quadratmeter Zimmer in Bogenhausen zu vermieten. Die Bedingung war, dass dafür jeden Tag zwei bis drei Stunden auf sein Kind aufgepasst wird und dann zusätzlich nochmal 200 Euro zu zahlen. Und er empfand das als total großzügiges Angebot. Wahnsinn, wirklich."

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist, milde ausgedrückt, katastrophal. Kinder? Nein, danke. Haustiere? Lieber nicht. Student? Ach, das tut mir Leid. Die Preise? Ein WG-Zimmer unter 500 Euro zu finden: Glückssache. Menschen, die keine Manager-Gehälter bekommen, ziehen bei der Wohnungssuche den kürzeren. Und wenn sie dann mal eine bekommen, dann geht fast die Hälfte des Einkommens drauf. Bei jedem dritten Münchner.

Die Mietpreisbremse hat versagt

Gründe für die Wohnungsnot gibt es einige: München boomt nach wie vor - das zieht immer mehr Menschen in die Landeshauptstadt. Die Baukosten sind hoch, weil die Flächen knapp werden. Spekulanten und Investoren kaufen alles leer. Die Stadt hat es in der Vergangenheit versäumt, ausreichend eigene Wohnungen zu bauen und Sozialwohnung zu erhalten. Sie ist aber auch auf den Bund angewiesen, wenn es um Lösungen geht. Der hat unter anderem mit der Mietpreisbremse versagt – es gibt zu viele Ausnahmen.

Viele Münchner sind verzweifelt und sauer. Und haben deshalb den Mieterstammtisch gegründet. Katrin Blawat ist eine von ihnen. "Wir kennen das eben alle aus eigener Erfahrung: wie schlimm das ist, wenn man sich so ohnmächtig fühlt dem Vermieter gegenüber und dann irgendwann merkt, alleine kann man da nichts ausrichten. Also wenn überhaupt dann nur, indem wir uns mit anderen zusammentun und gegenseitig Mut und Lust machen, dagegen was zu unternehmen."

Symbolischer Auszug aus der Stadt

Der Plan zur #ausspekuliert Demo

Bei einem der Mieterstammtischabende wurde dann auch die Idee für eine Demo geboren. Unter dem Motto #ausspekuliert ruft das Bündnis am 15. September alle Münchner zum symbolischen Auszug aus der Stadt auf. Sie fordern unter anderem, dass Eigentümer nicht unendlich die Miete in die Höhe treiben können, nur weil sie ein bisschen sanieren. Sie fordern eine rechtssichere Umsetzung der Mietpreisbremse. Und wollen, dass die Stadt Genossenschaftswohnungen fördert. Knapp 100 Organisationen, Mietergemeinschaften, Parteien und Initiativen wollen das Bündnis #ausspekuliert unterstützen. Viel Arbeit haben die Organisatoren in die Vorbereitungen der Demo gesteckt – jetzt ist es soweit.

Katrin Blawat erhofft sich zum einen natürlich, dass möglichst viele Menschen kommen. "Und dass klar wird, dass wir viele sind und auch Einfluss haben und zeigen, dass das Thema jetzt wirklich brennt und dass da was passieren muss. Auch langfristig, also nicht nur die paar Wochen bis zur Landtagswahl und dann ist’s wieder gut."


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