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"DEACON" Wie Serpentwithfeet vom Chorknaben zum schwulen, afroamerikanischen Rolemodel wurde

Bereits 2017 staunten wir über den ersten Song von Serpentwithfeet. Auf seinem neuen Album "Deacon" verschmelzen Gospel, R'n'B und Pop und machen den Ex-Chorknaben aus Baltimore zum schwulen, afro-amerikanischen Rolemodel. Ob Rom ein Album segnen wird, auf dessen Cover der Künstler einen Mann umarmt? Wir feiern das!

Von: Ralf Summer

Stand: 29.03.2021

Serpentwithfeet - DEACON (Cover) | Bild: Secretly Canadian

Im ersten Song „Hyacinth" blickt Josiah Wise, wie Serpentwithfeet bürgerlich heißt, traurig zurück. „Ich begann zu glauben, dass der Zauber der Natur für Bienen reserviert sei, aber nicht für die Männer, die ich traf”, singt er. Der Musiker haderte mit seinem Coming Out, schließlich wuchs er in einer religiösen Familie auf. Sein Vater leitete einen christlichen Buchladen, seine Mutter einen Chor. Gegen seinen Willen schrieb sie ihn beim Maryland State Choir ein. Bald schon fühlte sich Klein Josiah doppelt fremd, weil in der klassischen Musik kein Platz für seine schwarze Stimme war.

Trost fand er in der Gospel-Musik. Und er blickte auf zu Jungs, die sich trauten, den Schritt zu gehen, der ihm noch bevorstand. Er singt: „Aber, die mit einer Blume neben ihrem Kopf schlafen, wachen mit einem Lover in ihrem Bett auf."

„Ich will mit jemandem zusammen sein, der in meinen Schuhen laufen kann"

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serpentwithfeet - Same Size Shoe (Official Video) | Bild: serpentwithfeet (via YouTube)

serpentwithfeet - Same Size Shoe (Official Video)

Schon im nächsten Song, in „Same Size Shoe”, freut sich Serpentwithfeet, dass „die Liebe seines Lebens” die gleiche Schuhgröße hat wie er. „Ich date lieber Afro-Amerikaner”, sagt Josiah Wise in einem Interview. „Ich will mit jemandem sein, mit dem ich zum Frisör gehen oder der in meinen Schuhen laufen kann.” Als Serpentwithfeet freut er sich über den Umstand, dass schwule, schwarze Liebe mittlerweile im Mainstream angekommen ist: Der Film „Moonlight” heimste mehrere Oscars ein und Frank Ocean ist einer der einflussreichsten Musiker dieser Tage. Und nun er, der mit Trophäen von Gesangswettbewerben ausgezeichnete Chorknabe, der eines Tages beschloss, eine Weltklasse-Performer und Opern-Sänger zu werden.

Serpentwithfeet setzt sich für Sex-Positivity ein

„Deacon”, das neue Album von Serpentwithfeet, ist eher Studie als eine Geschichte, die sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe beschäftigt, so Josiah. In „Malik“ geht es um einen Trip in den Süden der USA – mit einem Typen, der Socken in den Sandalen trägt. Aber den Josiah dafür bewundert. Auch in „Amir“ geht es um ein Date, um die Frage „Bier oder Rosé?" und viel Verlangen. Und in „Wood Boy“ wird der Junge vermisst, der sich eben noch neben ihm in den Laken wältze. Und oben auf war. Sex-Positivity, um es Neu-Deutsch zu sagen.

Weniger Sorgen, mehr Liebe

Den Höhepunkt der Platte hebt sich Josiah für den Schluss auf. „Fellowship“ ist eine Ode an die Freundschaft – eingesungen mit den beiden britischen Musikern Sampha und Lil Silva. Im Text erinnert er sich an Baltimore zurück, wo er als Chorknabe zu singen begann. Und freut sich, dass er nun in seinen 30ern, weniger Sorgen und mehr Liebe hat als früher. Musikalisch wagt er weniger, verpackt seine black guy love songs diesmal in eher poppigere Sounds. Er will gehört werden.

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serpentwithfeet - Fellowship (Lyric Video) | Bild: serpentwithfeet (via YouTube)

serpentwithfeet - Fellowship (Lyric Video)

Mit seinem ersten Album „Soil“ landete Serpentwithfeet 2018 in den Top 3- Alben des Jahres der New York Times. Josiah Wise hat das Zeug zum schwulen afroamerikanischen Rolemodel. Mit der Zeile „Ich bin dankbar für die Liebe, die ich mit meinen Freunden teile“, endet unser Album der Woche, das auf elegante Weise Gospel, R´n´B und Pop miteinander verschmilzt.

Auf dem Cover von „Deacon“ - auf Deutsch „Diakon“ - hält Josiah einen schwarzen Mann voller Fürsorge im Arm, der sich an ihn kuschelt. Ob die katholische Kirche das segnet? Unseren Segen bekommt er. Wir feiern es sogar! Gospel wird hier zur Selbstermächtigung.


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