Bayern 2 - Zündfunk

„Florist“ Von Emily Spragues Stimme würde man gern jeden Morgen geweckt werden

Mit ruhigen Folk-Songs, Americana-Touch und Synthie-Untermalung erreicht sie Millionen Streams: die vierköpfige Band Florist. Ihr viertes Album „Florist“ haben sie in Teilen im Sommer auf einer Veranda aufgenommen – was man merkt.

Author: Ralf Summer

Published at: 17-8-2022

Seit zehn Jahren schon macht die Band Florist aus New York sehr zärtlichen Indie-Folk. Ihre Songs sind ruhig, haben einen leichten Americana-Touch und sind von leisen Synthies untermalt. Nun ist ihr viertes Album „Florist“ erschienen. Vor allem in den USA ist die vierköpfige Band längst kein Insider-Tipp mehr, ihre Streams erreichen Millionen – was vor allem am intimen Gesang ihrer Sängerin Emily Sprague liegt.

Schon beim ersten Refrain der neuen Platte „Florist“ wird klar: Von dieser Stimme würde man gern geweckt werden. Darin formuliert sie eine flehentliche Bitte: „Ich kann dich noch immer singen hören, lass den Morgen kommen, sing mir ein Lied, bitte, sing mir ein Lied.“ Der Song „Bird Pt. 2 (Morning)“ ist frisch wie der erste Tau am Tage, handelt aber von der komplexen Dualität der Dinge, wie Emily Sprague, Kopf von Florist, in einem Interview gesagt hat. Das Stück fließt dann noch weiter und geht in eine Art Natur-Instrumental über – mit einem Geräusch, das in den heutigen dürren Zeiten leider selten für unsere Ohren geworden ist: Regen.                   

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Florist - Red Bird Pt. 2 (Morning) (Official Video) | Bild: Florist (via YouTube)

Florist - Red Bird Pt. 2 (Morning) (Official Video)

Für Musikvideo zu „Spring In Hours“ haben Fans Clips geschickt

Leiser Landregen, dazu etwas Akustik-Gezupfe, die Welt ist noch nicht erwacht. Das kurze Field-Recordings-Stück „Duet For Guitar And Rain“ bildet eine herrliche Brücke zum nächsten Lied auf dem Album „Florist“, bei dem uns die Stimme von Emily Sprague wieder die Hand reicht und mit in den Tag nimmt: „Spring In Hours“ hat diese für sie typische vornehme Zurückhaltung. Und erzählt die Geschichte eines geliebten Menschen, der aus der Mitte einer Blume kommt, wie sie singt. Aus einer Blume, „die wie der Frühling in unseren Armen ist.“ 

Für den Clip zum Stück „Spring In Hours“ haben Fans der Band Filmchen geschickt, die Kreisläufe, Jahreszeiten und Freundschaften zeigen. Es kamen viele Natur- und Tieraufnahmen, Emily singt dazu, dass sie „irgendwo zwischen dem Nahen und dem Fernen des Schmetterlingsflügels“ verweilt. An anderer Stelle haucht sie, „du bist die Feder, das Geheimnis meiner Träume.“         

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Florist - Spring in Hours (Official Music Video) | Bild: Florist (via YouTube)

Florist - Spring in Hours (Official Music Video)

Mr. Spock lässt grüßen

Planeten und Asteroiden ziehen vorbei – und dann entdecken wir eine Band im Weltraum: Im Video zum Song „Sci-Fi Silence“ spielen Florist in spaceigen Kostümen, mit silberner Gesichtsfarbe und mit aufgesteckten Mr.-Spock-Ohren. Emily Sprague nimmt uns mit ihrer Band mit auf eine kosmische Reise. Auch, wenn das Thema des Songs recht irdisch ist: Sehnsucht. Aber wie schön und dezent sie das formulieren kann: „Du bist nicht das, was ich habe, sondern das, was ich liebe.“

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Florist - "Sci-fi Silence" (Official Music Video) | Bild: Florist (via YouTube)

Florist - "Sci-fi Silence" (Official Music Video)

Emily Sprague macht entwaffnend poetischen Tagtraum-Sound

Emily Sprague, die erst so richtig mit dem Musikmachen begonnen hat, nachdem sie wegen eines schlimmen Fahrradunfalls lange im Bett bleiben musste, ist eine außergewöhnliche Figur mit einer außergewöhnlichen Stimme – die sie aber nicht immer einsetzt: Unter ihrem bürgerlichen Namen Emily A. Sprague veröffentlicht sie instrumentale Ambient-Platten. Aber als Teil der Band Florist machen sie und die drei Jungs Jonnie Baker, Rick Spataro und Felix Walworth eine entwaffnend poetische Art von Tagtraum-Sound.

Emily Sprague sagt, Florist seien ihre besten Freunde, deshalb sei die Musik so, wie sie ist. Man wird fast neidisch auf eine so innige, eingeschworene Gemeinschaft, die zu einer Band geronnen ist. Ach, könnten wir doch alle Blumen sein – und uns von Emily Sprague zu einem Wildblumen-Strauß binden lassen! Einer, der nie verblüht.