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Tennis-Star im Zündfunk-Gästemix Andrea Petkovic zeigt, dass Tennis und Musik mehr miteinander zu tun haben als gedacht

Sie ist Profisportlerin und Popfan, spielt Grand Slam Turniere und geht als Reporterin mit der Indie-Band Tennis auf Tour. „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ heißt die neu erschienene Biografie von Andrea Petkovic. Zündfunk-Moderator und Tennisfan Tobias Ruhland hat die rasend sympathische Tennisspielerin für einen Gästemix getroffen.

Von: Tobias Ruhland

Stand: 15.12.2020

Andrea Petcovic | Bild: picture-alliance

Ja, das gefällt mir schon mal ganz gut. Ich meine, Andrea, Deine Story ist Gold: Migrantenmädchen mit unbändigem Willen und Talent. Statt Doppelfehler macht sie doppelte Integration. Erst in Deutschland und dann in die fremd elitäre Tenniswelt. Aber wir brauchen nicht nur Aufschläge für die Story, sondern auch Rückschläge und, ah, klar Widersacher. Am besten wären so Sätze wie: Ich wollte mich an all denen rächen, die mich abgeschrieben haben.

"Ich wollte mich an all denen rächen, die mich abgeschrieben haben", sagt Petkovic im Interview. Läuft! Aber vor Deinem Rachefeldzug brauchen wir Emotions abseits vom Tennis-court. Also diese ganze Soße mit entbeerungsreiche Jugend, angespitzt mit ein paar Ausflippern im Rock-Milieu.   

Das erste Kapitel - einfach nur Teenager sein

Andrea Petkovic und ihr Buch: "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht", erschienen bei Kiwi

Andrea Petkovic erzählt mir von ihrer Teenagerzeit: "Ich bin damals auf das Konzert der damals noch sehr unbekannten Band Bloc Party gegangen. Neu-Isenburg. Kleine Halle. Ich hatte guten Freund, der war immer am Puls der Zeit. Kannte Bands, soziale Medien. Wusste alles ein Jahr vorher. Hab mich in seinem Glanz gesonnt. Es gab ein Mädchen in der Schule, die sehr cool war. Wir hatten ein Ticket zu viel. Hab bei ihr angerufen und sie ist tatsächlich mitbekommen. Ich seh noch den Moment, wo sie in Zeitlupe auf den Boden fiel, ihr T-Shirt zerrisste…. yeah, das waren meine 3 Monate Teenagerzeit, die ich heute sehr nah am Herzen trage und sehr gerne daran erinnere."

Das nächste Kapitel - Sexismus und Tennis

Ok, das Jugendkapitel wär schon mal eingetütet. Ich will in einem Kapitel auch den ganzen notgeilen Pennern einen vor den Latz knallen. Diese Freaks, die Videos von Dir ins Netz stellen, wo’s dir das Tennisröckchen hochweht. Tausendfach geklickt:   "Andrea Petkovic hot". Genau diese Vollhonks, die sabbernd in unser Tennis-Rock-Musical laufen, weil sie auf kurze Tennisröcke spekulieren – die kriegen mal schön eine Lehrstunde in Sachen Sexismus im Tennis. Lass uns das gerne groß fahren. So mit Rückblick auf die Tennisheldin Billie Jean King und ihre Gründung der Damenprofi-Vereinigung WTA Anfang der 1970er. Dieses Dilemma im Damentennis zwischen Vermarktungsdrucks und Achselschweiß. Und dann brechen wir das auf Deine Erlebnisse runter, Andrea!  

"Als ich dann in diese Tenniswelt kam, war mir gar nicht bewusst, dass Frauentennis oft sexualisiert wird. Da war ich noch sehr naiv. Dann auch ins Negative, wenn du mal was anhast, was nicht so gut aussieht, früher vor meiner Knie OP war ich deutlich muskulöser. Wenn mich Leute in echt getroffen haben, die haben gesagt: Du bist ja gar nicht so breit oder du siehst ja viel weiblicher aus als im Fernsehen. Das hat mich damals sehr getroffen. Hab auch bei Adidas angerufen und gebeten, bitte nur noch T-Shirts zu schicken und keine ärmellosen Sachen," erzählt sie mir.

Taugt ihre Story als Musical?

Ja, genau: Und Lizzo tanzt als Serena Williams über den Bühnenrasen und, ok, vielleicht ein bisschen krass, aber stell Dir vor Andrea, wie jetzt von der Seite ein unförmiges Etwas reingefahren kommt. Und dieses Teil ist Dein überdimensioniertes lädiertes Iliosakralgelenk, das Dich in Deine tiefste Tenniskrise stürzte. Und dazu Auftritt von Deinem Physio-Wunderheiler Rado. Ein totaler Macho, aber auch eine Motivationsmaschine. Klassisches Two-Face-Ding. Gib mir mal noch ein paar Details von Rado.

"Rado wollte, dass ich in meinem Tennis nicht nur so eine Art Streben nach Selbstzufriedenheit gehe, Geld, Rangliste, er wollte, dass ich nen höheren Zweck sehe, ich mach das für die Menschen oder keine Ahnung, und es stimmt schon: Wenn man in etwas einen höheren Zweck sieht, dann treibt es einen durch Krisen viel schneller hindurch, weil man immer das Ziel dahinter sieht. Bei mir ist das leider ins negative ausgeschlagen, ich wollte mich an all denen rächen, die mich abgeschrieben haben, aber ich glaube, es waren gar nicht so viele, aber in meinem Kopf habe ich das total aufgebauscht, und ich hab gedacht, ah, keiner glaubt mehr an mich, aber ich werde es allen zeigen. Mehr so ein 'ich muss es allen zeigen'."

Andrea Petkovic als Rocky Balboa?

Genau, die Rocky-Nummer auf Tennis frisiert. Mega! Und dann das große Finale. die Läuterung, die Erlösung, das Spiel Deines Lebens. Die perfekte Mischung aus Schweiß und Schmalz. Ich meine, Almost Petkovic – ein Tennis-Rock-Musical ist eben verdammt noch mal ein Musical. Drama mit Happy End.

"Letztes Jahr French Open, 2. Runde, neuer Platz, superschön, passen 7000 Leute rein. Ganz selten, weil wir beide das beste Tennis gespielt haben. Wenn ein sehr gutes Match stattfindet, passiert diese ganz seltsame Transformation, dass Du das Gefühl hast, deine Gegnerin ist nicht mehr Deine Gegnerin, sondern ihr seid miteinander in einer Art Paartanz gefangen oder so, der aber diese Absurdität in sich trägt, dass man die andere ja vernichten muss, weil sonst kannst du nicht überleben. Und das war in diesem Moment. Ich hab da einmal rausgekuckt und mein Trainer und ihr Trainer lagen sich nach verrücktem Ballwechsel in den Armen. Ich dachte so: Was passiert hier gerade? Das Spiel hab ich 9:7 im 3. Satz gewonnen."

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ttt_titel_thesen_temperamente Klug, poetisch und mit viel warmherzigem Humor. @andreapetkovici hat ihr Roman-Debüt vorgelegt. In "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht" nimmt der Tennis-Star die Leser*innen mit in die Welt eines faszinierenden Sports. Doch ihr Buch ist keine klassiche Sportlerbiografie. Petković erzählt auch Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend als Flüchtlingskind aus dem ehemaligen Jugoslawien, von Begegnungen neben dem Tennisplatz, von ihrer zerrissenen serbisch-deutschen Seele – und von ihrer großen Liebe zur Literatur. . . . #andreapetkovic #zwischenruhmundehreliegtdienacht #buch #literatur #tennis #tennisspielerin #erzählungen #autofiktion #serbien #deutschland #migration #ehrgeiz #sport #ttt #titelthesentemperamente

Klug, poetisch und mit viel warmherzigem Humor. @andreapetkovici hat ihr Roman-Debüt vorgelegt. In "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht" nimmt der Tennis-Star die Leser*innen mit in die Welt eines faszinierenden Sports. Doch ihr Buch ist keine klassiche Sportlerbiografie. Petković erzählt auch Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend als Flüchtlingskind aus dem ehemaligen Jugoslawien, von Begegnungen neben dem Tennisplatz, von ihrer zerrissenen serbisch-deutschen Seele – und von ihrer großen Liebe zur Literatur.
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#andreapetkovic #zwischenruhmundehreliegtdienacht #buch #literatur #tennis #tennisspielerin #erzählungen #autofiktion #serbien #deutschland #migration #ehrgeiz #sport #ttt #titelthesentemperamente | Bild: ttt_titel_thesen_temperamente (via Instagram)

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