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Album der Woche: "Horizon" Du magst Afrofuturismus und Post Punk - Trash Kit sind genau dein Ding!

Trash Kit, das Trio um Rachel Aggs, sind Größen in der Londoner Musikszene. Schließlich spielen die drei seit über zehn Jahren in ganz unterschiedlichen Bands. Jetzt veröffentlichen sie "Horizon", ihre dritte LP - mit einer unvergleichlichen Mischung aus post-punk und afrikanischen Rhythmen.

Von: Sabine Gietzelt

Stand: 23.07.2019

Rachel Aggs hat eine Vorliebe für Gitarrenmusik aus Zimbabwe und ein Faible für Improvisation, das hört man sofort. Manche denken vielleicht, sowas kennen wir doch von Vampire Weekend, aber tatsächlich gibt es Trash Kit schon seit 2008 und Frontfrau und Hauptsongwriterin Rachel Aggs hat nebenbei schon in vielen anderen Bands gespielt und tut es immer noch.

Rachel Aggs ist ein perfektes Rolemodel für alle, die bislang keines hatten

Rachel Aggs ist nicht nur als Musikerin aktiv. Sie kennt sich gut aus mit African Studies, interessiert sich für Afrofuturismus und Science Fiction generell. Eine ihre Lieblingsautorinnen ist die schwarze, feministische Science Fiction-Schreiberin Octavia E. Butler. Damit gibt Rachel Aggs derzeit als queer and black, wie sie sagt, ein perfektes Rolemodel für viele ab, die bislang keines hatten. Auch die in London momentan boomende, musikalisch vom Afrofuturismus beeinflusste Jazzszene um Kamasi Washington und The Comet Is Coming sind plötzlich an Trash Kit interessiert. Shabaka Hutchings, der Saxofonist von The Comet Is Coming, spielt auf Horizon mehr als nur eine kleine Gastrolle. Gäste außerdem: Emma Smith und Serafina Steer, die Geige und Harfe spielen.  

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TRASH KIT - 'Horizon' [OFFICIAL VIDEO] | Bild: upsettherhythm (via YouTube)

TRASH KIT - 'Horizon' [OFFICIAL VIDEO]

Es sollte was neues passieren!

Nachdem Rachel Aggs also gut beschäftigt ist, ist es nicht verwunderlich, dass das zuvor letzte Album von Trash Kit „Confidence“ schon 2014 veröffentlicht wurde, aufgenommen mit dem damaligen Bassisten Rod Murray. Der wurde inzwischen von Gill Partington ersetzt. Mit Gill wurden komplett neue Songs geschrieben, das alte Repertoire sollte sie gar nicht erst lernen, es sollte was neues passieren! Und da  Rachel Aggs in Glasgow lebt, Schlagzeugerin und Sängerin Rachel Horwood in London und Gill Partington in Cambridge ist alles nicht so einfach. Im allgemein gültigen Plattenfirmen-Zirkus funktioniert diese Band sowieso nicht. Sie sind zu Hause auf Upset The Rhythm, ein tolles Label, auf dem sich derzeit auch viele gute andere Bands entdecken lassen.

Die Songs sind angewachsen - von 40 Sekunden auf bis zu sieben Minuten

Bei Trash Kit spielt nicht der Gesang die wichtigste Rolle, unter den elf Stücken verstecken sich auch ein paar Instrumentals, ein Saxophon bekommt ein Beinahe-Solo zugesprochen, später ist es dann erstaunlich ruhig auf "Horizon". Es ist erst das dritte Album von Trash Kit und im Vergleich zu früher haben die Songs der Band mehr Struktur, sind angewachsen von 40 Sekunden auf bis zu sieben Minuten.

Die Liste an Bands, in denen die Musikerinnen von Trash Kit schon gespielt haben, reichen von weniger Bekannten wie den Golden Girls oder Shopping bis zu den Sacred Paws. Bei anderen Bands ist Rachel Aggs nicht immer nur Sängerin, oft spielt sie nur Gitarre. Und bei Trash Kit singen beide Rachels und schreiben beide, die - wenn auch sparsamen – Texte.  

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Disco | Bild: Trash Kit - Topic (via YouTube)

Disco

Geige, Saxophon, Harfe und ein Daumenklavier aus Zimbabwe

Natürlich werden Trash Kit auch mit den Slits verglichen, vermutlich aus Mangel an anderen Vorreiterbands dieser Art. Dabei ist der Sound von Trash Kit ziemlich eigen, mit Geige, Saxophon, Harfe, einem Daumenklavier aus Zimbabwe, afrikanischen Rhythmen und Gesangsstrukturen - und das alles in einer Band, die sich mehr dem Punk verpflichtet fühlt, als allem Anderen.

Das Musikgenres in der Lage sind, Musik aus anderen Szenen problemlos zu übernehmen, zu integrieren und daraus etwas Neues zu machen, ist ja nun wirklich nichts Neues. Aber in einem Kontext wie hier, haben wir es nicht nur bei Vampire Weekend, sondern auch bei The Clash und anderen frühen Musikhelden der Siebziger und Achtziger Jahre gemerkt, als Ska und Reggae den Sound des Underground zunächst infiltrierten und dann groß machten. Also, Achtung, hier passiert wieder was! 


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