Bayern 2 - Zündfunk


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25 Jahre Compost Records Durch das München von Michael Reinboth

Er ist eine Koryphäe der Popwelt: Michael Reinboth hat vor 25 Jahren Compost Records gegründet, eines der spannendsten deutschen Indielabels. Zum Jubiläum ziehen er und Zündfunk-Reporter Ralf Summer durch München.

Von: Ralf Summer

Stand: 16.08.2019

Ralf Summer unterwegs mit Compost Records-Gründer Michael Reinboth. Die ganze Sendung gibt es direkt über diesem Satz zum Anhören.

Mit Kraftwerk ist er per Du, Daft Punk kamen nach ihrem München-Konzert zu ihm nach Hause und sahen sich seine Plattensammlung an: Michael Reinboth ist eine international anerkannte Pop-Koryphäe. Der in München lebende Labelmacher und DJ betreibt seit nunmehr 25 Jahren Compost Records – mit bald einem Dutzend Sub-Labels für spezielle Genres.

Der Sound von Compost liegt zwischen Soul, Funk und Future Jazz – auch bei Downbeat, Deep House und Brasil wird gern angedockt. Compost gibt es seit 1993/1994, einer Zeit, die vom Vinyl- und DJ-Boom geprägt war. Danach kam Aufstieg und Fall der CD, der Zusammenbruch diverser Vinyl-Vertriebe, die Compost fast das Aus brachten - und das digitale Hören. Heute hat Reinboth Songs von Marbert Rocel oder Solomun im Repertoire, die millionenfach gestreamt wurden.

Für diese Sendung bewegen wir uns durch Reinboths München: los gez im Labelbüro am Ostbahnhof – direkt gegenüber vom neuen Riesenrad, streifen das Loft, wo Reinboth die legendäre Soulshack-Partyreihe abhielt, noch bevor er das Label gründete. Wir besuchen Jan Krause in seinem Musikstudio, mit dem Reinboth das Musikprojekt Beanfield gründete, schauen ins Muffatcafe, in dem zwölf Jahre lang die Into Something-Parties stiegen – und später bekannte DJs wie Roni Size, James Lavelle und Gilles Peterson erstmals in Süddeutschland an den Plattenspielern standen. Im Glockenbachviertel hatte er den Into Somethin´ Plattenladen (mit Florian Keller und Theo Thönnessen), im Restaurant Monaco führte Reinboth seine musikalischen Gäste wie Deee-Lite oder Kruder & Dorfmeister aus (den Laden gibt es noch), in der legendären Registratur stiegen die Compost Black Label Parties und im Bahnwärter Thiel werden demnächst Plattentaufen des Jubiläums-Labels steigen. Die Rundfahrt endet am BR-Funkhaus, in dem Reinboth mehrere Jahre seine DJ-Show bei den Kollegen von On3 (heute Puls) aufnahm. 

„Ob es eines Tages 50 Jahre Compost Records zu feiern gibt?“ Reinboth guckt ungläubig. „Lust hätte ich, aber ob dann die Gesundheit noch mitmacht? Aber stimmt schon: ich mache mir Gedanken, wem ich mal mein Label übergeben kann. Meinen Mitarbeitern und / oder meinen beiden Söhnen? Abwarten! Erstmal halte ich es wie Ralf Hütter von Kraftwerk: „ich mache ´Klangdiät´ - ich versuche weniger Musik zu hören.“


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