Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Der Tod des "Ruider Luck" Wildern unterm Hakenkreuz

Ludwig Reil aus dem Landkreis Cham in der Oberpfalz war eine schillernde Figur. Der "Ruider Luck", wie er vom Volksmund genannt wurde, war ein passionierter Wilderer.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 24.10.2017 | Archiv

Wegen kleinerer Delikte war er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Für die Polizei war Ludwig Reil sicher ein Ärgernis, da er schwer zu kontrollieren war und sich auch immer wieder der Verhaftung entzog. Zweimal floh er sogar aus dem Gefängnis. Die Polizei nannte ihn gleich einen "Verbrecher".
Alt wurde der "Ruider Luck" nicht. Gerade einmal 32 Jahre. Ludwig Reil wurde am 21. Juni 1942 "auf der Flucht erschossen", wie es hieß. Das Chamer Amtsblatt meldet das in einem Bericht mit der Überschrift:

"Verbrecher wegen Widerstands bei der Festnahme erschossen."

Chamer Amtsblatt

Das Amtsblatt feierte den Tod des "Ruider Luck" geradezu als Erfolg, kein Wort des Bedauerns, obwohl der Mann niemand umgebracht oder ein anderes Kapitalverbrechen begangen hatte. In der 17-zeiligen Meldung heißt es dann:

"Als er in einem Wald bei Habersdorf nun von der Gendarmerie gestellt wurde, machte er Anstalten, sich mit Waffengewalt der Verhaftung zu entziehen. Nach mehrmaligen Anrufen schoss ein Gendarmeriebeamter auf ihn und traf ihn tödlich."

Chamer Amtsblatt

Erzählt wird, dass die Polizei den Flüchtigen in eine Falle gelockt hat. Erzählt wird auch, dass Ludwig Reil frei weg vom Fahrrad herunter geschossen wurde. Ludwig Reil war 32 Jahre alt.

Mit dem Tod bezahlte in der Nazi-Zeit beispielsweise auch der Wilderer Georg Renkl aus der Hallertau seine Vergehen. Georg Renkl, genannt "der Zamp", war offenbar ein ähnlicher Typ wie der "Ruider Luck" aus dem Landkreis Cham. Der Heimatforscher Hans Neumaier aus Hebrontshausen im Landkreis Freising hat immer wieder Geschichten gehört über den "Zamp" und er begann sich zu interessieren für den Wilderer, der ebenfalls tragisch endete. Hans Neumaier hat Zeitungen gelesen, Akten gewälzt und Archive konsultiert.

"Georg Renkl war Sohn aus einer kinderreichen Familie in Au in der Hallertau, Vater war Taglöhner. Der Georg Renkl hat niemals eine richtige Arbeit gefunden, und hat sich halt so rumgetrieben, man könnte sagen ein gescheiterter Taugenichts, ein Lebenskünstler, der dann in die Mühlen und Fänge des Dritten Reiches geraten ist."

Hans Neumaier

Der "Zamp" schlug sich eben so durch, gelegentlich auch mit Kleinkriminalität. Nach mancherlei Gefängnisaufenthalten griff schließlich der Nazi-Staat brutal durch.

"Er kommt ins KZ, weil er halt in die Kategorie 'Berufsverbrecher' eingestuft wird. Er gilt als gemeingefährlich und erhält den grünen Winkel, wird dann von Dachau nach Flossenbürg überstellt, um Flossenbürg aufzufüllen und nach einiger Zeit kommt er zurück, kaputt gearbeitet, aus Flossenbürg und verbringt einige Tage oder Wochen in Dachau und wird dann in einem so genannten Invalidentransport nach Hartheim in Oberösterreich gebracht, wo er dann vergast worden ist."

Hans Neumaier

Thomas Muggenthaler hat für sein Zeit-für-Bayern-Feature Zeitzeugen befragt und in den Originalakten von Justiz und Polizei recherchiert. Das Ergebnis zeigt die bestürzende Brutalität des NS-Staats, zeichnet gleichzeitig aber auch ein buntes und zuweilen kurioses Bild der Lebenswirklichkeit sogenannter unterprivilegierter Schichten in der Zwischenkriegszeit.


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