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Album der Woche: "Stars are the Light" Moon Duo machen die Unendlichkeit des Kosmos mit psychedelischen Klängen hörbar

Sie sind Hippies wie sie im Buches stehen. Sanae Yamada und Ripley Johnson alias Moon Duo machen seit 2009 spirituelle Popmusik mit Elektronik und Gitarre. Ihr siebtes Album „Stars are the Light“ ist ihr bisheriges Meisterwerk.

Von: Roderich Fabian

Stand: 30.09.2019

Sanae Yamada und Ripley Johnson | Bild: picture-alliance/dpa/Per-Otto Oppi

"Suicide with Guitars." So hat Sanae Yamada mal den Sound von Moon Duo beschrieben. Sanae ist die eine Hälfte der Band. Und tatsächlich ergänzten sich ihre Keyboards und die Gitarre von Ripley Johnson auf das Selbstmörderischste. Doch ihr neues Album ist anders, die Keyboards rulen jetzt eindeutig, nur gelegentlich darf sich Johnson in den Vordergrund spielen, zum Beispiel im Tarantino Surf-Style.

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Moon Duo - Stars Are the Light (Official Audio) | Bild: Sacred Bones Records (via YouTube)

Moon Duo - Stars Are the Light (Official Audio)

Auf sieben von acht Stücken hier wird gesungen, manchmal lässt sich gar nicht genau bestimmen, ob er oder sie am Mikrophon ist, weil die Stimmen durch diverse Echokammern gejagt, verdoppelt und verdaddelt wurden.

Psychedelischer Sound für unendliche Weiten

Mögen die krautrockigen Elektro-Kaskaden inzwischen dominieren, die Themen der Band sind immer noch die gleichen: Die Gestirne, die Unendlichkeit des Kosmos, das Abheben aus der Banalität der Wirklichkeit. Sanae Yamada, die früher Lehrerin war, versteht „Stars are the Light“ deshalb als Tanzplatte. Aber nicht in einer stickigen Disko soll man sich dazu bewegen, nein, unterm Sternenzelt, dem Himmel so nah.

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Moon Duo - Eternal Shore (Official Audio) | Bild: Sacred Bones Records (via YouTube)

Moon Duo - Eternal Shore (Official Audio)

„Eternal Shore“ heißt dieses Stück, „unendliche Küste“. Und gemeint ist wohl die amerikanische Westküste, wo das Moon Duo sich vor zehn Jahren in San Francisco gefunden hat und immer noch lebt, inzwischen allerdings in Oregon, wo die Mieten noch erschwinglicher sind als in der Nähe des Silicon Valley. Gitarrist Ripley Johnson hat auf diesem Album das Kommando also an seine Gefährtin abgegeben, bleibt aber weiter auch Teil der Männerband „Wooden Shjips“, wo eigentlich immer so gerockt wird wie hier nur bei dem Song „Eye 2 Eye“.

Sanft aber gefährlich - zwischen Hippies und Rob Zombie

Der Sound des Moon Duos deutet schon an, dass wir es hier zwar mit Neo-Hippies zu tun haben, aber keinesfalls mit Naivlingen. Sonae Yamada gibt hier die clevere Schamanin, während Ripley Johnson aussieht, als wäre sie aus einem Rob Zombie-Film entsprungen. Es sind halt ambivalente Amerikaner: Sanft und gleichzeitig ein bisschen gefährlich wollen sie rüberkommen. Solche Leute gibt’s in Europa kaum, weshalb wir uns immer so schwer tun, die USA richtig zu beurteilen. Aber „Stars are the Light“ hat auch einen europäischen Touch. Das Album wurde an der Küste Portugals aufgenommen. Und an den Reglern saß der Engländer Peter Kember, der sich Sonic Boom nennt und in den 80ern mal berühmt war als Teil der ähnlich veranlagten Band „Spacemen Three."

Und so ist „Stars are the Light“ im besten Sinne psychedelisch geraten: Sonne, Mond und Sterne tanzen Ringelreihen, alles dreht sich, alles bewegt sich, es klingelt an allen Ecken und Enden. Und wir sind geneigt zu glauben, dass vielleicht doch alles einer höheren Ordnung folgt, dürfen aber weitergrübeln darüber, wer bei diesem „Great Gig in the Sky“ eigentlich die Regie führt.


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