Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: "Knock Knock" DJ Koze klopft, alle kommen – nur euch verbietet er den Shuffle-Modus

DJ Koze ist nach fünf Jahren Pause zurück. Für sein viertes Studioalbum "Knock Knock" hat sich der Hamburger mit Kurt Wagner von Lambchop, José González und Co. viel Prominenz zusammengeklopft. Die Songs sind so pointiert wie noch nie – und seinen Hörern verbietet Koze den Shuffle-Modus.

Von: Florian Fricke

Stand: 07.05.2018

Stefan Kozalla alias DJ Koze oder einfach nur Cozy ist nicht nur einer der meistbeschäftigten und bestbezahlten DJs und Produzenten in diesem Land. Er ist garantiert auch einer der beliebtesten. Seinen anarchischen nordischen Humor hat er nie abgelegt, das Bild vom ewigen Lausbuben muss er gar nicht künstlich kultivieren. Und neben dem Humor sind da diese einnehmende menschliche Wärme und die Neugier, die sich auch in seiner Musik niederschlagen.

Den Gartenzaun, der die Genres trennt, hält er für zu strikt. Deshalb will er ihn durchlöchern. Und dabei, so sagt er, "auch versuchen, unmögliche Kombinationen zu erschaffen, die dann aber organisch und völlig logisch erscheinen." Das sei schon immer sein Steckenpferd gewesen: "Irgendwas zusammenzudenken, von dem ich glaube, dass es auch zusammen gehören kann."

Die neuen Songs von DJ Koze sind so kurz und pointiert wie noch nie

Das tut er auch auf seinem neuen Album "Knock Knock". Koze klopft an und schaut, wer aufmacht. Hoffentlich ein freigeistiger Hörer, der sich auf diesen Trip einlassen will. Das Album ist in an seinen beiden Wohnsitzen in Hamburg und in Spanien entstanden: "Ich klopf die Musik dann im jeweiligen Terrain ab nach Wahrhaftigkeit. Manchmal gibt es irgendwelche Anfänge, die ich in Hamburg mache und ich nehm sie mit nach Spanien und merke, hier fühl ich das nicht, und umgekehrt ist es genauso." Wenn ihm ein Song in Hamburg ebenso wie in der Ländlichkeit Spaniens gefällt, dann nimmt Koze das als Zeichen: "Das könnte was sein."

Fünf Jahre hat er sich für das Album Zeit gelassen. Aber es dauert nicht lange, bis man sich wieder zuhause fühlt in Kozes Klanguniversum. Vieles ist mittlerweile vertraut: das schleppende Tempo, die fast schon besessene Detailverliebtheit, die organischen Klänge, die hoch gepitchten Stimmen... Er selbst findet, seine Songs kommen diesmal schneller auf den Punkt: "Es ist nicht so viel Wasteland in diesen Liedern, sondern sie sind dann auch schon vorbei." Tatsache: Von den 16 Tracks überspringen die allermeisten nicht die Fünf-Minuten-Marke.

Prominente Gäste von José González bis Lambchop

Und natürlich hat er sich wieder zahlreiche Gäste aufs Album geholt: José González, Sophia Kennedy und alte Helden wie Speech von Arrested Developement, Kurt Wagner von Lambchop oder Roisin Murphy. Koze erfüllt sich so auch Träume. Kein Stück, darauf legt er wert, klingt so, als ob seine Gäste es auch auf ihren eigenen Platten veröffentlichen könnten. "Und trotzdem merkt man auch, dass ich denen nicht meinen Style übergestülpt habe – 'jetzt mach hier mal!'. Das ist ein Stück wie Tango tanzen."

Viel Zeit verbrachte DJ Koze damit, die richtige Reihenfolge für die Stücke festzulegen. Denn "Knock Knock" sollte man in einem Rutsch hören, findet er.

"Es ist jetzt sozusagen wie eine Silvesterrakete, die hochgeht und erst mal durchknallt, auch ein bisschen aufrüttelt."

DJ Koze

Und dann falle der ganze Sternenstaub herunter, so DJ Koze, man könne ihn beobachten und ein bisschen runterkommen mit der Platte. Ein großer Geschichtenerzähler war er als DJ schon immer. "Knock Knock" ist ein herzerwärmendes und genreübergreifendes Elektronik-Album eines genialen House-Produzenten, das mit der Tanzfläche aber nur bedingt zu tun hat – eher mit einem Sofa im Kornfeld in der Abendsonne.

Eine Chronologie der 25 Schaffensjahre von DJ Koze gibt's am Freitag, 11. Mai 2018, im Nachtmix ab 23.05 Uhr mit Ralf Summer. Eine Stunde, von den Anfängen mit Fischmob über International Pony bis zum neuen Album.


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