Bayern 2 - Zündfunk


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Diskussion in Österreichs Musikszene "Legt euch nicht mehr mit Red Bull ins Bett"

Red Bull und sein Chef Dietrich Mateschitz stehen seit einiger Zeit wegen rechtspopulistischer Tendenzen in der Kritik. Dass die österreichische Musik-Szene trotzdem auf Festivals des Konzerns auftritt, hat nun für eine Debatte gesorgt. Wir haben mit Sonja Resista gesprochen, die die Diskussion ausgelöst hat.

Von: Ralph Würschinger

Stand: 09.05.2018

Kaputte Red-Bull-Dose | Bild: picture alliance/KEYSTONE

Ein beachtlicher Teil der österreichischen Musikszene tritt an am 9. Mai 2018 beim Red Bull Music Festival in Wien: Von Seiler & Speer über Money Boy bis hin zu Ebow und Der Nino Aus Wien. Tolles Line-Up, aber beim Veranstalter spalten sich die Meinungen: Einige Musiker sind sehr froh über diese zusätzliche Geldquelle und die Red Bull Academies, eine geschmackssicher und hochkarätig besetzte Mischung aus Festival und Workshop. Aber welchem Herren dient man da?

Einem mehr als zweifelhaften, findet eine Österreicherin, die unter dem Namen Sonja Resista auftritt. Ihr Text macht gerade im Internet die Runde. Sie findet es erstaunlich und problematisch, wie viele Künstler für die Marke Red Bull performen wollen - trotz deren zweifelhafter politischer Verortung. So äußerte Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz etwa in einem Interview, er habe Sympathien für US-Präsident Donald Trump, kritisierte die deutsche Flüchtlingspolitik und schimpfte über das "Meinungsdiktat des politisch Korrekten", weshalb er eine eigene Nachrichtenplattform gründen wolle. Und Felix Baumgartner, Repräsentant der Marke Red Bull, bejubelte die rechte Bewegung "Die Identitären".  

Franz Wenzl (rechts) von Kreisky

Sonja Resista will den Bands, die bisher bei Red-Bull-Veranstaltungen aufgetreten sind, keinen Vorwurf machen. Man könne nicht immer alles mitbekommen, sagt sie. Auch Franz Wenzl, Frontmann der österreichischen Band Kreisky, sagte dem Zündfunk: "Ich muss zugeben, dass ich das Problem unterschätzt hab." Wenzl selbst hatte früher schon mit Red Bull zu tun und will auch keinen Stab brechen über die Bands, die nun beim Festival auftreten - aber: "Ich glaube, dass man da in nächster Zeit einfach eine andere Handhabe finden muss, wie man mit Red Bull umgeht als Musiker und Künstler." Den Brief von Sonja Resista hält Wenzl für verdienstvolle Pionierarbeit:

"Der Brief ist sehr kollegial und nicht bevormundend. Aber er zeigt auf, dass man sich wahrscheinlich mit Red Bull einfach nicht mehr ins Bett legen darf."

Franz Wenzl, Frontmann der österreichischen Band Kreisky

Wir haben mit Sonja Resista über ihren Aufruf gesprochen.

Zündfunk: Du hast auf deiner Facebook-Seite ein Schreiben veröffentlicht, in dem du über das Unternehmen Red Bull und seine Politik sprichst. Worum geht's darin konkret?

Sonja Resista: Also in erster Linie geht's mir darum, mal aufzuzeigen, wie und in welcher Weise Red Bull rechtsextreme Ideologien forciert. Das heißt, in wieweit Red Bull Anteil an der Normalisierung des Rechtsextremismus hierzulande hat. Damit meine ich Aussagen von Mateschitz, das Verhalten bzw. Nicht-Verhalten zu Aussagen von Red-Bull-Testimonial Felix Baumgartner, die Sendungspolitik vom Red-Bull-eigenen Sender Servus TV und so weiter. Gleichzeitig stoße ich mich an der Doppelmoral einer Musikszene, die sich einerseits gerade in den letzten Jahren antifaschistisch bzw. gegen die FPÖ positioniert hat und andererseits mit Red Bull zusammenarbeitet und jetzt konkret bei dem Red Bull Music Festival in Wien auftritt. Ich finde, das geht nicht zusammen.

Warum kommt der Brief gerade jetzt?

Vor zwei oder drei Monaten habe ich das Line Up vom Red Bull Music Festival Wien gesehen und war ehrlich gesagt erstaunt bis irritiert, wie viele Musikerinnen und Musiker da mitmachen. Das war der Startpunkt für mich, zu sagen: Okay, ich schreib jetzt was dazu. Gleichzeitig aber auch mit dem Hinweis, dass ich schon versteh, wenn man nicht immer und überall alles mitbekommt. Deswegen ist der Text angelegt als Zusammenfassung. Ich finde, jetzt kann oder sollte man sich dazu verhalten.

Dein Post wurde hunderte Male geteilt. Wie waren die Reaktionen?

In erster Linie waren die Reaktionen sehr positiv. Der Tenor war: "Danke, dass das endlich jemand thematisiert und sich traut, das auszusprechen.§ Das fand ich sehr bemerkenswert. Gleichzeitig gab's auch diese Ablenkung oder Abwehr von Kritik: Es wurde darüber gesprochen, wie toll die Infrastruktur von Red Bull ist, die sie den Musikern zur Verfügung stellen, und wie toll die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern ist. Das ist aber nicht das Thema. Genauso wie es einiges an Whataboutism gab im Sinne von "Ja, die Konzerne sind allesamt schlecht" oder "Sponsoring ist böse". Das ist aber wieder eine andere Geschichte. Mich hat auch überrascht, welche weiten Kreise mein Schreiben gezogen hat. Ich hatte mit ein paar Reaktionen gerechnet, aber nicht mit der Reichweite. Es wird in der hiesigen Musikszene diskutiert.

Was erhoffst du dir von deinem Brief?

Es ging mir darum, ein Bewusstsein zu schaffen für das Problem mit Red Bull. Natürlich erhoffe ich mir schon, dass entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Letzten Endes muss das aber jeder selbst wissen.


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