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"Leftovers" Die Kanadierin Le Ren hat ein Folk-Album geschaffen, das alle musikalischen Trends überdauern wird

Vor zwei Jahren hat die kanadische Sängerin Le Ren die schreckliche Nachricht erhalten, dass ihr Freund bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen ist. Jetzt ist ihr Debutalbum erschienen, das aber nicht nur die Vergangenheit aufarbeitet, sondern auch eine Ode an die Liebe ist.

Von: Ann-Katrin Mittelstraß

Stand: 18.10.2021

Die kanadische Künstlerin Le Ren | Bild: Mariah Hamilton

Liebe, Schmerz, Verlust und Trauer. All das wurde schon unzählig oft besungen - nur noch nicht von jedem. Könnte man jetzt sagen, wenn man fies wäre. Aber dann kommt plötzlich wieder eine neue Stimme daher, die einen all das wieder mitfühlen lässt, als wär’s das erste Mal.

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Le Ren - Dyan (Official Video) | Bild: LeRenVEVO (via YouTube)

Le Ren - Dyan (Official Video)

Liebe zu Folk, Bluegrass und Country-Musik

„Leftovers“ hat die Kanadierin Le Ren ihr Debütalbum genannt: Eine Sammlung von Gefühlen und Momenten aus ihrer Vergangenheit, die bis heute wichtig für sie sind. Auf ihrer ersten EP „Morning & Melancholia“ aus dem letzten Jahr ging es noch vor allem um die Trauer über den Tod ihres Ex-Freunds, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Das Album jetzt ist aber genauso voller Melancholie wie voller Leichtigkeit und Liebe – zum Beispiel für ihre Mutter. Den Song „Dyan“ hat Le Ren für sie geschrieben, die eine große Rolle spielt in ihrem Leben. Als Le Ren 13 war, hat ihre Mutter Bluegrass für sich entdeckt und Workshops besucht, in denen sie Mandoline gelernt hat. Le Ren durfte immer mit und hat sich so als Teenager auch in Bluegrass, Folk und Country-Musik verliebt.

Le Ren lebt heute in Montreal. Aber wenn sie die Welt beschreibt, in der sie aufgewachsen ist, meint man einen Grund gefunden zu haben für den zeitlosen Zauber ihrer Musik: Bowen Island ist eine winzige Insel im Pazifik, gegenüber von Vancouver, an der Westküste Kanadas. Das größte Event dort ist der Wochenmarkt, immer samstags. Ansonsten: nur Natur, Bäume, viel Grün, das Meer. Magisch nennt sie den Ort. Ganz anders als Montreal, wie Le Ren erzählt: „Alle paar Wochen bekomme ich also entweder ein Video oder einen Text: Wal gesichtet! Und ich schau dann bei mir in Montreal aus dem Fenster auf eine Ziegelwand und denke mir so: ok, das ist meine Realität.“

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Le Ren - I Already Love You (Official Video) | Bild: LeRenVEVO (via YouTube)

Le Ren - I Already Love You (Official Video)

"Wo Frauen Räume einnehmen, aus denen sie ausgeschlossen waren"

Im Song „I Already Love You” geht es um das Kind, das Le Ren vielleicht irgendwann mal haben wird. Im Musikvideo steht sie mit ihrer Mutter vor der Kamera – Typ: Joni Mitchell, mit langen weiß-blonden Haaren. Über dem Ganzen: ein Retrofilter. Es ist wirklich irre rührend. Keine Sorge, Le Ren drückt nicht nur auf die Tränendrüse in ihren Songs. Auch wenn die Pedal Steel Gitarre zwischendrin kräftig mithilft und ihren Folk immer wieder Richtung Nashville schiebt. Le Ren erklärt das so: „Ich liebe Songs in diesem Folk und Country Genre, wo Frauen Räume einnehmen, aus denen sie traditionell ausgeschlossen waren. Solche Messages sind mir wichtig in meinem Songwriting.“

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Le Ren - May Hard Times Pass Us By (Official Video) | Bild: LeRenVEVO (via YouTube)

Le Ren - May Hard Times Pass Us By (Official Video)

Le Ren hat – ähnlich wie Laura Marling - etwas Starkes, Anmutiges in ihrer Stimme, das sie auch mit Mitte 20 schon unglaublich weise klingen lässt. Egal, ob sie wie hier im Song „Who’s Going To Hold Me Next“ über unverbindliche Liebe singt oder über das Wunder, das Freundschaften manchmal sind. Kein Kitsch, jedes Wort ist mit Bedacht gewählt. „Leftovers“ ist so ein Album, das übrig bleiben und alle musikalischen Trends überdauern wird.


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