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Geheimnisvoll und bitter Elixiere aus der Oberpfalz

Was ist ein Elixier, - eine bittere Medizin, etwas Süßes aus Kräutern zum Genießen oder gar ein Wundermittel? Am Geburtsort des Johann Andreas Eisenbarth Oberviechtach in der Oberpfalz gibt es ein nach dem "Wunderdoktor" benanntes Elixier, mit dem sich Bitteres und Süßes, wunderbar kombiniert, genießen lässt. Ob sein Hersteller das Rezept verrät?

Stand: 27.02.2015

Eisenbarth Elixier – Inhaltstoffe ein Geheimnis

"Elixier", das Wort klingt schon geheimnisvoll und ein klein wenig nach "Wunderheilmittel". In Apotheken wurden früher Elixiere hergestellt, besondere Essenzen, Tinkturen und heilsame Weine.

Apotheker Dr. Karl-Heinz Foißner will den Ruf des Wanderchirurgs Johann Andreas Eisenbarth, der im 17. Jahrhundert lebte, wieder herstellen.

In unseren heutigen Apotheken wird Medizin kaum mehr selbst gemacht, nur noch verkauft. Für manchen Apotheker ist es deshalb eine willkommene Abwechslung. selbst als Nebenbeschäftigung einen Kräuterbitter - wenn das auch keine Medizin, sondern ein Genussmittel ist - anzusetzen. So "braut" auch Apotheker Dr. Karl-Heinz Foißner in Oberviechtach einen süßen Kräuterlikör, sein Eisenbarth Elixier.

zum Artikel Verspottet und verehrt Dr. Eisenbarth in Oberviechtach

"Ich bin der Doktor Eisenbarth", das Spottlied haben viele im Ohr. Vor 350 Jahren wurde Johann Andreas Eisenbarth in der Oberpfalz geboren. Als Wanderchirurg zog er übers Land. Doch war er tatsächlich ein Kurpfuscher? [mehr]

Karl-Heinz Foißner engagiert sich zudem im Stadtmuseum in Oberviechtach. Mit seiner Arbeit will er am Geburtsort des berühmten barocken Handwerkschirurgen manch verzerrte Wahrnehmung der Person Eisenbarths korrigieren. Zu Unrecht wird dieser in einem Spottlied zum Quacksalber herabgewürdigt.

Elixiere zum Einreiben

Ulrike Gschwendtner ist eine wahre Kräuterfee.

In der Stadt Weiden lädt die Kräuterführerin Ulrike Gschwendtner, von Beruf Buchhalterin, das ganze Jahr über zu Kräuterkursen ein. Mit dem Herzen ist sie "Kräuterfee" und sie beschäftigt sich mit Volksmedizin und Naturheilkunde. Die kalte Jahreszeit ist für sie keine "Unzeit" , sondern wird zur Herstellung von Elixieren und Sammeln von Rohstoffen genutzt.

Ulrike Gschwendtner beißt auf Weidenrinde.

So können beispielsweise Beinwellwurzeln ausgegraben werden, wenn der Boden frostfrei ist. Im Garten des Staatsgut Almesbach, den Ulrike Gschwendtner betreut, setzen die Beinwellwurzeln schon die ersten Sprossen an. Und auch die bitter schmeckende Weidenrinde findet man das ganze Jahr über. Sie ist ein natürlich vorkommendes Schmerzmittel. Das darin enthaltene Salicin wirkt im menschlichen Körper wie Acetylsalicylsäure (Aspirin/ASS-Produkte).

Ulrike Gschwendtner macht kein Geheimnis aus ihrem Wissen. Ihr Rezept eines Beinwellelixiers hat sie verraten und auch gezeigt, wie man ganz einfach selbst ein "Schönheits-Öl" herstellen kann.

Rezepte von Ulrike Gschwendtner

Beinwell Elixier

Beinwell Elixier (nicht innerlich einnehmen - enthält Pyrrolizidinalkaloide)

Beinwell wird seit alters her bei Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen verwendet. Es darf nicht innerlich eingenommen, sondern nur äußerlich auf die intakte Haut aufgetragen werden. In der Schwangerschaft ist vor einer Anwendung ein Arzt zu konsultieren.

Zutaten:
160 g Beinwellwurzel frisch
8 - 10 g Weidenrinde frisch
350 ml Ethanol 70 Prozent (in der Apotheke erhältlich)

Wurzel sauber bürsten, längs halbieren und in Scheiben schneiden. Alles in ein Schraubdeckelglas füllen und für vier bis sechs Wochen (mindestens 28 Tage) an einen hellen Platz (keine pralle Sonne) stellen. Täglich leicht schütteln. Durch ein feines Sieb filtern. Die Flüssigkeit 1:1 mit destilliertem Wasser auffüllen und in dunkle Fläschchen abfüllen. Alkoholgehalt ca. 35 Prozent.
Mit Zusatz von einer kleinen Chillischote oder ca. 20 g Ingwer im Ansatz ergibt sich eine durchblutungsfördernde und wärmende Komponente.

Das Beinwell-Elixier ist ideal als Einreibung nach dem Sport oder bei Muskelkater.

Die Wurzeln können im späten Herbst und frühem Frühjahr gegraben werden.

Schönheits-Elixier

Schönheits-Elixier für strahlende Haut

10 g getrocknete Vogelmiere (ganzes Kraut)
10 g getrocknete Gänseblümchen (Büten und Blätter)
circa 100 ml Bio-Mandelöl
Getrocknete Kräuter

Die Msichung in ein Schraubglas füllen und mit Öl aufgießen. Die Pflanzen sollten vom Öl vollständig bedeckt sein. Circa drei Wochen an einem hellen Platz bei Zimmertemperatur stehen lassen, täglich leicht schütteln. Durch eine feines Sieb oder Filterpapier filtern und in dunkle Fläschchen füllen (circa ein Jahr haltbar).

Bei frischen Pflanzen jeweils 20 g geschnitten verwenden. Öl zugeben, bis alles ca. 1 cm bedeckt ist. Achtung: Den Ansatz öfter kontrollieren, da höhere Schimmelgefahr besteht durch die Feuchtigkeit in den Kräutern.


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