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Album der Woche: "Serf's Up" Eine psychedelische Zeitreise mit "Serf's Up" von der Fat White Family

Die Fat White Family erinnert uns, wie schlau, fordernd und tanzbar sie sein kann. Ihr drittes Album "Serfs Up" ist ein fettes Statement einer fast tot geglaubten Band, die noch lange nicht damit fertig ist, sich an dieser seltsamen Welt abzuarbeiten.

Von: Florian Fricke

Stand: 23.04.2019

So wie es Lias Soudi schildert, war es ein existentieller Kampf bis "Feet" so klang, wie es jetzt klingt. "Feet" ist die erste Single aus "Serfs Up", dem dritten Album der Fat White Family. "Erst war es ein zwölfminütiger Jam in Richtung Ketamin-Techno", sagt Sänger Lias Saoudi. "Wir kamen um sechs Uhr morgens nach Hause, spielten es in voller Lautstärke und dachten nur, was ist denn das? Und dann nahm der Song noch einige weitere stilistische Kehrtwendungen, die Gitarren rückten wieder in den Vordergrund – aber am Ende flog alles raus. Ich wollte mich noch nie wegen eines Songs umbringen."

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Fat White Family - Feet (Official Video) (Explicit) | Bild: Fat White Family (via YouTube)

Fat White Family - Feet (Official Video) (Explicit)

Im Video zum fertigen Stück sieht man sieht man Lias Saoudi nackt durch vom Krieg zerstörte Landschaften ziehen - gegengeschnitten mit homoerotischen Szenen, die direkt aus Jean Genets Roman "Querelle" stammen könnten. Lias Saoudi sieht sich hier also in der provozierenden Tradition Genets als gesellschaftlicher Underdog. "Feet" verarbeitet die Jugend der Saoudi-Brüder in Nordirland. Als Söhne eines algerischen Vaters litten sie unter offenem Rassismus.

Die Fat White Family ist noch nicht fertig mit der Welt

Mit "Serfs Up" erinnert uns die Fat White Family daran, wie schlau, fordernd und dennoch tanzbar die Musik einer dieser Lad-Bands sein kann. Nicht umsonst docken sie in Sheffield an das Erbe von Jarvis Cocker und The Pulp an, denen eine ähnlich kongeniale Verbindung von beißender Sozialkritik und Pop gelungen war. Lyrisch ist das Album eine echte Herausforderung. Lias Saoudi sieht sich als Dichter, und das zurecht.

Musikalisch begibt sich die Family auf eine psychedelisch angehauchte Zeitreise: die Beach Boys in ihrer verspultesten Phase schimmern mal durch, Glam Rock wie von T Rex, Sheffielder New Wave à la The Human League und bombastischer 80s Synth-Pop. Ein fettes Statement einer fast tot geglaubten Band, die noch lange nicht damit fertig ist, sich an dieser seltsamen Welt abzuarbeiten.


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