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Proteste in Texas Wie Hollywood gegen das umstrittene Abtreibungsgesetz kämpft

Am Wochenende haben in den USA Zehntausende gegen das strenge Abtreibungsgesetz in Texas protestiert. Billie Eilish kritisierte das neue Gesetz auf einem Konzert in Texas. Und auch Hollywood positioniert sich.

Von: Katharina Wilhelm

Stand: 04.10.2021

ARCHIV - 18.05.2017, Frankreich, Cannes: Das Jurymitglied Uma Thurman nimmt am Photocall der Jury der Sektion Un Certain Regard auf dem 70. Filmfestival in Cannes teil.    (zu dpa "Uma Thurman hatte als Teenager eine Abtreibung: «Mein Herz war gebrochen»") Foto: Alastair Grant/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Alastair Grant

„Mein Körper, meine Entscheidung!“ – das rief am Wochenende nicht nur Billie Eilish auf ihrem Konzert in Texas. Zehntausende gingen in den USA auf die Straße, um gegen das restriktive Abtreibungsgesetz zu protestieren, das seit Anfang September in Texas in Kraft ist. Es verbietet Abtreibungen ab dem Zeitpunkt, ab dem ein Herzschlag messbar ist. Meist ist es schon in der sechsten Woche soweit, also dann, wenn viele Frauen und Mädchen nicht einmal wissen, dass sie schwanger sind.  

Auch in Hollywood ist der Protest gegen das umstrittene Gesetz angekommen. Schauspieler Michael Rapaport, bekannt unter anderem aus der Serie „Prison Break“, schwingt die ganz große Keule beim Thema Abtreibungsrecht in Texas: „Texas we have a problem – you guys are on some Taliban shit“, sagt er auf der Social-Media-Plattform TikTok.

Er vergleicht die Regierung in Texas also mit dem Regime der Taliban. Auch wirft er den Texanerinnen und Texanern vor, scheinheilig zu sein, dabei ist sein Vokabular alles andere als familienfreundlich:

"Geht es euch Texas-Leuten bei den Impfungen nicht immer um ‘Mein Körper – meine Wahl’? Ihr könnt nicht die Impfungen weglassen und den Frauen ihre Rechte nehmen! Wer zahlt für diese ungewollten Kinder? Typen? Das wird teuer für die biertrinkenden, Kneipen-Typen in Texas!"

Schauspieler Michael Rapaport

Viele Prominente kritisieren das Gesetz

Viele Prominente aus dem Showbusiness haben sich gegen das scharfe Abtreibungsrecht in Texas positioniert. Schauspielerin und Moderatorin Whoopie Goldberg kritisiert, dass es keine Ausnahmen gibt, auch nicht bei Vergewaltigungen oder Inzest, das sei eine Bestrafung.

Die Dystopie "The Handmaid's Tale"

Schauspielerin Rosie O'Donnell sagte, Texas drohe zu einer echten Version der dystopischen Serie „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ zu werden. In der Show, die auf einem Roman von Margaret Atwood basiert, werden die wenigen fruchtbaren Frauen wie Gebärmaschinen behandelt und von einem männergelenkten Staatsapparat versklavt.

Die als „Ugly Betty“ bekannte Schauspielerin America Ferrera ist eine Verfechterin von Frauenrechten. Sie findet, dass mit dem Gesetz vor allem Schwarze und Latino-Frauen benachteiligt werden:

"Lasst uns sagen, was das heißt: Beim Zugang zu Abtreibungen geht es um Armut aufgrund von Hautfarbe! Wenn du reich und weiß bist, hast du andere Möglichkeiten. Wir bestrafen so Schwarze und Braune Frauen, das nennt sich finanzielle Unterdrückung. Eine systematische Unterdrückung, die nicht-weiße Frauen dort platziert, wo man sie gerne hat: arm und ohne Optionen!"

Schauspielerin America Ferrera

Uma Thurman erinnert sich an ihre eigene Abtreibung

Schauspielerin Uma Thurman widmet sich dem Thema auf persönliche Weise und schreibt in einem Text für die Zeitung „Washington Post“ über ihre eigene Abtreibung, die sie als Teenagerin vornehmen ließ. Dies sei eine schmerzhafte Erfahrung gewesen, aber sie war richtig, schreibt sie – und in Bezug auf Texas:

"Dieses Gesetz ist ein weiteres diskriminierendes Instrument gegenüber wirtschaftlich Benachteiligten und oft sogar gegenüber ihren Partnern. Frauen und Kinder wohlhabender Familien können alle Entscheidungen der Welt treffen und sind kaum betroffen. Ich bin auch traurig darüber, dass das Gesetz Bürger gegen Bürger ausspielt, dass benachteiligte Frauen ausgebeutet werden und man ihnen die Möglichkeit verweigert, sich gegen Kinder zu entscheiden, für die sie nicht gerüstet sind."

Schauspielerin Uma Thurman

Was das texanische Abtreibungsgesetz zudem bisher einzigartig macht, ist, dass Bürger und Bürgerinnen aufgefordert werden, medizinisches Personal und Betreiber von Abtreibungskliniken anzuzeigen, wenn diese gegen das Gesetz verstoßen. Dafür gibt es eine Belohnung von 10.000 Dollar. Kritiker fürchten, dass dies eine regelrechte Spionagekultur hervorbringen könnte.

Texas als Drehort boykottieren

Dass sich vor allem Hollywood gegen das texanische Gesetz positioniert, ist kein Wunder, denn der Bundesstaat Kalifornien gilt als besonders links-progressiv. Das genaue Gegenteil des urkonservativen Texas.

Manche Filmemacher, wie der „The-Wire“-Drehbuchautor und -Produzent David Simon drohen Texas nun mit einem Boykott. Auf Twitter schrieb Simon, dass er im kommenden Monat Drehbücher für eine HBO-Miniserie einreiche, die auf Ereignissen in Texas basiere – er könne und werde allerdings weder die Darstellerinnen noch die Crew bitten, auf bürgerliche Freiheiten zu verzichten, um dort zu drehen. Er bat um Vorschläge für andere Drehorte:

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

David Simon If an employer, this is beyond politics. I’m turning in scripts next month on an HBO non-fiction miniseries based on events in Texas, but I can’t and won’t ask female cast/crew to forgo civil liberties to film there. What else looks like Dallas/Ft. Worth? https://t.co/q6Py6XikYh

Es ist nicht das erste Mal, dass Hollywood auch mit Boykott droht, wenn es um Frauen und reproduktive Rechte geht. Als 2019 in Georgia das Abtreibungsrecht bedroht war, gab der Streamingdienst Netflix beispielsweise bekannt, dass er seine Investition in dem Bundesstaat überdenken würde. Auch Schauspielerin Kristen Wiig, bekannt unter anderem aus „Brautalarm“, verlegte die Dreharbeiten ihres Filmes „Barb and Star Go To Vista Del Mar“.

Ob sich Texas von den Drohungen aus Hollywood beeindrucken lässt? Einen großen Unterschied gibt es: Im Gegensatz zu Georgia ist Texas kein Ort, an dem besonders viel gedreht wird. Die wenigen Investitionen wird der Bundesstaat wohl verschmerzen. Und Texas ist in gewisser Weise auch stolz darauf, der Gegensatz zu Kalifornien zu sein. Der Wahlspruch des Bundesstaates heißt wohl nicht umsonst „Don’t mess with Texas – Leg dich nicht mit Texas an“.