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TikTok brachte den Durchbruch Ashnikkos sexpositiver Rap ist der Wumms, den die Musik der Zukunft braucht

Für die Rapperin Ashnikko ist aus einer TikTok-Challenge zu ihrem Song "Stupid" ein handfester Erfolg gewachsen. Mit einzigartigem Style, rotzfrecher Attitude und Songtexten über Sex, zählt sie zu den heißesten Newcomer momentan. Ein Portrait.

Von: Alba Wilczek

Stand: 02.02.2021

Die Rapperin Ashnikko auf dem roten Teppich. | Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress

Blutverschmierter Körper. Blaue lange Haare. Axt in der Hand. Nein, das ist nicht Chucky die Mörderpuppe mit neuer Frisur. Das ist die Rapperin Ashnikko im Video zu ihrem Song "STUPID". Als Rächerinnen ziehen Ashnikko und ihre Kollegin Yung Baby Tate darin von Haus zu Haus und arbeiten eine Liste ihrer Exfreunde ab. Einer nach dem anderen wird gekillt und danach hört man stetig: "Stupid Boy thinks that i need him".

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Ashnikko - STUPID Feat. Yung Baby Tate (Official Video) | Bild: Ashnikko (via YouTube)

Ashnikko - STUPID Feat. Yung Baby Tate (Official Video)

Dieser Song hat Ashnikko über Nacht richtig nach oben befördert. In kürzester Zeit haben über hunderttausend Menschen auf TikTok die "Stupid Boy"-Choreo getanzt und den Track zu einem viralen Hit gemacht. Ja. Vergiss mal Labelarbeit, kleine Gigs auf Festivals oder Besuche in Radioshows. TikTok is the Place to Be. Mit der Plattform gibt es längst einen neuen Ort, der mitmischt, einen Ort, der neue Trends prägt und, der heiße Newcomer:innen ausspuckt. Zuletzt eben: Ashnikko. Die Amerikanerin ist eine von vielen Künstler:innen, denen TikTok einen Karriere-Push gegeben hat. Das heißt aber nicht, dass sie nichts Besonderes ist. Im Gegenteil, Ashnikko ist sogar mehr als das: Sie ist einzigartig. Aber von vorne.

Ashnikko zieht mit gerade mal 18 Jahren ganz alleine nach London

Ashnikko macht Rap. Genauer, Pop-Rap mit Punk-Rock-Attitüde. Müsste man ein Sinnbild für die Wahllondonerin wählen, dann sähe das ungefähr so aus: Ein blauhaariges Anime-Riot-Girl, das kaugummikauend auf einer rosa Wolke sitzt und die Zunge rausstreckt. Auf ihrem T-Shirt der Aufdruck: Iss meine Muschi als wärs Abendessen. Der Wahnsinn. Mit bürgerlichem Namen heißt Ashnikko Ashton Nicole Casey. Ursprünglich kommt sie aus Greensboro, North Carolina, aber mitten in der Pubertät ist die Familie der Künstlerin erst nach Estland und anschließend nach Lettland gezogen. Als einzige US-Amerikanerin auf einer lettischen High School - darauf hatte Ashtion keinen Bock. Sie wollte mehr. Dorthin, wo es brennt, wollte Musik machen, etwas wagen. Und deswegen zieht Ashnikko mit gerade mal 18 Jahren ganz alleine nach London. Krass mutig, aber auch sehr effektiv. Im Laufe der Jahre hat die Künstlerin intensiv an ihrer Musik gearbeitet. Vier EPs kamen dabei herum und die Nummer 3 - "Hi It’s Me“ aus dem Jahr 2019 - die hat dann für den besagten Durchbruch gesorgt.

"Meine Eltern wissen, dass meine Musik provokativ ist, aber sie unterstützen mich sehr. Sie sind meine größten Fans", erzählt Ashnikko im Interview mit mdr Sputnik. Provokation ist ein großer Teil von ihrer künstlerischen Identität. Ihre Songtexte schreibt sie selbst. Und in den meisten Lyrics rappt sie offen über Geschlechtsteile, sexuelle Fantasien und was ihr auf die Nerven geht - vor allem beim Sex mit Männern. Das hört sich dann unter anderem auch mal unkonventionell an, wie beispielsweise im Song "Clitoris! The Musical".

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Clitoris! The Musical | Bild: Ashnikko - Topic (via YouTube)

Clitoris! The Musical

Privat lebt Ashnikko bisexuell. In vielen Songs wirkt die Künstlerin aber richtig angepisst, dass sie Männer auch attraktiv findet. Hm. Verständlich. Das Patriarchat ist halt nicht so einfach zu besiegen. Ashnikko versucht es zumindest. Und das, zusammen mit ihrem rotzfrechen Stil, ihrer verrückten Buntheit passt so perfekt in heutige Zeit. Wir leben in der Epoche, in der Geschlechterrollen im Mainstream-Pop endlich mehr aufgebrochen werden und Tabus wie das Thema Sex auch endlich offen auf den Tisch kommen. „Ich glaube, es gibt 2020 und 2021 definitiv einen Anstieg an Sexpositivität in der Pop Musik. Ich bin sehr gespannt, wo das noch hinführt.“

Rotziger Cosplay-Style und Videos wie verruchte Comic-Welten

Ja. Das wird spannend. Mehr und mehr Künstler*innen singen, rappen, reden heutzutage mehr über Sex. Gut so. Vorreiterinnen Madonna, Bikini Kill oder Lil Kim sei Dank. Heute sind es viele. Und einige Artists stechen heraus, aus der Masse. Ashnikko ist eine davon. Diese Attitude, dieser rotzige Cosplay-Style und dazu noch super abgefahrenen Videos, die wie verruchte Comic-Welten wirken. Wie kommt sowas zustande? Antwort: Feministisch-musikalische Früherziehung. Nach eigener Aussage hat die Künstlerin bis sie 13 war nur weibliche Artists gehört. Zu ihren Vorbildern zählen M.I.A, Missy Elliott, Gwen Stefani, aber auch Janis Joplin, Dolly Parton oder Avril Lavigne. Letzterer hat sie sogar ein Cover gewidmet: Aus "Sk8erboi", dem Durchbruch von Avril Lavigne wird bei Ashnikko "L8erBoi". Die Lyrics hat sie dementsprechend angepasst.

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L8r Boi | Bild: Ashnikko - Topic (via YouTube)

L8r Boi

"L8er Boi" ist auf Ashnikkors Debüt Album zu finden. „DEMIDEVIL“ ist im Januar erschienen und bietet zehn Tracks, jede Menge explizite Lyrics und hochkarätige Gäste wie Grimes, Princess Nokia oder Kelis. Eigentlich war von Anfang klar: Unter den bunten Cosplay-Perücken von Ashnikko steckt ganz schön viel Wumms. Sowohl künstlerisch als auch spirituell. Das Beste ist aber: Das ist noch nicht mal ihre Finale Form. Da wird noch einiges auf uns zu kommen. Bin ich froh, dass die Zukunft heute schon anfängt.


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