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Album der Woche: "Bitteschön, Philophon!" Das Label Philophon bringt Musik aus Ghana nach Europa - und zurück

Seitdem er das Label Philophon gegründet hat, hat der Münchner Musiker und Produzent Max Weissenfeldt mit zahlreichen Künstlern zusammengearbeitet - viele davon aus Ghana. Der Sampler "Bitteschön, Philophon!" präsentiert nun die besten Titel.

Von: Florian Fricke

Stand: 17.12.2018

Max Weissenfeldts Label Philophon hat seine Heimat unter dem Dachstuhl eines riesigen Industriekomplexes in Berlin-Kreuzberg. Bis Kriegsende betrieb hier die Carl Lindström AG unter dem Namen Parlophon eins der größten Schallplatten-Presswerke Europas - hier wurde die B-Seite erfunden. Philophon, aus Liebe zum Klang, wie der Name schon sagt, bezieht sich also in jeder Beziehung auf unsere pop-musikalischen Wurzeln.

Highlife in Westafrika

Der Schwerpunkt seines Labels liegt im Highlife-Stil aus Westafrika. Aber das ist dem Zufall geschuldet. "Ich bin ursprünglich dort runter, um die polyrhythmische Trommelkultur kennenzulernen", sagt Max Weissenfeldt, der selber Schlagzeuger ist. "Und dann hat sich peu a peu das Land für mich erschlossen, ich habe Kontakte aufgebaut und Musiker kennengelernt."

Statt zu Trommeln nimmt Max Weissenfeldt in Ghana immer mehr Gesangspuren auf. Und in seinem Berliner Blütenring-Studio baut er daraus Tracks. Manchmal macht er es auch genau andersrum: Er bringt fertige Backing Tracks mit nach Ghana und lässt die Künstler darauf singen.

Die zehn besten Titel

Seit 2012 wurden so 15 Singles produziert - jeweils in einer Liebhaber-Auflage von 1000 Stück. Darunter auch der ein oder andere geheime Hit: "Estre" von Guy One entwickelt sich in Frankreich sogar zu einem Liebling auf der Weltmusik-Welle "Radio Nova", während der Künstler in Ghana ein Star ist - er ist der Meister der Kologo, dem zweisaitigen Ur-Banjo. Der Track ist einer der zehn, die Max Weissenfeldt für den ersten Label-Sampler "Bitteschön, Philophon!" zusammengestellt hat.

Sehr souverän klingt das Album, wenn zum Beispiel Alemayehu Eshete, auch der äthiopische Elvis genannt, über ein Downtempo-Arrangement von Max Weissenfeldt singt – als ob eine Band einen alten Schwarzweiß-Film in einem Kino in Addis-Abeba live neu vertonen würde. Aber der Gesang irrwitzigerweise aus dem Film kommt. Solche Momente hat es öfter auf dem Album, es ist sehr schön, wie Zeiten und geographische Grenzen verschwimmen. Auf "Bitteschön, Philophon!" wird der rhythmische Reichtum und die Lebensfreude der afrikanischen Musik zelebriert, ganz unangestrengt und unaufgeregt. Max Weissenfeldt ist in dieser Musik aufgegangen, eine bessere Voraussetzung kann ein Produzent kaum mitbringen.

Der bekannteste Name auf "Bitteschön, Philophon!" ist Jimi Tenor, der musikalische Tausendsassa aus Finnland, auch er hat ein Faible für afrikanische Musik. "Für mich war er immer der in näherer Nachbarschaft, sprich Europa, mit dem ich am meisten Gemeinsamkeiten verspürt habe", sagt Weissenfeldt. Mittlerweile ist ein ganzes Album mit Jimi Tenor entstanden, demnächst wird ein zweites in Angriff genommen. So wächst sie stetig, die Philophon-Familie.

Die Zukunft für Philophon

Und wie es mit dem Label weitergeht? "Ich glaube, das Label wird einfach dem folgen, mit dem ich mich gerade beschäftige", vermutet Max Weissenfeldt. "Ich merke, das Kapitel Ghana schließt sich so langsam. Jetzt habe ich mit Guy One und Alogte Oho meine Kooperationspartner gefunden, das wird also immer noch weitergehen. Der Unterschied ist, dass ich nicht mehr runterfahre, sondern die hierher kommen, weil wir Konzerte spielen."


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