Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Einfache Gerichte Oberpfälzer Spezialitäten aus der armen Zeit

Unvergessen ist auch Erwachsenen der Geschmack aus der Jugend. Und auch wenn Schmalhans dort Küchenmeister war, sehnt sich mancher zurück nach der Hausmannskost seiner Kindheit. So erleben einfache Gerichte der Oberpfalz eine Renaissance

Stand: 30.12.2016 | Archiv

Oberpfälzer Spezialität Dotsch (Kartoffelpuffer) | Bild: picture-alliance/dpa/Ernst Weingartner

Bei ihrer Oma hatte Lisa Weindl wohl so einen Hauch von Jesus-Ahnung. Die Oma konnte nämlich zaubern, aus zwei Fischen 10 000 machen oder so ähnlich. Die kleine Lisa aus Lederdorn in der Oberpfalz erinnert sich mit einem vertrauensvollen Lächeln daran, dass ihre Großmutter es verstand, aus ganz schlichten Zutaten etwas Wundervolles zu kochen.

 Es ist – so Lisa Weindl – nicht nur eine Herausforderung, sondern es macht auch Spass, aus dem dem, was der Boden hergibt, etwas Gutes zuzubereiten. In den Supermarkt gehen und eine gefrorene Käfigentenbrust mit Portweinsoße machen, kann eigentlich jeder Depp. Aber die großmütterlichen Oberpfälzer Küchengeheimnisse entfesseln Kreativität. 

Die kleine Lisa aus Lederdorn ist irgendwann ins große Regensburg gezogen und hat da ein winziges Lokal aufgemacht, den Steidlewirt am Ölberg. Da schnurrt der Stammgast, auch wenn er ein Preiß ist. 

Im immer internationaler sich entwickelnden Weltkulturerbe Regensburg gab's zuletzt immer weniger urige bayerische oder gar Oberpfälzer Gasthäuser, und Lisa Weindl war mit ihrer originellen Wirtsstube so etwas wie eine Exotin, noch dazu ziemlich versteckt in einer kleinen Altstadtgasse.

Kanadischer Koch tischt im Krauerer Oberpfälzer Spezialitäten auf

Aber  es ist in Regensburg ein Wandel zu spüren: die Oberpfälzer Küche wird salonfähig und präsentiert sich seit einem halben Jahr auf der ganz großen Bühne direkt gegenüber dem Dom – in Form vom "Krauterer". Das Lokal, am Krauterermarkt gelegen, auf dem bis vor wenigen Jahren noch  die legendären Radiweiber ihre prallen roten und weißen Stangen feilgeboten haben, wird ausgerechnet von einem kanadischen Koch bestimmt. Oskar Neff hat sich in Oberpfälzer Spezialitäten verliebt, sagt er. Aber das Wort "Drahdiwixal" – was in der Oberpfalz liebevoll für Bauchstechala verwendet wird, sprich, Fingernudeln aus Kartoffelteig, das beherrscht er heut noch nicht. 


Drahdiwixal gibt's beim Krauterer in jeder Form, süß, herzhaft, mit Kraut, mit Grünkohl, mit Bachsaibling. Bauchstechala und Bachsaibling?? Warum nicht. Oskar Neff liebt ungewöhnliche gastronomische Kombinationen, ganz kann er den Kanadier in sich doch nicht verleugnen. Aber  - selbstverständlich selbstgemachte – Wildschweinbratwürschtl mit Preißelbeersoße und Mandeln??Das klingt schon fast nach pervertiertem Montrealburger, oder, Mister Neff? Schmeckt allerdings sagenhaft. Mut braucht's halt zur Oberpfälzer Kreativküche.

Originales aus der Schlossbrauerei

Vom Krauterer im Herzen der Regensburger Altstadt geht's auf's Land, zu Ingeborg Schönharting in die Schlossbrauerei Eichhofen. Und auch hier ist ein Wandel zu spüren, das zeigt die Speisekarte, auf der auch so althergebrachte einfache Speisen wie Hirse stehen, aber halt in Form von einem raffiniert abgeschmeckten Hirserisotto

Gansjung - ein Rezept von Lisa Weindl

Und hier das Rezept Gansjung bzw. "Gänsebröih" von Lisa Weindl vom Steidlewirt: Gänseklein (Herz, Lunge, Magen, Flügerl) klein schneiden und zusammen mit kleingeschnittenem Wurzelgemüse und Zwiebeln in Gänseschmalz mit etwas Zucker anrösten. Mit Gemüsebrühe, Essig und Rotwein abschmecken, salzen und leise gar köcheln lassen. Die Soße mit dunkler Mehlschwitze binden und mit Johannisbeergelee abschmecken. Sollte noch Soße vom Gänsebraten übrig sein: rein damit. Zu dieser "Gänsebröih" gibt's geröstete Semmelknödelscheiben aus Semmelknödeln vom Gänsebratentag oder frische Semmelknödel.  


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