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R.I.P. Mac Miller Seine beste Platte sollte seine letzte werden: "Swimming" vom Rapper Mac Miller

Herzerwärmend ehrlich verarbeitete der amerikanische Rapper Mac Miller Liebeskummer, Drogen und anderen Dämonen auf seinem neuen Album "Swimming". Die Dämonen waren offenbar zu stark. Jetzt starb der 26-Jährige an einer Überdosis.

Von: Alba Wilczek

Stand: 06.08.2018

Rapper Mac Miller sitzt bei Zane Lowe, einem neuseeländischen DJ und Radiomoderator, und gibt ein Interview. Er lässt die Hosen runter. Bis jetzt lief das Jahr für Mac eher beschissen. Freundin Ariana Grande weg, Unfallflucht und dann die Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer. Doch hinter dem Mikrofon sitzt kein Häufchen Elend. Nein, Miller wirkt entspannt, sympathisch, fast befreit. Nach monatelangem Social-Media- und Öffentlichkeits-Fasten ist der Rapper zurückgekehrt um allen zu sagen: Ich bin über den Berg. Ich habe Frieden geschlossen. Mit mir und mit den letzten zehn Jahren.

Im Mai dieses Jahres geht seine Beziehung mit Pop-Sängerin Ariana Grande in die Brüche. Nach zwei Jahren Big Love im grellen Licht der Öffentlichkeit zieht sie den Schlussstrich. Kein schönes Ende für eine Liebe. Auf Twitter droppt Grande unter anderem die Worte "toxic relationship". Giftige Beziehung. Während Millionen Fans und Stans ihren Senf dazu geben, hält Miller die Klappe. Er verschanzt sich lieber im Studio. Das Album "Swimming" gibt einen Eindruck, wie heartbroken und fertig er wirklich war. Das spürt man unter anderem an den melancholischen Vibes von Songs wie "Dunno", "Wings" oder "Self Care". Hier rappt er: "Sag ihnen, sie können ihren Bullshit woanders ablassen." Gemeint ist das Haifischbecken Öffentlichkeit.

"Jeden Morgen hab ich mich durch Twitter und Instagram gescrolled", sagt Mac Miller im Interview mit Zane Low. "Innerhalb von fünf Minuten wurde meinem Ego geschmeichelt und es im nächsten Moment zerstört." Den Verarbeitungsprozess hat er auf seine neue Platte gepackt. Auf "Swimming" beackert Miller gleich drei langjährige Beziehungen: Die mit Sängerin Ariana Grande, die mit der Öffentlichkeit und dem Fame und die mit dem Alkohol. Der erste Song, "Come back to earth" gibt direkt den Ton an. Mac Millers musikalischer Gedankenstrom startet mit einer Katharsis.

Jazzige Hip Hop Beats

"Kurz vorm Absaufen" sei er gewesen, jetzt aber schon fast wieder am Kraulen. Ein Mantra, das über dem ganzen Album schwebt. Selten lässt sich die persönliche Entwicklung eines Künstlers so an seiner Musik festmachen, wie bei Mac Miller. Als sein erstes Album "Blue Slide Park" durch die Decke geht, ist er grade 19. Der Fame kommt und macht das, was er so gut kann: Menschen fressen. Der Pittsburgher Rapper verfällt dem Exzess. Alkohol, Weed, Miller ist ständig drauf. Seine Musik spiegelt das wieder: die Alben aus dieser Zeit sind durcheinander, wollen nicht wirklich zünden. Das ist jetzt anders - alles passt. Vor allem die poetisch-mehrdeutigen Lyrics und die jazzigen Hip Hop Beats kommen gut. Schon 2012 hatte Miller unter dem Pseudonym Larry Lovestein & The Velvet Revival eine Jazz-EP veröffentlicht. Jetzt, sechs Jahre später, liefert als i-Tüpfelchen auch noch King Kendricks Haus und Hof Bassist Thundercat Basslines, in die ich mich reinlegen möchte. Und überhaupt Kids, "What’s the Use?" - der Hit der Platte.

Albumcover "Swimming"

Millers warme nuschelnde Stimme, smoothy groovy Feeling und ein paar downbeat Snares. Endlich. Der Stil steht dem Rapper sehr gut. Macht den Eindruck, als sei er damit angekommen. Die Liebe bringt eben doch das Beste in uns hervor. Oder, in Millers Fall: die gescheiterte Liebe. 13 Songs als Versöhnung mit allem, was passiert ist. Die Platte fühlt sich an wie aus einem Guss. Ein in sich abgeschlossener Gedanke. Das wirklich Geniale liegt aber im Bezug zwischen Text und Musik: Trotz der traurigen Themen schafft es Miller, immer auch authentisch positive Vibes zu versprühen. Dass das Ganze etwas weniger virtuos daherkommt als beispielsweise bei Frank Ocean oder Childish Gambino, ist nicht wirklich schlimm.

Einfach mal loslassen

Im letzten Song des Albums, "So it goes" mündet Millers Stimme in einer Wall of Sound. Offenes Ende. Keine Lösung, kein großes Fazit. Stattdessen: Passt schon, it’s okay, Kids. So fühlt sich älter werden eben an. Dinge passieren, Fehler passieren. Der Key ist: lernen, einfach mal loszulassen. Na dann: Thanks, Mac. Das probiere ich auch mal. Den Soundtrack dazu gibt es ja jetzt. And so it goes.


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