Bayern 2 - Zündfunk


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"Second Line: An Electro Revival" Wie die R'n'B-Künstlerin Dawn Richard New Orleans in die Zukunft beamt

New Orleans: Mardi Gras und Marching Bands. Doch News Orleans ist so viel mehr, sagt Dawn Richard und verpasst dem Sound ihrer Heimatstadt ein elektronisches Update als da wären: Chicago House und Detroit-Einflüsse! "Second Line: An Electro Revival" ist unser Album der Woche im Zündfunk!

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 03.05.2021

„Warst du schon mal bei einer Second Line“, fragt Dawn Richard ihre Mutter gleich am Anfang des Albums. Für alle von uns, die nicht das Glück hatten, mal bei so einem großartigen, fast lebensverändernden Spektakel dabei gewesen zu sein: Second Line, das sind die großen Umzüge in New Orleans, die Brass- und Marching Bands, die aus einer Trauerfeier in der Hood einen fröhlich tanzenden Zirkus machen: „Wir feiern den Tod anders. Natürlich trauern auch wir in der Kirche. Aber wir haben unsere Paraden. Und wir tanzen! Wenn du mitkriegst, dass in deiner Nähe grade so eine Parade stattfindet, dann machst du mit – selbst wenn du die Person gar nicht kanntest. Du feierst einfach deren Vermächtnis. Ich finde das wunderschön. Und ich fand es passend, mein Album so zu nennen: Second Line“, erklärt Dawn Richard im Zündfunk-Interview.

New Orleans-Update

New Orleans verbinden die meisten immer noch vor allem mit R’n’B, Soul, Jazz und Blues. Doch New Orleans, sagt die 37-Jährige, sei so viel mehr. Richard verpasst dem Sound ihrer Heimatstadt ein elektronisches Update. Indem sie – wie man es aus der kreolischen Kultur kennt – die unterschiedlichsten Stile vermischt zu einer Art R’n’B-Elektro-Gumbo. Ein großer, brodelnder Südstaaten-Sound-Eintopf. Zum Beispiel der Song „Bussifame“ [gesprochen „Bassi-Fammi“], erklärt Dawn Richard: „Das ist eben nicht der Second Line Sound mit Blasinstrumenten. Die Kadenzen und der Rhythmus sind zwar wie bei einer Second Line. Aber ich wollte hier auch noch Chicago House und Detroit-Einflüsse einbauen. Du meinst vielleicht, New Orleans rauszuhören, aber du kriegst es in einer völlig anderen Verpackung. Ich will New Orleans in die Zukunft bringen.“

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Dawn Richard - Bussifame | Bild: Dawn Richard (via YouTube)

Dawn Richard - Bussifame

Zeig mal, wie du tanzt

"Bussifame", der Songtitel ist schnell gesprochener New-Orleans-Slang. „Bust if for me“ heißt es eigentlich und bedeutet so viel wie „Zeig mal, wie du tanzt“. Neben Chicago House und Footwork-Einflüssen darf auf dem Album natürlich auch Bounce nicht fehlen. Ein Hip-Hop-Stil, der in den späten 80ern in New Orleans entstanden ist und für den heute eine Künstlerin wie Big Freedia steht, die das bassige Beatgeballer auf die Spitze treibt. Dawn Richards Version von Bounce klingt komplett anders. Sie dreht das Tempo voll runter und nimmt die Wucht raus. „Pilot“ wird zum großartigen Slow-Bouncer. Man denkt sich nur: Verdammt, warum ist das Stück nur eine Minute kurz? Dawn Richards Antwort darauf ist natürlich unschlagbar: “Meine Interludes sind besser als alle deine EPs“ rappt sie an einer Stelle.

Mehr Diversity in der elektronischen Musik

„Second Line" ist bereits das sechste Soloalbum von Dawn Richard

„Second Line" ist schon das sechste Soloalbum von Dawn Richard. In den Nullerjahren war sie ein Teil von Danity Kane, einer von P. Diddy zusammen gecasteten R’n’B-Girlgroup. Sie war Chart-Erfolge gewöhnt – aber auch die Zwänge und den gnadenlosen Sexismus der Mainstream-Industrie. Seit gut zehn Jahren ist sie jetzt solo unterwegs. Die Majorlabels haben sich nicht mehr für sie interessiert. Dafür aber jetzt ein Indielabel, das normalerweise für Gitarrenmusik bekannt ist: Merge Records unterstützt ihre Vision und ihren Kampf. „Schwarze Menschen werden viel zu wenig gefeiert in der elektronischen Musik. Vor allem Frauen. Genau das will ich zeigen: Dass eine Frau eine Produzentin sein kann und ein Album machen kann, das verwurzelt ist in Tradition und Soul, aber wunderschön in die elektronische Welt passt“, so Richard.


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