Bayern 2 - Zündfunk

"Moon Safari" wird 25 Wie uns Air eine DER Platten der 90er lieferten

Vor 25 Jahren erschien das Debüt von Air. „Moon Safari“ wurde zu einer der Platten der 90er. Wir holen unser erstes Interview mit dem Duo aus dem Archiv - und staunen über die Geheimnisse über Versailles.

Author: Ralf Summer

Published at: 16-1-2023

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Air - Kelly Watch The Stars | Bild: warnermigration (via YouTube)

Air - Kelly Watch The Stars

„Kelly Watch The Stars“ – ein Stück über Kelly Garrett – so hieß die Detektivin, die Jaclyn Smith in der Serie „Drei Engel Für Charlie“ spielte. Und in die die beiden Musiker von Air als kleine Jungs verliebt waren. Wenn du jung bist, sagten sie uns vor einem Vierteljahrhundert im Zündfunk-Interview, willst du laute, lärmige Gitarren-Musik. Ab einem gewissen Alter, so Nicolas Godin, wirkt elektronische Musik reifer, da hat man "seinen Rhythmus schon gefunden".

„All I Need“ – eines von zwei Stücken auf „Moon Safari" , die die Amerikanerin Beth Hirsch singt. Air hatten sie über einen Freund kennengelernt. Auch beim Artwork und den Videoclips zum Album hatten sie ein gutes Händchen: Mike Mills – Ehemann von Miranda July – inzwischen als Regisseur vom Film „Jahrhundertfrauen“ Oscar-prämiert.

"Wir machten ziemlich aggressiven Sound – Alex Gopher und ich nannten uns Air Force. Später dann, als mir die Härte nicht mehr gefallen hat und ich reifer war, ließ ich 'Force' einfach weg. 'Air' passt zum neuen Sound auch viel besser."

Nicolas Godin

Im ersten Zündfunk-Interview erzählen uns die beiden, wie alles begann: “Unsere erste Band hieß Orange - sowas wie Bowie-beeinflusster Pop. Der Sound war sehr krachig, wir haben nur Kassetten aufgenommen. Aber wir sangen Englisch. Kein Label würde eine französische Band unter Vertrag nehmen, die Englisch singt. Das ist Engländern und Amerikanern vorbehalten.

Lustig war´s aber schon: Alex Gopher – einer der großen, französischen Produzenten von Heute - war damals in unserer Band. Er war der Bassist. Wir hatten damals Tape-Decks – und alles was herauskam, waren so Wind-Geräusche. Alex war unser bester Musiker. Etienne De Crecy, der Mann hinter der Superdiscount-Compilation, war auf unserer Schule. Man kann sagen: 70 Prozent der sogenannten französischen Dance-Szene kommen aus Versailles."

Wo sind die Bäder in Versailles?

Als sie Air gründen, studieren die Beiden noch: Jean-Benoit will Mathe-Lehrer und Nicolas Architekt werden. In Paris. Sie kommen aber von außerhalb, aus Versailles, dem Vorort mit dem berühmten Schloß beziehungsweise Königssitz. Und sie erzählten viel über ihre Heimat: "Wir haben uns immer gefragt: wo sind die Toiletten im Palast? Wieso hat Louis XIV keine Bäder, um sich zu waschen? Alle Franzosen haben sich das schon mal gefragt: Wie hat das unser französische König mit dem Pissen gemacht? Wir haben dann zu unserer Mama gesagt: Ich brauche mich auch nicht zu waschen, Ludwig XIV hat es auch nicht gemacht!"

Aber Versailles verführte die beiden Musiker zu allerlei Schabernack: "Viele Kids kommen aus Paris nach Versailles, um Abenteuer zu erleben. Entweder Fehlalarm auslösen oder anderes Verbotenes tun: Schule schwänzen und erste sexuelle Erfahrungen im Park sammeln, die Lustschlösschen im Park aufbrechen und mit einem Mädchen reingehen. Oder mit Jungs. Aber dann saufen und was rauchen. Wenn der König wissen würde, was wir 200 Jahre später in seinen Lustschlösschen gemacht haben, würde er verrückt werden und uns alle umbringen!"

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AIR - Sexy Boy (Official Video) | Bild: AIRfrenchbandofficial (via YouTube)

AIR - Sexy Boy (Official Video)

„Sexy Boy“ war der Hit aus „Moon Safari“ – das Electro-Lied mit der Vocoder-Stimme. Im Interview sagten Air, dass sonst Vocoder-Vocals immer zu sehr nach Robotern klängen. Sie wollten ihre künstliche Stimme lieb und freundlich sowie sexy haben.

Am Ende unseres Treffens sprachen wir noch über die Zukunft – was sich auch im Albumtitel "Moon Safari" zeigte. Jean-Benoit meinte damals, dass die Menschheit bald in den Weltraum umsiedeln wird: "Ich glaube, wir müssen in der Zukunft von der Erde fliehen und können nicht mehr zurückkommen. Eines Tages wird sich der Mensch große Raumschiffe bauen müssen – mit Ökosystemen an Bord. Und damit müssen wir dann reisen und einen neuen Planeten suchen.“ Ich fragte sie, was wichtiger wäre, Greenpeace zu unterstützen oder die NASA? Nicolas Antwort: die grüne NASA.