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Album der Woche: Soulwax - Essential "Fuck politics, let's dance" - Soulwax hat das Partyalbum des Sommers abgeliefert

Jetzt ist die Zeit der Sommerpartys. Und wer frische Musik für den Dancefloor braucht, kommt um „Essential“, das neue Album der belgischen Soulwax nicht herum: Zwölf aus der Hüfte geschossenen Tracks liefern das, was sowohl Rock- als auch Electrofans in Bewegung bringen könnte.

Von: Roderich Fabian

Stand: 02.07.2018

Pressebilder von Soulwax | Bild: PIAS Germany

Bill Drummond vom subversiven britischen Pop-Projekt The KLF hat mal gesagt: „Die beste Musik kommt immer aus der Zeit, in der man selber jung gewesen ist.“ Und deshalb schwört Oma auf Bob Dylan, Papa auf Oasis und die kleine Sophie auf Ariana Grande. Wer in den 90ern jung gewesen ist, der konnte - wenn er wollte - das Jahrzehnt der Dancemusik in vollen Zügen abfeiern. Mancher wird vielleicht sogar ein bisschen wehmütig sein, wenn er sich an die Partys und Raves der 90er erinnert, die jetzt bald 20 Jahre zurückliegen. Zumindest schon mal diese „Zielgruppe“ wird von Soulwax und ihrem neuen Album „Essential“ bestens bedient.

Dem Album liegt ein Auftrag von BBC-Radio-DJ Pete Tong zugrunde. Eigentlich sollten Soulwax nur einen Radio-Mix bereits existierender Tracks abliefern, den  Tong in seiner Show „Essential Soulwax“ präsentieren wollte. Stattdessen sampelten sich die Dawaele-Brüder in zwei Wochen zwölf neue Tracks zusammen, die alle um das Wörtchen „essential“ kreisen. Das ist eine humorvolle und leicht subversive Aktion, die tatsächlich ein bisschen an Bill Drummonds Methode erinnert, Erwartungen zu zertrümmern.

Von Africa Bambaataa bis Kraftwerk

Die Musik auf „Essential“ ist eigentlich weder Techno noch House, sondern baut auf die Ursuppe der elektronischen Tanzmusik auf - auf dem „Electronic Funk“, der in den frühen 80ern von Leuten wie Africa Bambaataa, Arthur Baker oder Roger Troutman inszeniert wurde. Die wiederum waren alle von den Düsseldorfer Innovatoren des Electro beeinflusst, von Kraftwerk - und auch die klingen an auf „Essential“.

Aber anders als bei den frühen Electro-Hits kickt hier der Bass natürlich wesentlich satter, klirren die Höhen kristalliner und die gelegentlich auftauchenden Stimmen wurden mit allem verfeinert, was die Software des 21. Jahrhunderts so hergibt. Alle Tracks hier heißen „Essential“ und  sind danach nur noch durchnummeriert. Aber „Essential Four“ hat sich inzwischen schon als kleiner Hit erwiesen, auch dank der Stimme der belgischen Sängerin Charlotte Adigérie. In den Blogs wird inzwischen darüber gerätselt, ob  „Four“ an den Disco-Beat der „Gang of Four“ erinnern soll, an „I love a Man in a Uniform“.

So danct der Sommer

Aber das sind schon wieder so Spezialisten-Diskurse, über die sich die Dawaele-Brüder bestimmt bestens amüsieren. Fest steht nur, dass „Essential“ ein fulminantes Dance-Rock-Album geworden ist, das manchmal gar nicht so weit entfernt von dem Ort einschlägt, wo vor fünf Jahren Daft Punk mit „Random Access Memories“ gelandet waren. Inklusive Giorgio-Moroder-Hommage..

„Essential“ ist jedenfalls gerade das einzige Album, das ihr haben müsst, um eine Stunde auf einer Party aufzulegen und als ganz cooler Hecht dazustehen. Oma wird ebenso dazu tanzen wie der junggebliebene Alt-Raver und irgendwann wird sich auch die kleine Ariana Grande nicht länger bitten lassen. Der Sommer ist da - „fuck politics, let’s dance“!


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