Bayern 2 - Zündfunk


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Die Daumentechnik am Bass Die Geschichte des Slap Bass oder Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Funk

In unserer "Zündfunk Neigungsgruppe Musik" auf Facebook tauschen sich die Musiknerds unter euch zu Themen aus wie Rock-Opern oder heimliche Mainstream-Lieblinge. Vor kurzem wurde eifrig diskutiert über den "Slap Bass". Peinlich oder nicht? Wir erklären euch, was das eigentlich ist und warum es sich lohnt darüber zu diskutieren.

Von: Roderich Fabian

Stand: 10.09.2018

Anleitung zum Slap-Bass-Spielen | Bild: Creative Commons: Wikivisual

Der Brite Mark King, weißer Bassist der Gruppe Level 42, gilt als der Großmeister des "Slapping". Bei dieser Technik werden die Saiten des Instruments mit dem Daumen angeschlagen und erzeugen dabei einen perkussiven, man könnte sagen "harten" Sound.

"They gave slapping a bad name"

Mark King und Level 42 haben das Slapping Ende der 80er Jahre zu ihrem Markenzeichen erhoben und ließen es dabei zum Klischee verkommen: Musik als Show-off. Man kann sagen: "They gave slapping a bad name". Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen, 1969, mit dem Stück "Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin)" der überragenden Band Sly & The Family Stone.

Sly & The Family Stone galten in den Sixties zurecht als Innovatoren und zwar sowohl der Soul- als auch der Rockmusik. Es war deren Bassist Larry Graham, der den Slap-Bass schon als Mitglied seiner Teenager-Band aus einer Not heraus erfand: Grahams Mutter wollte keinen Schlagzeug-Sound mehr im Übungsraum der Kids dulden. Also musste sich Larry etwas einfallen lassen: Er fing damals an, die Saiten mit seinem Daumen anzuschlagen, um das Fehlen der Bass-Drum zu kompensieren. Und die Saiten wurden nun mit der linken Hand gezupft statt gedrückt, um die Snare-Drum zu ersetzen. Es war also in etwa so, als ob man auf dem Bass Schlagzeug spielen würde, erklärte er in einem Interview.

Das unfassbar gute "Thank you" erreichte im Februar 1970 Platz 1 der amerikanischen Charts und etablierte den Funk, den James Brown in den späten 60ern als Spielart des Soul entwickelt hatte, als massenkompatibel. Der Slap Bass wurde in den frühen 70ern zu einem unverzichtbaren Bestandteil soliden Funks, wie sich der Erfinder Larry Graham nicht ohne Stolz erinnert: "Wenn man später ernstzunehmenden Funk spielen wollte, war es für den Bassisten sozusagen verpflichtend, meinen Stil zu übernehmen."

Auch Jazz-Bassisten übernehmen die Technik

Die eigentliche Adelung von Larry Grahams Idee kam, als auch Jazz-Bassisten wie Marcus Miller, Jaco Pastorious und Stanley Clarke das Slapping übernahmen - die Virtuosen des Instruments schwenkten auf einen Stil ein, der im Pop seinen Anfang genommen hatte. Anfang der 70er entstand ein neues Genre, der Fusion Jazz, der Elemente des Rock und des Funk mit dem Jazz zusammen brachte. Und als Bassist Michael Henderson auf der Miles-Davis-Platte "Get up with it" mit dem Slapping experimentierte, war Larry Graham endgültig der King.

Aber dann kam, was kommen musste: Der Erfolg des Slappings und des Funk ganz allgemein sorgte dafür, dass sich auch weiße Musiker des Stils bemächtigten: Sie setzten Slapping als attraktiven Effekt ein, nicht nur im Funk, sondern auch im Rock and Roll.

Hier hören wir Flea von den Chili Peppers sehr plakativ slappen. Ihm gleich taten es die Bassisten der Average White Band und KC and the Sunshine Band - weißer Pop-Funk eignete sich das Slapping kulturell an, was schließlich eben auch zu Level 42 führte, die weder mit Sly & The Family Stone und noch weniger mit dem Miles Davis Quintet irgendetwas anderes gemeinsam hatten.

Slapping im Indie-Rock und Hip-Hop

Les Claypool, Bassist und Bandleader von Primus, sorgte Anfang der 90er dafür, dass Slapping auch im anspruchsvolleren Indie-Rock seine Chance bekam.

In dieser Zeit wurde auch Larry Grahams "Thank you"-Basslauf mehrmals im Hip-Hop gesampelt, zum Beispiel bei Tone-Loc und seinem " I Joke But I Don't Play". Aber das war’s dann auch mit dem Slapping. Ausgestorben ist es freilich nicht. Schaut im Bierzelt mal genau hin, wenn die Band mal funky sein will. Nicht wenige Bassisten von Showbands wollen gern mal ihre Coolness beweisen und fangen an zu slappen. Dass sie dabei eher Mark King als Larry Graham sein wollen, versteht sich von selbst.


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