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Album der Woche: "Eve" Rapperin Rapsody zollt schwarzen Frauen Tribut – und kommt damit Lauryn Hill nahe wie keine Zweite

Von Maya Angelou über Oprah Winfrey bis zu Aaliyah: Rapsodys neues Album "Eve" ist eine Liebeserklärung an schwarze Frauen - und die Geschichte ihrer eigenen Selbstermächtigung in der amerikanischen Musikindustrie.

Von: Alba Wilczek

Stand: 02.09.2019

Rapsody auf der Bühne | Bild: picture-alliance/dpa

"Blood on the leaves." Blut auf den Blättern. "Eve", die neue Platte von Rapperin Rapsody beginnt düster. Das Sample im Track "Nina" stammt aus dem Song "Strange Fruit". Ein Gedicht von Poet Abel Meerobol aus dem Jahr 1937. In musikalischer Form wurde es zum Symbol für den amerikanischen Rassismus gegenüber People of Color. Und zur Hymne der Unterdrückten. Viele Künstler haben das Lied interpretiert. Auch Ikonen wie Billie Holiday und Nina Simone. Rapsody wählt den Song bewusst. Denn "Eve" ist ein Konzeptalbum. Ein Tribut. Eine Liebeserklärung. "Eve" besingt die immer noch am wenigsten respektierte Person in den USA: Die afro-amerikanische Frau.

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Rapsody - Nina | Bild: RapsodyVEVO (via YouTube)

Rapsody - Nina

Rapsody reiht sich ein. Hinter Beyonce, hinter Noname, hinter Jamila Woods. Schwarze Künstlerinnen, die durch ihre Musik für das Vermächtnis der "Black Women" kämpfen. So wie auf Jamilas letzter Platte trägt jeder der 16 Songs auf "Eve" Vornamen von Rapsody verehrter Frauen. Maya Angelou. Oprah Winfrey. Oder auch "Aaliyah". Ein Track inspiriert von eben jener RnB-Queen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere 2001 viel zu früh verstarb.

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Rapsody - Aaliyah (Official Audio) | Bild: Rapsody (via YouTube)

Rapsody - Aaliyah (Official Audio)

Lyrischer Rap mit Aussage

Rapsody ist eine Poetin. Musik ohne Aussage ist nichts für die Künstlerin aus North Carolina. Einfach Songs über die Frauen zu schreiben, wäre langweilig. Auf "Eve" benutzt sie deren oft beeindruckende Stories eher als Inspiration, als Hintergrund, um ihren eigenen Kampf als schwarze Frau in Amerika und in der Musikindustrie zu erzählen. Der Bezug zur Inspirationsquelle ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, aber definitiv immer da. Und immer liebevoll. In Samples, Beats und in einem Haufen gewitzter, lyrischer Referenzen. Mal eher metaphorisch und dann wieder ganz wortwörtlich. Wie zum Beispiel im Song "Whoopi".

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Whoopi | Bild: Rapsody - Topic (via YouTube)

Whoopi

"They gon make a sister Act up." Eine Anspielung auf die berühmteste Rolle von Whoopi Goldberg: "Sister Act", inklusive funky Sample von Jazz-Legende Herbie Hancock. Auf ihrem dritten Studioalbum zeigt Rapsody beeindruckend, was genau ihr vor zwei Jahren die Grammy-Nominierung für das Beste Rap-Album des Jahres eingebracht hat. Und sie ist bei Jay-Zs RocNation unter Vertrag. Trotzdem blieb Rapsody bisher eher unter dem Radar. Mit "Eve" dürfte damit jetzt Schluss sein.

Prädikat: Sehr gut. Rapsody ist endlich voll bei sich selbst angekommen. Hat sie vorher oft mit einer Art von Pokerface gerappt, wirkt sie nun lockerer, entspannter. Aber trotzdem on Top of her Game.

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Hatshepsut | Bild: Rapsody - Topic (via YouTube)

Hatshepsut

Für die Beats wie hier bei "Hatshepsut" ist auch bei "Eve" wieder größtenteils ihr langjähriger Mentor und Producer-Freund 9th Wonder verantwortlich. Auch er, der erfahrene Beatmaker, hat sich positiv weiterentwickelt und zeigt neue Facetten. Kunstvoll verwandelt er sperrige Samples von Phil Collins oder Björk in unnervige, flowy Beats. Und Rapsody liefert voll ab, teilt den Spotlight oft schwesterlich. Mit jeder Menge Features von Newcomerinnen wie Leikeli47 oder Legenden wie Queen Latifah. Letztere legt los als wäre sie nie weg gewesen.

Durch The Fugees kam Rapsody zum Rap

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Rapsody - Ibtihaj ft. D'Angelo, GZA | Bild: RapsodyVEVO (via YouTube)

Rapsody - Ibtihaj ft. D'Angelo, GZA

Der Grund, warum Rapsody überhaupt erst zum Rap kam, war laut einem Interview die Platte "The Score" von den Fugees. Nachvollziehbar. Der Grund, warum junge Künstlerinnen in Zukunft vielleicht Bock haben zu rappen, könnte Rapsody sein. Denn: Niemand kam Lauryn Hill je so nah.


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