Bayern 2 - Zündfunk


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Ein Blick in die Pop-Glaskugel Zwölf Acts, die 2018 groß werden (könnten)

Das Pop-Jahr ist jetzt schon wieder spannend: Wer wird 2018 den Pop aufmischen? Welcher Name bleibt bis zum Ende des Jahres? Ein Blick in die Glaskugel, durch alle Genres hindurch. Zwölf Acts, die dieses Jahr groß werden (könnten).

Von: Thomas Mehringer

Stand: 12.01.2018

Jarami

Kinderstimmen im Electro-Track hatten wir seit den besten Zeiten von Justice nicht mehr: Jarami bringen sie 2018 wieder auf die Bild- bzw. Tanzfläche. Das Duo aus Schweden hat schon für Frank Ocean produziert, 2018 erwarten wir ihr Debüt. Dann könnten sie tatsächlich der Missing Link zwischen Frank Ocean und Justice werden. 

Yaeji

Kathy Yaeji Lee hat koreanische Wurzeln, sie lebt in Brooklyn und hat dort gerade die angesagtesten Beats. Ihre Themen bisher sind Identität und Depression, zu hören in einem der Vocal-House-Tracks 2017 namens „Raingurl“. Die Grenze zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt ist fließend - vor allem im Club mit Yaeji.

47Soul

„Don’t Care Where You From“ – so lange du tanzt. Als würden Hot Chip auf einem Straßenfest in Ramallah spielen: 47Soul ist eine palästinensische Supergroup, die ihren Sound „Shamstep“ nennt. Namensgeber dafür ist das Gebiet Bilad asch-Scham, eine Region, in der sich viele verschiedene Menschen unterschiedlicher Religionen, Ethnien und Sprachen das Leben friedvoll teilen.

Sudan Archives

Für DJ-Kollege Ralf Summer war die Sudan Archives-EP aus dem letzten Jahr die Platte des Jahres. Wenn dieses Jahr das Debüt-Album kommt, dürfte sein Album des Jahres 2018 schon beschlossene Sache sein. Brittney Denise Parks spielt im experimentiellen Pop die erste Geige – ein neuer Owen Pallett, nur weiblich und mit viel mehr Soul. Wir freuen uns - mit Ralf - auf das Debüt 2018. Hier Ralfs EP-Besprechung!

Jakob Ogawa

Der neue Mac DeMarco kommt aus Norwegen und heißt Jakob Ogawa. Mit D’Artagnan-Bärtchen und vielleicht ein wenig mehr Soul als das Slacker-Original. 2017 ist er schon als Support-Act durch Deutschland getourt. 2018 kommt er dann hoffentlich als Leading-Act nach Bayern – Support bitte nur noch, wenn King Krule mit auf dem Tour-Plakat steht.

Hak Baker

Seine „Misfits“-12´´ aus dem letzten Jahr ist eine der EPs des letzten Jahres. Hak Baker ist jetzt schon der neue Ghostpoet: Er kommt aus East-London, musikalisch vom Grime, er war Mitglied des B.O.M.B. Squad Collectives, er spielt seine Songs aber jetzt nur noch mit Gitarre. Baker könnte eine der Stimmen der Straße 2018 werden.

CCFX

Diese Band besteht aus Mitgliedern von CC Dust und Trans FX, so setzt sich auch der neue Namen zusammen: CCFX. Sie kommen aus Olympia, Washington und bringen ihre erste EP auf dem Label DFA von James Murphy raus. Die Antwort auf die meistgestellte Frage zu CCFX lautet übrigens: Ja, es singt eine Frau, nämlich Mary Jane Dunphe.

Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs

Diese Band aus Newcastle mag Black Sabbath. Nuff said.

Goat Girl

Wenn 2018 Gitarre und Indie-Rock wieder cool werden sollten, dann ist diese All-Female-Band aus Süd-London dafür verantwortlich. Goat Girl sind Generation Brexit und sie fangen die Stimmung und die Vibes des Post-Brexit-Londons besser ein, als so manche männliche Kollegen, die eigentlich nur abwechselnd The Fall und Sex Pistols zitieren. Goat Girl ziehen da was eigenes auf – 2018 dann auch auf Albumlänge.

Blond

Familie Kummer aus Chemnitz kann sehr stolz auf ihre Kinder sein, denn nach den Kummer-Brüdern bei Kraftklub kommen jetzt auch die jüngeren Kummer-Schwestern mit Blond um die Ecke. Kein Wunder, Vater Kummer war ja schon bei der DDR-Kultband AG Geige ein Vorbild. Blond machen aber keinen deutschen Alternative-Pop wie die Brüder, sondern erinnern erfrischend an Nuller-Jahre-Wave-Bands wie The Long Blondes

The Düsseldorf Düsterboys

Irgendwo zwischen Hafen-Schunkler Hans Albers und Velvet Underground liegen The Düsseldorf Düsterboys. Die Düsterboys sind zwei Drittel der Essener Band International Music – ja, mit den unmöglichen Bandnamen haben sie’s irgendwie. Nach ein paar Singles wird’s Zeit für mehr und vielleicht können die Düsterboys auch Essen als Pop-Stadt nach vorne bringen, um die Vorherrschaft Stuttgarts in den letzten Jahren zu brechen. Grüße an dieser Stelle an Die Nerven.

Hier gibt's das Video auch noch in der Düstergirl-Version!

Stella Donnelly

Die Singer/Songwriterin Stella Donnelly kommt aus Australien und hat das Talent, ähnlich wie Adrianne Lenker von Big Thief, autobiografische Texte so zu verdichten, dass man nur noch mit offenem Mund zuhört. Der Song „Boys Will Be Boys“ aus ihrer „Thrush Metal EP“ ist eine kleine #metoo-Hymne und nimmt Position gegen das sogenannte „Victimblaming“ ein – nein, Frauen sind nicht per se selber schuld, wenn sie missbraucht werden. Boys, lernt das endlich.

Hier findet ihr die Extended-Playlist auf Spotify mit über 50 Newcomer-Tracks!


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