Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Die Renaissance der Engel Bei der Engelmalerin Pia Feller in Moos bei Deggendorf

Engel haben Hochkonjunktur, nicht nur zur Weihnachtszeit. Als göttliche Helfer aus einer unsichtbaren Welt tun gut in Zeiten von Angst machender Globalisierung und sozialer Kälte. Birgit Fürst hat sich auf die Suche gemacht und unter anderem Pia Feller getroffen, die Engel sehen und fühlen kann und sie malt.

Stand: 05.12.2016 | Archiv

"Erst verbinde ich mich. Was hab ich jetzt für ein Gefühl? Jetzt sehe ich einen weißen Engel mit Glitzer dran, das Gefühl wird ganz warm, das ist so, wie wenn so ein ganz gutes Gefühl durch mich durch geht. Das prickelt ein bisschen, wenns kommen. Dann geht das durch mich durch und dann fange ich an zum Malen. Dann nehme ich meine Finger und dann nehme ich a bissl a Farbe."

Künstlerin Pia Feller

Pia Feller aus Moos bei Deggendorf streicht mit kreisförmigen Bewegungen über die Leinwand und es entstehen weiße Engelsflügel. Dann taucht sie einen Finger ins Pink und malt den Körper:

"Da kriegt er ein schönes Leibl. Das bräuchte er nicht, aber das sind halt wir, dass wir uns was vorstellen. Eigentlich bräuchte der Engel bloß Lichtpunkte, a Schwingung."

Pia Feller

Aber damit wir Menschen sie besser verstehen können, zeigen sich die Engel Pia Feller manchmal in Menschengestalt mit Kleidung und wenn sie mit ihr sprechen, versuchen sie so zu reden, dass sie sie versteht:

"A Engel braucht ned sagen, a Farbkleid. Des is a Schwingung für n Engel. Aber sie deutschen es halt uns aus. Wie sollen die mit uns in Kontakt treten. Die müssen menschliche Dinge benutzen, dass wir wissen, was sie überhaupt meinen."

Pia Feller

Ein Engel auf dem Friedhof - Trostgestalt

Für die 51jährige Pia Feller gehören Engel fest zu ihrem täglichen Leben. Sie malt Engelbilder, hat schon Kalender und Kartendecks veröffentlicht. Und es kommen Menschen zu ihr, die in Kontakt zu ihren Engeln treten wollen. Sie ist „die Engelfrau“ in ihrem Heimatdorf Moos und wenn jemand über sie sagt, dass sie spinnt, irritiert sie das kein bisschen:

"Ja lass mich halt spinnen. I bin ned so, dass i denk, i muss die Leute bekehren. I denk es is wichtig, was ich glaube. Mir haben sie geholfen ich verstehe jeden, der sagt: du spinnst oder i kann damit nix anfangen."

Pia Feller

Ihre ersten Engel hat Pia Feller als Kind in der Kirche gesehen, als Lichtpunkte, die sie sich als sechsjährige nicht erklären konnte. Dazu kam das warme Gefühl, das ihr die Engel bis heute geben. Sie nennt es das Kaba-Gefühl:

"Wie wenn d Oma früher gsagt hat: geh Dirndl, leg die hi, kriegst an warmen Kaba. So ist ein Engel. Da legt man sich auf d Couch und kriegst an Kaba und alles ist gut. So ist ein Engel."

Pia Feller

Der Erzengel Michael als "Turamichele" im Augsburger Perlachturm

Im Christentum und in der Bibel haben Engel dagegen ganz andere Funktionen als ein Kaba-Gefühl. Der Erzengel Michael beispielsweise besiegt den Drachen, ist also Kämpfer gegen das Böse schlechthin. Raffael begleitet und beschützt Tobias und Gabriel ist der Bote Gottes. Die ganze Bibel ist besiedelt von himmlischen Heerscharen. Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising erklärt, dass Engel immer eingreifende Wesen sind:

"In allen Kulturen sind Engel diese Verbindung zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen und sie sind dem Göttlichen so nah, dass sie den göttlichen Willen nicht nur kennen, sondern auch ausführen können."

Pia Feller

Die Engel bringen den göttlichen Willen also in die menschliche Dimension:

"Und dass z.B. die Verkündigung der Geburt eines Gottes in der Welt durch einen Engel kommt, ist natürlich die absolute Höhepunkt dieser Engelsaufgaben. Eine größere kann er nicht haben als zu sagen: Gott wird in dieser Welt Mensch."

Pia Feller

Gut die Hälfte aller Deutschen glaubt laut Umfragen an Engel. An den Verkündigungsengel Gabriel denken sie dabei nicht zuallererst:

"I denk mirs oft beim Autofahren, wenns knapp herganga is, denkt man sich: halt, mein Schutzengel hat mir doch geholfen, irgendwie. in der Schul, wenn man sagt, man hat Glück ghabt, dann verbindet man das mit einem Schutzengel."

Umfrage

Auch für den Schutzengel gibt es Bibelstellen, sagt Diözesanmuseumsdirektor Christoph Kürzeder:

"Beim Schutzengel kommt dazu, dass dieses ungeschützt sein des Menschen in dieser Welt – das Göttliche ist weit entfernt und dadurch braucht man eine Gotteserfahrung, die näher ist und das ist im Alten Testament so wunderbar beschrieben, dass die Engel zu den Menschen kommen. Und bei ihnen sind. Der Raffael begleitet den Tobias auf seiner Reise, heilt eben mit der Galle des Fisches die Blindheit des Vaters, beschützt ihn auf der Reise. Dieser Aspekt, dass ich in dieser Welt so nah am Göttlichen bin, weil er mir seine Schutzgeister an die Seite gibt. Das ist eine wichtige Erfahrung für Menschen, die glauben, dass sie auch beschützt sind durch Mächte, die göttlichen Ursprungs sind und ihnen sehr nahe sind."

Christoph Kürzeder

Maria und der Engel

Die Kirche hat seit Jesus Christus nie an der Existenz von Engeln gezweifelt. Zuletzt hat der ehemalige Papst Benedikt XVI geschrieben, „es gehöre zum biblisch begründeten Wissen der Kirche, dass Engel Ausdruck der Größe und Güte des Schöpfergottes seien.“ Bei der Buchhandlung Pustet in Straubing gibt es Benedikts Buch „Gott und die Welt“ ebenso wie Pater Anselm Grüns Engelbücher oder Literatur aus der Esoterischen Ecke. Heidi Webster verkauft hier aber auch Engelkalender, Schlüsselanhänger und Amulette mit Engeln für Führerscheinneulinge oder Engelkarten und auch Kurioses:

"Oder hier unten die Aura-Sprays, auch verschiedene Engel, wie hier Raffael oder Jophiel oder Michael oder wie sie heißen, jeder steht für was anderes und jeder soll was bewirken. Den sprüht man in die Luft, dann soll – hier Mut-Liebe-Reinigung je nach Engel soll dann was unterschiedliches passieren. Man sprüht das in die Luft und dann soll der Engel über den Duft erscheinen. Das finde ich ziemlich abgehoben, aber wer dran glaubt und wems hilft, meine Güte. Ich mag das nicht werten, weil bei vielen von den Sachen, die wirken oder vermeintlich wirken, ist ganz viel Glaube dabei."

Pia Feller

Für Engel-Malerin Pia Feller ist es kein Glaube, sondern Gewissheit, dass es Engel gibt, weil sie sie ja sehen und fühlen kann. Alle Probleme lösen die Engel nicht für sie, aber sie helfen jederzeit. Ihr Tipp deshalb:

"Einfach rufen, seinen Schutzengel: Schutzengel bitte hilf mir, bitte weise mir meinen Weg. Lass mich wachsam sein. Führt er dich vielleicht in die Bücherei, um ein Buch zu finden.
Oder sie schicken dir menschen, oder sie schicken dir eine Heilparktikerin, die die Globuli hat. Der Engel macht es immer so: er möchte, dass es den Menschen besser geht."

Engelmalerin Pia Feller

Engel und obskure Weihnachtsgestalten


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